Verdient der G8-Gipfel diese ganze Aufmerksamkeit?

Von Ulrich Post

Ein Junge aus dem Kongo trägt Bananenstauden für den Verkauf zum Markt. © Meissner
Ein Junge aus dem Kongo trägt Bananenstauden für
den Verkauf zum Markt. © Meissner

Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, ob die G8-Treffen die Aufmerksamkeit verdienen, die sie von uns Nichtregierungsorganisationen (NRO) erhalten. Stehen sie nicht doch eher für Symbolpolitik oder für die Inszenierung von Politik? Fallen nicht die wirklich wichtigen globalen Entscheidungen im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN), im Weißen Haus, bei der Welthandelsorganisation (WTO) oder in den Chefetagen von Nestlé oder Microsoft?




Ulrich Post. © DWHH
Ulrich Post. © DWHH
Stärkere Demokratisierung

Wie auch immer: Die G8 nehmen für sich in Anspruch, Entscheidungen von globaler Reichweite zu treffen - auch wenn die Treffen jetzt nicht mehr Weltwirtschaftsgipfel, sondern Forum globaler Verantwortung genannt werden. Dieses Forum repräsentiert 13 Prozent der Weltbevölkerung und gut 65 Prozent des Weltsozialprodukts.

Wir NROs wünschen uns eine stärkere Demokratisierung des Systems von Global Governance. Und wir sehen dabei für die UN eine wichtigere Rolle, als diese heute spielen kann oder spielen darf.

 

Mangel an Vertrauen

Trotz vieler Zweifel haben NROs aus unterschiedlichen Milieus in den letzten Wochen und Monaten dem in Deutschland stattfindenden G8-Treffen viel Arbeit gewidmet. Denn: Der Gipfel ist für uns eine sehr gute Gelegenheit, öffentliche Aufmerksamkeit und Unterstützung für unsere Anliegen zu erreichen. So wird es in und um Heiligendamm herum eine ganze Reihe von Aktionen und Veranstaltungen unter herausragender Beteiligung der NROs geben.

 



Aktionen gegen Armut

Das reicht von Demonstrationen und Alternativveranstaltungen bis hin zu den Aktionen der Kampagne "Deine Stimme gegen Armut" als deutschem Zweig einer internationalen Aktion. Darauf sind wir stolz.

Wir haben uns schnell darauf verständigt, dass wir mit der G8-Agenda nicht zufrieden sind. Uns fehlt beispielsweise ein Umsetzungsplan für die Beschlüsse vergangener Gipfel. Von den NROs gibt es eine Reihe von Positionspapieren zum Gipfel, z.B. von VENRO ("Wort halten"). Dieses Papier, das von Umwelt – und Entwicklungsorganisationen getragen wird, stellt sieben Themen in den Mittelpunkt und verbindet sie jeweils mit konkreten Anliegen. Diese Vorschläge müssen ernst genommen werden!

 

Schulkinder in Äthiopien. © Stedtler
Schulkinder in Äthiopien.
© Stedtler

NROs sind glaubwürdig

Regierungen können vieles, was NROs nicht können. Gleichzeitig verfügen aber NROs über komparative Vorteile gegenüber Regierungen. Sie besitzen eine hohe Glaubwürdigkeit. Wir können freiwilliges und ehrenamtliches Engagement mobilisieren. Wir haben prominente Fürsprecher in der Gesellschaft. Wir arbeiten qualitätsorientiert und sehr kostenbewusst. Uns unterstellt niemand, unsere Arbeit aus Profit- oder parteipolitischen Gründen zu betreiben.

Für uns ist die Kohärenz von Maßnahmen ein wichtiges Kriterium bei der Bewertung politischer Entscheidungen. Zwei Milliarden mehr für Armutsbekämpfung sind gut. Sie helfen aber wenig, wenn die armen Entwicklungsländer bei den WTO-Verhandlungen über den Tisch gezogen werden.

 

Verlust der Glaubwürdigkeit

Wir stellen in den letzten Jahren einen deutlichen Ansehens- und Glaubwürdigkeitsverlust westlicher Konzepte in anderen Teilen der Welt fest - nicht nur in islamisch geprägten. Dies hat gewiss auch etwas damit zu tun, dass und wie wir unsere Interessen, unsere Wirtschaftsweise und auch unsere Wertevorstellungen anderen überstülpen – gewollt oder ungewollt. Do we practise what we preach? Wohl eher nicht; Doppelmoral ist ein den G8-Ländern häufig und ein zu Recht gemachter Vorwurf.

 

Lachen und Sonnenblumen - Symbole, die Hoffnung verheißen. © Namaacha
Lachen und Sonnenblumen
- Symbole, die Hoffnung
verheißen. © Namaacha
Auf Augenhöhe bleiben

Dieser Glaubwürdigkeitsverlust sollte auch den G8-Regierungen zu denken geben. Denn die allermeisten der eben genannten Herausforderungen sind nur gemeinsam und auf gleicher Augenhöhe zwischen reichen und armen Ländern zu lösen. Und gemeinsam mit möglichst starken Zivilgesellschaften in Nord und Süd. Ob und wie der Gipfel in Heiligendamm mit diesem Prinzip der Partnerschaftlichkeit umgeht, auch das wird darüber entscheiden, ob er die Aufmerksamkeit verdient, die wir ihm geben.  

(Stand: April 2007)


Autor

Ulrich Post ist Mitarbeiter der Deutschen Welthungerhilfe. Sein Statement hält er im Namen des Verbandes Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungs- organisationen (VENRO).

www.venro.org

Multimedia

Spot: Deine Stimme gegen Armut

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Weitere Informationen zum G8 Gipfel 2007

Das Grönemeyer-Konzert in Rostock: Hier sind EURE "Stimmen gegen Armut"

Welthungerhilfe: Abschlusserklärung des G8-Gipfels ist eine Mogelpackung (8. Juni 2007)

Verdient der G8-Gipfel unsere ganze Aufmerksamkeit? (April 2007)

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Die G8 (Gruppe der Acht) ist eines der wichtigsten internationalen Foren globaler Verantwortung, die sich jährlich zum so genannten Weltwirtschaftsgipfel treffen. Mit Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, USA, Kanada (seit 1976) und Russland (seit 1998) gehören der G8 die führenden Industrieländer an. Die G8 sind ein Forum der Staats- und Regierungschefs, deren Zusammenkünfte informellen Charakter haben, um in "entspannter Runde" globale Themen und Probleme zu beraten.

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