Ein weiter Weg bis zur Gleichberechtigung


Grafik: Frauen in Afrika
Eines der so genannten Milleniumsziele der Vereinten Nationen (UN)  ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Bis zum Jahr 2015 sollte die Benachteiligung von Frauen und Mädchen bei Bildung, Berufschancen und Einkommen, Gesundheit und Ernährung überwunden sein. Dieses Ziel wird nicht erreicht werden.

Weltweit sind derzeit etwa 35 bis 40 Prozent aller Arbeitnehmer weiblich. Damit sind heute rund 200 Millionen Frauen mehr berufstätig als noch vor 10 Jahren. Doch sie bekommen weder gleichen Lohn für gleiche Arbeit noch haben sie entscheidend mehr Einfluss auf Wirtschaft und Politik gewonnen. Das gilt in vielen Industrieländern, besonders aber in den ärmeren Entwicklungsländern. Gerade dort wären Fortschritte besonders wichtig.

Frauen leisten viel - für weniger Geld

Vor allem in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara hängt der Kampf gegen die Armut entscheidend von mehr Gleichberechtigung der Frauen ab. Dort leisten Frauen rund 70 Prozent der Arbeit in der Landwirtschaft, doch sie verfügen nur über ein Achtel der Landtitel. Rund drei Viertel der unbezahlten Arbeit in Schwarzafrika wird von Frauen geleistet. Die Männer dagegen besetzen fast drei Viertel aller entlohnten Arbeitsstellen.

Noch drastischer wird die Benachteiligung von Frauen bei der Besetzung von Führungspositionen deutlich. Nur 12 Prozent der Spitzenjobs werden von Frauen besetzt. Genauso hoch ist ihr Anteil in den Parlamenten.

 

Gleichberechtigung fängt an bei den Kindern

Der Weg zu mehr Gleichberechtigung und damit besseren Entwicklungschancen für die gesamte Gesellschaft muss schon bei den Kindern beginnen. Noch immer gehen deutlich mehr Jungen zur Schule als Mädchen. Doch bei der Bildung gibt es in vielen afrikanischen Ländern Fortschritte.

Noch vor zehn Jahren konnten nur 40 Prozent aller Frauen in Schwarzafrika lesen und schreiben, heute sind es bereits 58 Prozent. Bei den Männern stieg dieser Anteil von 59 auf 71 Prozent. Damit sind zwar noch immer sechs von zehn Analphabeten weiblich, doch die Kluft wird schmaler – eine Folge dessen, dass immer mehr Mädchen zumindest die Grundschule besuchen können. Noch sind es immer die Mädchen, die den Schulbesuch abbrechen müssen, wenn das Einkommen der Eltern nicht mehr für das Schulgeld reicht oder wenn die Arbeitskraft zuhause oder auf dem Feld gebraucht.

 

Aids behindert Entwicklung

Millionen Kinder in Afrika haben in den letzten Jahren einen oder beide Elternteile durch Aids verloren. Diese Epidemie hat viele Entwicklungserfolge zunichte gemacht. Vor allem Mädchen müssen schon früh die Schule verlassen und ihre Geschwister versorgen. Dazu kommt, dass Männer immer jüngere Frauen und Mädchen als Sexualpartner suchen, weil sie glauben dadurch besser vor einer HIV-Infektion geschützt zu sein. Ein Irrtum mit fatalen Folgen: Mittlerweile sind in Afrika mehr junge Frauen infiziert als Männer.

 

(Karl-Albrecht Immel; Stand: Juli/August 2006)

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