Zu wenig Geld für Bildung
In vielen Entwicklungsländern über 40 Schüler pro Lehrer

@Tränkle
Weltweit können fast 800 Millionen Erwachsene nicht lesen und schreiben – dreizehn Prozent aller Männer und 23 Prozent der Frauen. Besonders hoch ist der Anteil der Analphabeten in Indien, in vielen Ländern Afrikas und im Nahen Osten. Vor allem in Südasien und Afrika bekommen viele Kinder und Jugendliche keine Chance, wenigstens eine Grundschulbildung abzuschließen. In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara absolvieren nur zwei Drittel aller Jungen und kaum mehr als die Hälfte der Mädchen die volle Grundschulzeit.
Die Einschulungsraten sind heute zwar deutlich höher als noch vor 15 Jahren, doch noch immer zwingt die Armut viele Kinder dazu, die Grundschule vorzeitig zu verlassen. Dazu kommt, dass viele Staaten nicht genug Geld für das Bildungswesen aufbringen. Die Folge: zu wenige Schulen - vor allem in ländlichen Regionen, schlecht ausgebildete Lehrer und eine katastrophale Ausstattung vieler Schulen. Es fehlt an geeignetem Lehrmaterial, oft findet der Unterricht in baufälligen Räumen statt. Zudem sind die Klassen oft riesig. Keine Seltenheit ist der gemeinsame Unterricht mit 80 und mehr Schülern verschiedener Alterstufen in einem Raum oder unter freiem Himmel.
In manchen Ländern wie z.B. in Togo haben die meisten Lehrer selbst kaum mehr als Grundschulbildung, in Botswana sind nur zehn Prozent aller Lehrer für ihren Beruf ausgebildet. Ganz ähnlich sieht es in vielen Ländern Afrikas und in einigen Regionen in Südasien aus.
Die Ausgaben für das Bildungswesen sind in vielen Entwicklungsländern gestiegen, der Zugang zu Bildung ist besser geworden. Oft stecken auch besonders arme Länder zwischen zehn und 20 Prozent ihrer öffentlichen Ausgaben in die Bildung - und damit prozentual mehr als manche Industrieländer. Doch das reicht angesichts der absoluten Beträge bei weitem nicht. Die UNESCO schätzt, dass jährlich rund sechs Milliarden Dollar zusätzlich nötig wären, um wenigstens die Grundschule für alle zu gewährleisten. Das ist rund das Dreifache dessen, was bisher als weltweite Entwicklungshilfe in die Grundschulbildung fließt.
Noch viel düsterer sieht die Bilanz in den meisten Ländern für die weiterführenden Schulen oder gar Universitäten aus. Die Kluft zwischen reichen und armen Ländern ist gerade bei der Bildung besonders tief – umso schlimmer, dass immer mehr Menschen, die in den Entwicklungsländern ausgebildet wurden, ihr Land verlassen und ihr Glück in den Industrieländen suchen. Die ohnehin schon viel zu knappen Bildungsressourcen der armen Länder werden so auch noch zum Nutzen der reichen Länder umgeleitet.
Karl-Albrecht Immel
