EU-Entwicklungshilfe für Afrika verfehlt Millenniumsentwicklungsziele

Frauen aus dem Dogonen-Dorf Diombolo in Mali.
© Kaufmann
(26. Juni 2007) In den Hilfsprogrammen der Europäischen Union für Afrika verliert der soziale Sektor immer mehr an Gewicht. Wie der heute in Brüssel vorgestellte Bericht mit dem Titel "The EU’s contribution to the Millennium Development Goals – Halfway to 2015: Mid-term Review" zeigt, wird das Ziel, 20 Prozent der EU-Entwicklungshilfe für die medizinische Grundversorgung und für die Grundschulbildung bereitzustellen, nicht erreicht. Der Anteil der EU-Hilfe für die Grundschulbildung sank sogar von 4 Prozent im Jahr 2000 auf nur 2,7 Prozent im Jahr 2005.
Die Untersuchung zeigt, dass nur zwei von 61 EU-Programmen für die Länder Afrikas, der Karibik und des pazifischen Raums dem Bereich Gesundheit Priorität einräumen. Bei der Bekämpfung von HIV/Aids lassen sich so gut wie keine Bemühungen feststellen, und Bildung hat nur in fünf der 61 Programme Priorität. Die EU ist weltweit der größte Geber von Entwicklungshilfe.
Die EU-Expertin der Welthungerhilfe, Birgit Dederichs-Bain, sagt dazu: "Obwohl sich die EU klar zu den Millenniumsentwicklungszielen bekennt, richtet sie ihre Entwicklungshilfe nicht darauf aus. Vor allem Afrika braucht ein hohes Maß an Unterstützung. Wir können die Ziele nur erreichen, wenn wir in Fachkräfte im Gesundheitswesen und in Lehrer investieren. Wenn es um die Beseitigung der Armut geht, sollte die Europäische Kommission der gesamten Europäischen Union als Vorbild dienen."
Statt dessen verfolgt die EU offenbar andere Prioritäten, wie am Beispiel der "Government Facility" für Entwicklungsländer deutlich wird. Dieses Instrument nennt 23 Faktoren, die Länder für zusätzliche Finanzierung qualifizieren. Nur einer davon betrifft die Millenniumsentwicklungsziele. "Bei den anderen geht es darum, die afrikanischen Länder zu Maßnahmen gegen Migration, für Handelsliberalisierung und Terrorismusbekämpfung zu bewegen", sagt Dederichs-Bain. "Die Eigeninteressen der EU stehen also ganz offensichtlich vor der Armutsbekämpfung."
Studien 2004-2006
Studie 2006 (2015-Watch Report)
Studie 2005 (2015-Watch Report):
Studie 2004 (2015-Watch Report):
