Die Saat geht nicht auf

Armutsbekämpfung durch Grüne Gentechnik?

Grüne Gentechnik soll zur Armutsbekämpfung beitragen, doch die Produkte sind noch ungeeignet

Von Dr. Heinz Peters und Dr. Rafaël Schneider

Die Produktion von Nahrung liegt in Entwicklungsländern in der Hand von Kleinbauern. © Kopp
Die Produktion von Nahrung liegt in
Entwicklungsländern in der Hand von
Kleinbauern. © Kopp
Angesichts des zunehmenden Hungers gilt die Grüne Gentechnik vielfach als Schlüssel zu höheren und verlässlicheren Erträgen. Doch bei den derzeit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen handelt es sich vor allem um Mais, Soja und Raps. Diese dienen vorrangig als Futterpflanzen für den immensen Fleischkonsum der Industrienationen, aber auch zur Biospritproduktion. Hauptanbaugebiete sind Nord- und Südamerika. Gentechnisch veränderte Baumwolle wird mit zunehmender Tendenz auch auf dem afrikanischen Kontinent und in Indien angebaut – die Nachfrage ist groß.

Insgesamt zeigt diese Karte jedoch, dass abgesehen von einigen Ländern Amerikas, Gensaatgut bis heute eine sehr untergeordnete Rolle spielt, in den meisten Ländern sogar (noch) gar keine. Aus Entwicklungsperspektive hat die Landwirtschaft nicht nur die Aufgabe, alle Menschen zu ernähren, sondern sie ist gleichzeitig der Motor der Armutsbekämpfung. In armen Ländern lebt ein Großteil der Menschen von der Landwirtschaft.

Die Nahrungsproduktion liegt hauptsächlich in der Hand von Kleinbauern. Trotz ihrer geringen Anbauflächen bestehen bei richtiger Nutzung des produktionstechnischen Wissens noch große Reserven, um Hunger und Armut zu bekämpfen. Hierfür ist geeignetes, standortangepasstes Saatgut ein Grundpfeiler.

 

 

Männer in Tadschikistan bei der Aussaat. © Shirley
Männer in Tadschikistan bei
der Aussaat. © Shirley
Nicht der Weisheit letzter Schluss

Die Grüne Gentechnik liefert dafür bislang keine Lösungen: Gensaatgut wird hauptsächlich durch die Privatindustrie erforscht und produziert und ist in der Regel auf die Bedürfnisse der Landwirte der Industrienationen zugeschnitten. Für tropische Regionen sind diese Produkte meist wenig geeignet und für die Kleinbauern im Süden auch zu teuer.

Wichtig ist jetzt, die Risiken der Grünen Gentechnik für Umwelt und Gesundheit zu erforschen und gleichzeitig die Bedürfnisse der Kleinbauern in Entwicklungsländern zu berücksichtigen: Dort wird kostengünstiges Saatgut benötigt, das bei geringem Mitteleinsatz (Dünger, Pestizide) trotz Dürren oder Hochwasser gute Erträge liefert. Die Auswahl geeigneter lokaler Sorten und die konventionelle Züchtung sind hier die bessere Lösung. Denn die Potenziale, die in traditionellen Sorten und deren Weiterentwicklung liegen, sind noch lange nicht ausgeschöpft.

Dabei gilt: Die Saatgutforschung muss möglichst in den Entwicklungsländern selbst stattfinden, mit öffentlichen Mitteln gefördert werden und die Bauern einbeziehen. So wird gesichert, dass das Saatgut den lokalen Anbaubedingungen entspricht und gleichzeitig durch moderate Preise auch Kleinbauern zugänglich ist.


Letzte Änderung an dieser Seite: 26.04.2010
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