Solidarität auf allen Ebenen: 13. Fair Play Tour d’Europe trotzt Regen, Wind und Wetter

- Nach sieben Tagen auf dem Rad rollen die Teilnehmer des 13. Fair Play Tour d'Europe im Stadion von Konz ein. © Zeller
Für eine Stunde musste sich der ganze Tross unter eine Autobahnbrücke flüchten. Schon wieder ein Wolkenbruch. Überhaupt hatte es bei der 13. Fair Play Tour d’Europe zugunsten der Grundschule "Sheke" in Ruanda sechs von sieben Tagen nur geregnet. Doch wer glaubt, die vermeintliche Unglückszahl hätte einen Schatten auf die Tour geworfen, wird enttäuscht. Von Trübsal keine Spur, als die über 300 Radfahrer im Stadion von Konz bei Trier einrollten.
"Es war wunderbar", schwärmt die 17-jährige Anita Steiger, die zusammen mit ihrem Bruder Alex erschöpft aber glücklich ins Ziel einläuft. Teamgeist und Respekt hätten sie gelernt. Das habe schon mit dem gemeinsamen Frühstück begonnen, bei dem sich keiner vordrängelte. Um nachts mit 300 Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren in einer Turnhalle Schlaf zu finden, mussten ebenfalls alle aufeinander Rücksicht nehmen. "Das hat prima geklappt und die Stimmung war bestens", bestätigt Alex und strahlt über beide Ohren. Auch Konstantin Leonardt ist begeistert. Der 15-jährige ist schon seit drei Jahren dabei und freut sich, dass er durch seinen Beitrag "Kindern in Ruanda eine Zukunft ermöglichen kann". Das habe ihn motiviert, auch bei Regen und Wind durchzuhalten.
Begrüßt wurden die engagierten Radler am Zielort Konz von Fans, Angehörigen, Vertretern der Welthungerhilfe und hochkarätigen Gästen wie der Staatsekretärin Heike Raab vom Innenministerium Rheinland Pfalz, Arnold Schmitt und Bernhard Kaster (MdL) sowie Georg Bernading von der Europäischen Sportakademie und weiteren Ehrengästen aus Politik und Sport. Sie alle staunten über die stolze Summe von zwei Millionen Euro, welche die Jugendlichen aus Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg mit den insgesamt 13 Fair Play Touren bisher an Spenden für Ruanda eingefahren haben.
Eine logistische Meisterleistung

- Bei der 13. Tour war die Solidarität groß. © Zeller
Begleitet wurden die Jugendlichen auf ihrer 13. Tour von rund 60 Betreuern, jeweils zwei Ärzten und Polizisten sowie einem Tourtross von 40 Organisatoren, die für die Verpflegung und Unterkunft sorgten. Die ehrenamtlichen Helfer hatten tatsächlich alle Hände voll zu tun. So musste der 500 Meter lange Tross, der in acht Gruppen unterteilt war, hin und wieder eine Pause einlegen, um in trockene Kleidung zu schlüpfen und der Mechaniker hatte den Rekord von 200 Fahrradreparaturen zu bewältigen. Viel Zeit blieb dafür nicht. Der Tross musste rollen. Einmal gab es auch eine Verletzte zu behandeln. Barbara Burg war auf nasser Strecke ausgerutscht, hatte sich an Armen und Beinen Schürfwunden zugezogen und musste kurz im Krankenhaus behandelt werden. "Doch das war alles nicht so schlimm", sagt sie nach der Tour tapfer. "Ich konnte bald wieder mitfahren".
"Die Moral stimmte immer", erklärt Berthold Holderer vom Gymnasium Konz. Dem Koordinator gefällt besonders "das Fair Play auf allen Ebenen". "Wir hatten jüngere und ältere Teilnehmer sowie zehn Tandems mit Behinderten und Nicht-Behinderten dabei", berichtet er. "Da hat jeder den anderen unterstützt". Auch viele Eltern haben ihre Kinder an der Strecke mit lauten Zurufen angespornt. Und nicht zu vergessen: Die hohe Spendensumme an die Welthungerhilfe für die Schule in Ruanda als Zeichen der Solidarität mit den Ärmsten der Armen. Ein Mädchen habe allein 1.000 Euro gesammelt, sagt Holderer anerkennend.
Neue Klassenräume für die Grundschule "Sheke"

- Froh und zufrieden am Ziel: die Teilnehmer der Tour in Konz. © Zeller
Der Erlös der diesjährigen "Fair Play Tour d’Europe" kommt der Grundschule "Sheke" zugute. Die Schule in der Ortschaft Rwaniro in der Südprovinz Ruanda platzt zurzeit aus allen Nähten. Rund 850 Schüler der Primarstufe drängen in die wenigen, teilweise baufälligen Klassenräume. Ältere Schüler müssen in den Nachbarort ausweichen. Die Welthungerhilfe unterstützt in Kooperation mit dem Partnerverein Rheinland-Pfalz-Ruanda die Grundschule mit Hilfe der Spendengelder nun mit dem Bau von sechs neuen Klassenräumen, Zisternen und zwei Latrinenblöcken. Darüber hinaus sollen die Klassen 120 Schulbänke sowie einige neue Schreibtische, Stühle und Schränke erhalten. Damit schafft die Welthungerhilfe ein würdigeres Lernumfeld und erhöht die Zukunftschancen für über tausend Kinder und Jugendliche.
Die Verbindung der Welthungerhilfe zum Partnerschaftsverein Rheinland-Pfalz-Ruanda besteht seit 1999. Die Tour d´Europe, die von der Europäischen Akademie des Rheinland-Pfälzischen Sports in Trier organisiert wird, ist hierbei die zentrale Veranstaltung. Die Welthungerhilfe ist Partner der Tour d´Europe und ruft die teilnehmenden Schulen darüber hinaus auf, LebensLäufe rund um die Tour zu organisieren. Die Spenden aus den LebensLäufen werden dann für ein jährlich meist wechselndes Schulbauprojekt der Welthungerhilfe in Ruanda verwendet.
Ein Beitrag von Saskia Zeller
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