Politik und Klimaschutz

EU entscheidet auf minimalen Kompromiss zum Klimaschutz

Zwei Grad wärmer sollte die Erde nicht werden. Auf dem EU-Gipfel vereinbarten die Mitgliedsstaaten unzureichende Maßnahmen.

(2014) Zwei Grad - um mehr darf sich die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts nicht erwärmen. Sonst drohen gefährliche Entwicklungen, sagen Wissenschaftler. Doch für effektiven Klimaschutz braucht es vor allem die Minderung von Treibhausgasen und darüber müssen Staaten entscheiden. Auf den EU-Gipfel in Brüssel haben wir mit Spannung geschaut, weil die EU hier ihre Minderungsziele bekannt geben wollte. Wie andere auch hofften wir auf  ambitionierte Ziele für Europa. Doch das Ergebnis des Treffens ist ein Kompromiss, der weit hinter dem zurückliegt, was eigentlich notwendig wäre.

Die EU hat im Oktober entschieden, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 40 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu reduzieren und den Anteil erneuerbarer Energien aus Wind oder Sonne auf 27 Prozent zu erhöhen. Die Zielmarke für das Einsparen von Energie liegt nun nur noch bei 27 Prozent. Das wird für das Zwei-Grad Ziel nicht reichen!

Zwei Frauen waten durch kniehohes Wassers in Nicaragua.
Extreme Regenfälle, verheerende Dürren: Die Folgen des Klimawandels tragen heute vor allem Menschen außerhalb der EU. © Zanetti


55/45/40 - das forderten Non-Profit-Organisationen

Entwicklungs- und Umweltschutzorganisationen hatten von der deutschen Regierung und der EU eine 55/45/40 Formel gefordert. Also 55 Prozent Reduzierung der Treibhausgase, 45 Prozent Steigerung der erneuerbaren Energie und 40 Prozent Energieeinsparungen. Diesen Forderungen haben die EU-Staaten nicht entsprochen. Seit längerem hat die EU vor, bis 2050 Treibhausgasemissionen um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren. Das bedeutet, dass zwischen 2030 und 2050 weitere 55 Prozent Emissionen reduziert werden müssen. Mit Blick auf die heutige Entscheidung ist das wenig glaubhaft. Einziger Lichtblick der Entscheidung in Brüssel, Nachbesserungen beim Minderungsziel der EU in den nächsten Jahren sind aufgrund von europaweiten Investitionsprogrammen in mehr Effizienz und den Ausbau regenerativer Energien zumindest theoretisch möglich.

Der Blick in die Zukunft verlangt Nachbesserungen beim Klimaschutz

Die Entscheidung heute in Brüssel ist ein Kompromiss gegenüber kohleabhängigen Staaten wie Polen. Deutschland sollte sich nun für eine Vorreiterallianz in der EU stark machen. Klimaschutz muss sich an ambitionierten und nicht an bremsenden Akteuren orientieren. Der Abbau von Kohlesubventionen, eine engagierte Reform des Emissionshandelssystems und die Erhöhung der Energieeffizienz: Mit diesen Maßnahmen kann Deutschland noch nachsteuern. 

Die internationale Gemeinschaft trifft sich im Dezember im peruanischen Lima zur nächsten Klimaverhandlung. In einem Jahr soll es in Paris zum Abschluss eines Klimaabkommens kommen. Jetzt käme es darauf an, ambitionierte Minderungsziele auf den Tisch zu legen. Ansonsten ist das Abkommen das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben wird.

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