Wie die Finanzkrise den Hunger verschärft

Der durch die Rezession ausgelöste Anstieg des Hungers ist das Sympton eines tieferliegenden Problems: der Ausgrenzung und Entmachtung der Ärmsten.

Bäuerin in Ecuador: Fallende Nahrungsmittelpreise machen den Kleinbauern zu schaffen. © Lohnes
Bäuerin in Ecuador: Fallende Preise für
Nahrungsmittel machen den Kleinbauern
zu schaffen. © Lohnes
Die Weltgemeinschaft ist zurzeit mit zwei Krisen konfrontiert: der Nahrungsmittelpreiskrise und der Finanzkrise. Beide Krisen haben maßgeblichen Einfluss auf Ernährungssicherheit und auf finanzielle und wirtschaftliche sowie politische Stabilität. Die Armen und Hungernden werden die Auswirkungen stärker spüren, da viele von ihnen heute enger mit der Gesamtwirtschaft verzahnt sind.

Das Internationale Forschungsinstitut für Ernährungspolitik (IFPRI) geht davon aus, dass infolge der Rezession und des damit verbundenen Investitionsrückgangs in der Landwirtschaft im Jahr 2020 16 Millionen Kinder zusätzlich von Unterernährung betroffen sein könnten. Bei Kindern können schon Phasen zeitweiliger Unterernährung schwerwiegende Folgen haben: Unterernährung im Kindesalter führt zu einer Beeinträchtigung der physischen und kognitiven Entwicklung und hat Konsequenzen für das Einkommen im Erwachsenenalter.

Die Krisen werden daher noch lange nachdem die Nahrungsmittelpreise wieder gesunken sind und die Welt sich von der Finanzkrise erholt hat, negative Auswirkungen auf das Leben und die wirtschaftliche Perspektive der Menschen haben.

 

 

Warum verändert die Finanzkrise das Leben der Menschen?

Es gibt verschiedene Kanäle, über die die Finanzkrise und der daraus folgende Wirtschaftsabschwung in den Entwicklungsländern ankommen:

  • Rückgang des Welthandelsvolumens und veränderte Terms of Trade

Der Rückgang der globalen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen hat den Lebensmittelexporteuren weltweit erheblich geschadet. Der Exportrückgang führte außerdem zu einer Verringerung der Staatseinkünfte, die in Entwicklungsländern häufig zu einem hohen Anteil aus Exporteinnahmen erzielt werden. Vom Warenexport abhängige Länder mussten zusätzliche Rückschläge aufgrund der fallenden Terms of Trade (Rückgang der Exportpreise im Verhältnis zu den Importpreisen) hinnehmen; die Folge sind eingeschränkte Importmöglichkeiten.

  • Rückgang der ausländischen Direkt- und Portfolioinvestitionen

Rückgänge ausländischer Investitionen führen zu einer weiteren Einschränkung der in den Entwicklungsländern ohnehin knappen finanziellen und technischen Mittel. Große Projekte werden auf Eis gelegt oder eingestellt. Die Arbeitslosigkeit steigt und Menschen in armen Haushalten verlieren ihre Einkommensquelle.

  • Rückgang an Rücküberweisungen

Eine Abnahme der Rücküberweisungen führt in Entwicklungsländern zu einer direkten Verringerung des Haushaltseinkommens. Familien können nicht mehr in die Aus- und Weiterbildung ihrer Kinder investieren. Der Ausfall an Einkommen erschwert den Umgang mit den gestiegenen Nahrungsmittelpreisen und der Rezession.

  • Wachsende Kluft zwischen Mittelbedarf und ausländischer Unterstützung

Auch wenn einige Regierungen ihre Entwicklungshilfegelder aufgestockt haben, wird der Gesamtzuwachs nicht ausreichen, um die infolge der globalen Krisen wachsenden Bedürfnisse der armen Bevölkerung zu befriedigen. Dort, wo ausländische Finanzhilfen gekürzt werden, werden ohnehin schon knappe Budgets für Gesundheitsfürsorge, Bildung und soziale Sicherung noch stärker belastet.

Die genannten Faktoren sind für die einzelnen Länder von unterschiedlicher Bedeutung. Und sie haben je nach Land unterschiedlich starke Auswirkungen. Sinkende Terms of Trade beispielsweise treffen exportorientierte Rohstoffnationen härter. Das Ausbleiben von Rücküberweisungen dagegen hat etwa in lateinamerikanischen Ländern schwerere Konsequenzen. Der Dominoeffekt von Weltfinanzkrise und Wirtschaftsabschwung - wie die Übertragung der Finanzkrise auf andere Wirtschaftssektoren und Einbrüche bei den Regierungseinnahmen - verstärkt die negativen Auswirkungen für die Armen und Hungernden.

 

Lösungsansätze zur Eindämpfung der Auswirkungen

Politische Maßnahmen die darauf abzielen, die Auswirkungen der Finanz- und der Nahrungsmittelpreiskrise abzufedern, müssen die individuelle Gefährdungslage von Ländern und die unterschiedliche Betroffenheit bestimmter Bevölkerungsteile innerhalb der Länder berücksichtigen. Soziale Sicherungsmaßnahmen sollten folglich so gestaltet sein, dass sie tatsächlich diejenigen erreichen, die am schwersten betroffen sind. Gleichzeitig müssen sie den Grundstein für eine nachhaltige Verbesserung legen und negativen Folgen in der Zukunft vorbeugen.

Erfolgreiche Ernährungsinterventionen wie Schulspeisungen und Programme zur Verbesserung der frühkindlichen Ernährung sowie Initiativen zur Verbesserung der Ernährung von schwangeren Frauen und Müttern sollten gefördert und weltweit umgesetzt werden.

Letzte Änderung an dieser Seite: 13.10.2009

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