Abriss durch die Geschichte der Entwicklungszusammenarbeit

Sauberes Wasser aus einem Brunnen in Kenia, finanziert von der Welthungerhilfe. © Maedje
Sauberes Wasser aus einem Brunnen in Kenia,
finanziert von der Welthungerhilfe. © Maedje
Als Mitte des vergangenen Jahrhunderts viele Länder Afrikas und Asiens unabhängig wurden, tauchte schnell die Frage auf, wie diesen jungen Staaten beim Aufbau ihrer Volkswirtschaften zu helfen sei. Gesucht wurden wirksame Mittel im Kampf gegen Hunger und Elend in weiten Teilen der Welt.

 

Die frühen Ansätze

Die Antwort lautete: Man müsse nur genügend Geld und Experten in diese Länder schicken. Schon werde dort ein dynamischer Wachstumsprozess einsetzen. Nicht nur die Eliten, sondern auch Arme würden davon profitieren. Man glaubte, dass Fortschritt und Technologie ausreiche, um die durch Kolonialmächte ausgebeuteten Länder bald zu wohlhabenden Staaten der südlichen Hemisphäre werden. Eine Annahme, die sich schon bald als falsch herausstellen sollte.

 

Gründung von Institutionen

So stellten die Länder des Nordens Kapital und Wissen bereit. Sie schufen Institutionen, welche die bereitgestellten Ressourcen nach Afrika, Asien, Lateinamerika transferieren sollten. Dazu gehörten die Weltbank, verschiedene UN-Organisationen auf internationaler Ebene, Entwicklungsbehörden und –gesellschaften auf nationaler Ebene.

In Deutschland gründete die damalige Bundesregierung 1961 das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ). Schon zuvor, in den fünfziger Jahren, hatte der Bundestag ein "50-Millionen-Fonds" für Entwicklungshilfe beschlossen. Auch viele Nichtregierungsorganisationen wie die Welthungerhilfe oder die Kindernothilfe wurden in den sechziger Jahren gegründet. Die evangelische und katholische Kirche riefen die Hilfswerke Brot für die Welt und Misereor ins Leben.

 

Neue Orientierungen und Strömungen

Nach dem Ende des globalen Ost-West-Konflikts brauchte die staatliche Entwicklungszusammenarbeit nicht mehr dazu dienen, Bündnispartner in der "Dritten Welt" bei der Stange zu halten. Die Hilfe konnte sich vielmehr ganz darauf konzentrieren, die ihr zur Verfügung stehenden Mittel und Ressourcen wirksam im Kampf gegen Armut einzusetzen.

Heute rückt mehr und mehr die dezentrale, direkte Hilfe an Menschen in Not in den Vordergrund. Vor allem private und kirchliche Hilfsorganisationen leisten hier Pionierarbeit: Hilfe zur Selbsthilfe, ohne viele zwischengeschaltete Behörden. Staatliche und internationale Entwicklungsinstitutionen versuchen wiederum, ihre Hilfe kohärenter zu gestalten. Die Strategie geht weg von großen, isoliert geplanten Einzelprojekten.

Die Zukunft gehört umfassenden Entwicklungsstrategien, die verschiedenste Maßnahmen aufeinander abstimmen und miteinander verzahnen: faire Handelsstrukturen gehen einher mit Infrastrukturprojektenund dem Ausbau des Gesundheits- und Bildungswesens. Und gleichzeitig werden demokratische Strukturen gefördert. Der Begriff "good governance" hat sich dafür eingebürgert.

Letzte Änderung an dieser Seite: 24.07.2008
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