Die Rolle der Frau bei der Hungerbekämpfung
Wenn Frauen ihr Potenzial entfalten können, leisten sie einen bedeutenden Beitrag zu Ernährungssicherheit und zum Wohlergehen ihrer Familien.

Erwerbstätige Mütter sind Stolz auf ihre
Unabhängigkeit. Und auf ihre Möglichkeit,
ihre Kinder selber zu versorgen. © FlaemigDie Förderung der Geschlechtergerechtigkeit ist für die Welthungerhilfe, die irische Nichtregierungsorganisation Concern Worldwide sowie für ihre Partner in den Entwicklungsländern integraler Bestandteil ihre Arbeit.
Am Beispiel der Studie "Erwerbstätigkeit und Kinderfürsorge im Korogocho Slum, Nairobi, Kenia" wird illustriert, welche Auswirkungen ein verändertes Rollenverständnis – insbesondere die eigene wirtschaftliche Tätigkeit der Frau – auf Entscheidungsprozesse und Ernährungssicherheit von Haushalten hat.
Die Studie wurde mithilfe von Gruppeninterviews und individuellen Interviews im Juni und Juli 2009 in Korogocho durchgeführt. Ziel war es, die Entscheidungsprozesse von Müttern für eine nicht mütterliche Betreuung zu verstehen. Auch wurde der Einfluss der Erwerbsarbeit von Müttern auf deren Aufgaben und Verantwortungen im Bereich Kinderfürsorge untersucht. Alle befragten Personen stammen aus Korogocho.
Studien-Umfeld: Städtische Slums und Mangelernährung
Die städtischen Slums Kenias gehören zu den größten und am dichtesten besiedelten in Afrika. Schlechte Wohnverhältnissen, unzulängliche Wasser- und Sanitärversorgung, eine schlecht ausgebaute Infrastruktur, Kriminalität, Gewalt sowie ein unzureichender Zugang zu Gesundheits-, Bildungs- und Sozialleistungen prägen das alltägliche Leben.
Korogocho ist mit einer Bevölkerung von etwa 150.000 Einwohnern auf einer Fläche von 1,5 Quadratkilometern eine der am dichtesten besiedelten Slums in der Metropole Nairobi Distrikt Ost. Concern Worldwide Kenia ist hier seit 2002 tätig. 3,5 Prozent der Kinder leiden an akuter und 37,9 Prozent an chronischer Mangelernährung.

Kenianische Familie im
Slum von Nairobi.
© Elliott/Concern WorldwideErwerbstätige Frauen versus Betreuungsangebote
Trotz dieser Herausforderungen bieten die Slums von Nairobi Frauen auch die Möglichkeit, Kleinstunternehmen zu gründen oder andere wirtschaftliche Tätigkeiten aufzunehmen. Zusätzlich tragen verschiedene Faktoren wie sozialer Druck, der Drang zu finanzieller Unabhängigkeit oder Armut dazu bei, dass Frauen das traditionelle Rollenbild verlassen.
Sobald Frauen eigenes Einkommen erwirtschaften, können sich die Machtverhältnisse bei familiären Entscheidungen ändern. Normalerweise wächst mit steigendem wirtschaftlichem Empowerment auch der Einfluss von Frauen auf die Ressourcenverteilung. Frauen neigen eher dazu, das direkte Wohlergehen der Familie, vor allem das der Kinder, in den Vordergrund zu stellen. Das hat einen positiven Einfluss auf Gesundheit und Ernährung der Kinder.
Eine Erwerbstätigkeit außerhalb des eigenen Haushalts reduziert allerdings die Zeit, die Mütter mit ihren Kindern verbringen. Die Vorzüge eines höheren Einkommens und einer besseren Kontrolle über die Art der Ausgaben könnten somit durch eine schlechtere Qualität der Kinderfürsorge zunichtegemacht werden. Denn in ihrer Abwesenheit müssen sich Mütter auf die gegebenen Betreuungsmöglichkeiten verlassen können, um die Versorgung ihrer Kinder ausreichend zu gewährleisten.
Ergebnisse der Studie
Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass Mütter durch die Teilnahme am Erwerbsleben und an der Entscheidungskontrolle über ihr eigenes Einkommen einen positiven Einfluss auf die Gesundheit und Ernährung ihrer Kinder haben.
1. Mütter mit eigenem Einkommen konnten ihren Einfluss dahingehend erhöhen, wie und für was dieses Einkommen ausgegeben wird. Diese Kontrolle erstreckte sich auch auf das Einkommen anderer Haushaltsmitglieder.
2. Eigenes Einkommen stärkt das Unabhängigkeitsgefühl der Mütter und ihre Fähigkeit, für ihre Kinder zu sorgen.
3. Diese Vorteile wurden jedoch oftmals dadurch zunichtegemacht, dass Mütter gezwungen wurden, bedingt durch ihre Erwerbstätigkeit außer Haus, ihre Kleinkinder einer nicht optimalen Betreuungssituation zu überlassen.
So könnten die Lösungen aussehen
Zugang zu bezahlbarer, qualitativ hochwertiger, nicht mütterlicher Kinderbetreuung muss geschaffen werden. So können die positiven Effekte, die Mütter mit ihrer Erwerbstätigkeit erzielen, vollständig zur Geltung kommen.
Die Programme der Nichtregierungsorganisationen müssen Mütter in ihrem ökonomischen Empowerment sowie bei ihren fürsorglichen Aufgaben unterstützen. Zugleich müssen Möglichkeiten zur sozialen Netzwerkbildung geschaffen werden.
Die Stärkung von Spar- und Kleinstkreditgruppen verbessern die finanzielle Möglichkeiten. Zudem tragen sie dazu bei, dass gute Kinderbetreuung und -fürsorge gewährleistet wird.
Die Auswirkungen der verschiedenen Aufgaben von Müttern innerhalb der Gemeinschaft und Familie müssen berücksichtigt werden. Programme, die ökonomisches Empowerment von Frauen anstreben, sollten die Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit und Zeit von Müttern für gute Kinderbetreuung und -fürsorge beachten.
Dennoch sind weitere Untersuchungen notwendig, um die komplexen Geschlechterbeziehungen in den Slums und ihren Einfluss auf Kinderfürsorge und Ernährung zu verstehen. Der Aspekt der Betreuungssituation muss im Fokus von Armut, Ernährungsunsicherheit und schlechter Hygiene- und Sanitärversorgung gesetzt werden. Denn diese Faktoren üben einen entscheidenden Einfluss auf die Mangelernährung von Kindern in Slums aus.
Alle Berichte
2009
Welthunger-Index 2009. Frauen stärken, Hunger bekämpfen
2008
Übersichtseite zum Welthunger-Index 2008
Welthunger-Index 2008: 33 Länder haben sehr ernste bis gravierende Hungersituation
2007
Welthunger-Index 2007: Ein Drittel der Länder auf Kurs, Afrika bleibt Brennpunkt
2006
Welthunger-Index 2006: Kriege verschärfen Hunger – zehn afrikanische Länder bilden Schlusslicht
2005
Welthunger-Index 2005: Warnung vor dramatischer Zunahme von Hunger
Grafiken und Karten
Karte: Welthunger-Index 2009 (mit Ranking)
Karte: Der Welthunger-Index 2009 - nach Schweregrad in den einzelnen Ländern
Säulendiagramm: Anteil der einzelnen Indikatoren
So viel tragen Sterblichkeitsrate unter fünf Jahren, Anteil Unterernährter und Anteil untergewichtiger Kinder zum WHI 1990 und zum WHI 2009 bei.
Rangliste: Der Welthunger-Index 1990 und 2009 nach Ländern
Karte: Entwicklung des WHI von 1990 bis 2009
So stark ist der Hunger in den einzelnen Ländern gestiegen bzw. gesunken.
Grafik: Gewinner und Verliererländer im WHI von 1990 bis 2009
In diesen Ländern ist der Hunger am meisten gesunken bzw. gestiegen.
Diagramm: Der Zusammenhang zwischen Hunger und Bildung
Vergleich zwischen dem WHI 2009 und dem Gender Gap Index 2008
Grafik: Immer mehr Menschen leiden an Hunger
Hunger - das Kernthema der Welthungerhilfe
Weitere Informationen
Welthunger-Index 2009: Frauen stärken, Hunger bekämpfen
A Sub-National Hunger Index for Ethiopia: Assessing Progress in Region-Level Outcomes, Oct. 2009.
