Ländliche Entwicklung

Hunger ist ländlich

Positionspapier Ländliche Entwicklung

Über 70 Prozent der Hungernden leben in armen, ländlichen Regionen der Entwicklungsländer. Sie haben meist keinen Strom und auch keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sind dort wenig vorhanden und von schlechter Qualität. An Toiletten, Abwasser- und Müllsystemen ist erst gar nicht zu denken. Diese Menschen sind Kleinbauern oder in der Landwirtschaft beschäftigte Landlose. Sie betreiben Ackerbau, halten Tiere und gehen jagen und fischen.

Hunger ist ländlich. Wir arbeiten vor allem auf dem Land, denn dort leben rund drei Viertel aller Hungernden.
Hunger ist ländlich. Wir arbeiten vor allem auf dem Land, denn dort leben rund drei Viertel aller Hungernden.

Frauen und Kinder besonders betroffen

Frauen und Männer tun ihr Bestes, um ihre Familien zu ernähren und Geld zu verdienen. Doch außerhalb der Landwirtschaft finden sie kaum Arbeit. Viele Kinder müssen mitarbeiten und können nicht zur Schule gehen. Wenn die Männer auf der Suche nach einem besseren Einkommen in die Städte ziehen, bleiben Frauen und Kinder oft zurück. Damit sind die Frauen allein für das Überleben der Familie – für Haushalt und Landwirtschaft – verantwortlich.

So ist es nicht verwunderlich, dass Frauen und Kinder besonders von Hunger betroffen sind. Das Leben in ländlichen Räumen ist hart und die Erträge sind so gering, dass keine Ersparnisse gebildet werden können. Schnell wird ein kleines Problem - wie ein Krankheitsfall - zur Katastrophe für die ganze Familie. Daher bleibt der Hunger stets eine Bedrohung, auch wenn gerade genug Nahrung vorhanden ist.

Entwicklungsmodell für ländliche Räume

Umweltbedingungen, Entwicklungsstand und kulturelle Prägung stellen überall andere Anforderungen - es gibt kein global gültiges Entwicklungsmodell für ländliche Räume. Dennoch ist klar: Die Überwindung von Hunger und Armut im ländlichen Raum hängt insbesondere davon ab, wie erfolgreich der Agrarsektor zur Ernährung und zu angemessenen Einkommen beiträgt.

Im Mittelpunkt steht die Idee, dass aus armen Kleinbauern moderne, ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltig wirtschaftende bäuerliche Landwirte werden. Ziel ist, dass die Erträge nicht nur zur Selbstversorgung dienen, sondern Überschüsse ermöglichen. Denn nur so können Einkommen und Arbeitsplätze geschaffen und gesichert werden.

Welthungerhilfe unterstützt ländliche und regionale Entwicklung

Daher unterstützt die Welthungerhilfe vor allem Projekte in ihrem Förderbereich „ländliche und regionale Entwicklung“. Das Positionspapier Ländliche Entwicklung baut auf langjährigen Erfahrungen in diesem Arbeitsbereich auf. In 14 kurzen Kapiteln beschreibt es den Ansatz der Welthungerhilfe zur Förderung der Landwirtschaft und ländlichen Entwicklung.

Hierbei stehen sowohl die Unterstützung der Kleinbauern als auch die soziale und wirtschaftliche Entwicklung ländlicher Räume im Vordergrund. Das Positionspapier macht deutlich, dass Entwicklungspolitik nur dann Erfolg haben kann, wenn sie in einem breiten und stimmigen Wirkungsgefüge stattfindet. Daher werden hier auch konkrete Forderungen an die Politik, an Regierungen der Entwicklungs- wie der Geberländer und nicht zuletzt an internationale Organisationen formuliert.

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Dr. Rafaël Schneider

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