Weltrekordversuch: Größte Unterrichtsstunde der Welt erinnert die Politik an ihr Versprechen "Bildung für alle bis 2015"

Die 10. Klasse Hamburger Geschwister-Scholl-
Gesamtschule nach der Unterrichtseinheit.
© Overhoff(23. April 2008). Schulen rund um den Globus beteiligten sich am Weltrekordversuch der Globalen Bildungskampagne für die größte Unterrichtsstunde der Welt. Mit dieser Aktion sollen die Regierungen in Nord und Süd gemahnt werden, ihr Versprechen einzuhalten, bis 2015 "Bildung für alle" zu ermöglichen. Auf der deutschen Zentralveranstaltung vor dem Reichstagsgebäude in Berlin stellten sich Bundestagsabgeordnete aller Parteien den Fragen der Schülerinnen und Schüler.

"Fragestunde" mit Politikern.
© OverhoIn Deutschland beteiligten sich über 150 Schulen mit mehr als 12.000 Schülern, darunter z.B. auch das Pädagogische Zentrum der Justizvollzugsanstalt Aachen. In Chemnitz fanden gleich zwei Rekordversuche statt: nach der größten Unterrichtsstunde auch der größte Goethe-Rap aller Zeiten. Am Reichstag nahmen neun Bundestagsabgeordnete aller Parteien gemeinsam mit der zehnten Klasse der Hamburger Geschwister-Scholl-Gesamtschule an der Unterrichtsstunde teil. Anschließend stellten sich die Politiker/innen den Fragen und Forderungen der 30 Schülerinnen und Schüler.
Die Globale Bildungskampagne fordert von den Regierungen in Nord und Süd die Einhaltung des Versprechens, gebührenfreie und gute "Bildung für alle bis 2015" zu ermöglichen. Vor acht Jahren wurde auf dem Weltbildungsforum in Dakar von Regierungsvertretern aus 164 Ländern die "Bildung für alle"-Ziele formuliert wurden.
Die Bilanz ist trotz erkennbarer Fortschritte nicht zufriedenstellend: 72 Millionen Kinder, vorwiegend Mädchen, haben keine Möglichkeit, zur Schule zu gehen. Nahezu 780 Millionen Erwachsene sind Analphabeten. "Nicht einmal zehn Prozent aller Kinder mit Behinderung gehen weltweit zur Schule. Auch Flüchtlingskinder, Waisen, Kinder ethnischer Minderheiten sowie insbesondere arme Mädchen und Jungen werden in den Bildungssystemen der meisten Staaten - auch in der westlichen Welt - benachteiligt", sagte Ulrich Thöne, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).
Bildung ist ein grundlegendes Menschenrecht. Es ist in der Menschenrechtserklärung und der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen verankert. Viele Regierungen der Entwicklungsländer haben ihre Anstrengungen verstärkt. So geben 17 afrikanische Länder bis zu 20 Prozent ihres Staatshaushalts für Bildung aus. Dennoch sind die Ziele ohne die Unterstützung der Industrieländer nicht zu erreichen. Die weltweiten Ausgaben für Entwicklungshilfe sind im Jahr 2007 jedoch erneut um 8,4 Prozent zurückgegangen.
Obwohl Deutschland seinen Entwicklungshilfeetat 2007 um 5,9 Prozent gesteigert hat, ist Grundbildung kein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit! Die Ausgaben für Grundbildung betrugen 2006 nur 1 Prozent des Gesamtetats für Entwicklungszusammenarbeit. "Die Zeit wird knapp", sagt Jörn Kalinski. "Ein Verfehlen des Ziels, Bildung für alle' bis zum Jahr 2015 ist bei gegenwärtigem Tempo und Umfang der Bemühungen leider absehbar. Deswegen ist es an der Zeit, die Politik eindringlich an die gegebenen Versprechen zu erinnern."
Globale Bildungskampagne
Die Globale Bildungskampagne (Global Campaign for Education - GCE) ist ein Bündnis von Entwicklungsorganisationen und Bildungsgewerkschaften in 150 Ländern. Ihr Ziel ist die Durchsetzung des grundlegenden Menschenrechts auf eine gebührenfreie und qualitativ gute Grundbildung für alle Menschen. In Deutschland mit dabei sind Welthungerhilfe, CARE, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Kindernothilfe, Oxfam, Plan, Save the Children, World University Service und World Vision. Schirmherrin ist Prof. Dr. Gesine Schwan, die Präsidentin der Europa Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).
