Nicht nur gut für Frauen: Geschlechtergerechtigkeit  durch Entwicklungszusammenarbeit

von Katharina Philipps

In ländlichen Gebieten schleppen Frauen im Kongo das Brennholz manchmal mehrere Stunden lang. © Meissner
In ländlichen Gebieten schleppen Kongolesinnen
das schwere Brennholz manchmal mehrere
Stunden lang.  © Meissner
Fast überall auf der Welt sind Frauen gegenüber Männern wirtschaftlich, sozial, politisch und rechtlich benachteiligt. Gerade Entwicklungsorganisationen müssen sich für Gleichberechtigung einsetzen, denn die Probleme in Entwicklungsländern betreffen Frauen viel stärker als Männer. So sind über 70 Prozent der absolut Armen und über 60 Prozent der AnalphabetInnen weiblich. Und in Entwicklungsländern produzieren Frauen zwar 80 Prozent  der Grundnahrungsmittel, aber weniger als 2 Prozent von ihnen dürfen Land besitzen.



Entwicklung durch Gleichberechtigung

Gleichberechtigung ist aber nicht nur wichtig, um das Leben von Frauen zu verbessern. Der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan betonte am internationalen Frauentag 2005, "dass es kein wirksameres Mittel zur Förderung der Entwicklung gibt, als die Stellung der Frau zu stärken." Denn Maßnahmen zur Gleichberechtigung wirken sich positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes aus. Mütter und Kinder leben länger und die Gesundheit und Ernährung der ganzen Familie verbessert sich. Wenn z.B. durch Aufklärung HIV-Infektionen von Frauen verhindert werden, werden auch keine infizierten Kinder geboren.

 

 

Schule für Erwachsene: Eine junge Mutter in Mosambik lernt Lesen und Schreiben. © Kropke
Eine junge Mutter in
Mosambik lernt Lesen und
Schreiben. © Kropke
Entwicklungsorganisationen fördern Frauen

Der Einsatz für die Gleichberechtigung der Geschlechter hat in der Entwicklungszusammenarbeit eine jahrzehntelange Tradition. Seit den siebziger Jahren unterstützen Hilfsorganisationen Frauen mit konkreten Projekten dabei, ihr Leben zu  verbessern. So fördert die Welthungerhilfe beispielsweise seit 1988 Spar- und Kreditgruppen von Inderinnen, die die Eröffnung eines kleinen Ladens finanzieren oder berufliche Fortbildungen organisieren.

Doch die Grenzen dieses Ansatzes wurden in den letzten fünfzehn Jahren deutlich. Zwar kann die gezielte Förderung von Frauen bewirken, dass sie neue Rollen und Aufgaben übernehmen, die vormals eher Männern vorbehalten waren. Aber solange sich lediglich die Frauen ändern, das Leben von Männern jedoch wie zuvor bleibt, verändern sich die diskriminierenden Strukturen nicht.

 

Kongolesinnen zerklopfen Steine für den Bau einer Straße. © Meissner
Kongolesinnen zerklopfen
Steine für den Bau einer
Straße. © Meissner
Neuer Fokus: Von "Frauen" zu "Gender"

Mitte der neunziger Jahre wurde deshalb der "Gender-Ansatz" aus der Taufe gehoben, der  Verhaltensweisen von Männern und Frauen sowie das Verhältnis der Geschlechter zueinander betrachtet. Von dem neuen Ansatz erhoffte man sich vor allem zweierlei: Erstens die gesellschaftlichen Strukturen, Wert- und Rollenvorstellungen zu verändern, die Frauen diskriminieren, anstatt nur das Leben einzelner Frauen zu beeinflussen. Und zweitens sollen auch Männer in die Arbeit einbezogen werden.


Entwicklungsorganisationen wenden mittlerweile zusätzlich zur Frauenförderung Methoden des "Gender Mainstreaming" an. Das bedeutet, sie prüfen, wie sich ihre Arbeit auf Frauen einerseits und Männer andererseits auswirkt. Auf diese Weise können sie ihre Projekte und Programme so gestalten, dass sie möglichst genau für beide Geschlechter passen. Die Welthungerhilfe bietet beispielsweise in Ecuador Workshops zu Gender und Menschenrechten an. So sollen langfristig die Rollenbilder und Geschelchterrollen in den Dorfgemeinschaften geändert werden.

Letzte Änderung an dieser Seite: 05.03.2009
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