Grundschulbildung für alle - vor allem Afrika wird dieses Ziel bis 2015 nicht erreichen


Grafik: Grundschulbildung für alle
Zu den Milleniumszielen der Vereinten Nationen (UN) gehört auch, dass bis zum Jahr 2015 weltweit alle Kinder zumindest eine vollständige Grundschulbildung erhalten. Dieses Ziel wird nicht erreicht werden. In den Entwicklungsländern stieg der Anteil seit 1990 nur von 81 auf 84 Prozent. Vor allem die ärmsten Staaten sind noch weit von der Grundbildung für alle entfernt. Dennoch gibt es Fortschritte: Noch 1990 hatte ein Viertel aller afrikanischen Kinder keine Chance, je eine Grundschule von innen zu sehen. Heute gehen 90 Prozent aller Kinder in Afrika zumindest zeitweise zur Schule.

Vier von zehn afrikanischen Schülern brechen vorzeitig ab, oft weil die Eltern kein Geld haben und die Kinder zum Lebensunterhalt beitragen müssen. Immer öfter hindert auch die Immunschwächekrankheit Aids die Kinder am Schulbesuch – entweder stirbt ein Elternteil oder der Unterricht muss eingestellt werden, weil Lehrer der Krankheit zum Opfer gefallen sind.

Erkennbare Fortschritte

In Afrika südlich der Sahara ist der Anteil der Kinder, die ihre Grundschule vollständig absolviert haben auf fast 60 Prozent angestiegen – 1990 waren es noch weniger als  50 Prozent. Weltweit kommen auf hundert Jungen mit abgeschlossener Grundbildung mittlerweile 87 Mädchen – die Kluft ist deutlich geringer geworden. Das gilt vor allem für die Länder Südasiens. In Indien haben die Mädchen heute deutlich höhere Chancen, die Grundschule abzuschließen als früher. Die Quote stieg binnen 15 Jahren von 67 auf 77 Prozent.

Ländliche Gebiete benachteiligt

Größer als die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen ist oft die Kluft zwischen städtischen und ländlichen Regionen. Noch immer gibt es in abgelegenen ländlichen Gebieten viel zu wenig Schulen und Lehrer. In vielen Ländern konzentriert sich die Entwicklung vor allem auf die städtischen Zentren.

Die Vernachlässigung ländlicher Regionen führt zu wachsender Landflucht – und in deren Folge geraten die verlassenen Regionen noch weiter ins Abseits. Weniger Ausgaben für die öffentliche Infrastruktur bedeuten auch schlechtere Schulen und damit geringere Bildungschancen. Statistische Länderdaten verdecken oft, dass große Fortschritte in den Städten von Rückschlägen im ländlichen Raum begleitet werden – das gilt auch für die Bildungsangebote.

 

Bildung ist alles

Bessere Bildung bedeutet nicht nur mehr Zukunftschancen für den Einzelnen. Bildung ist eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung des gesamten Landes – und das bedeutet nicht nur wirtschaftliche Entwicklung. Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass besser gebildete Frauen später heiraten und weniger und gesündere Kinder bekommen. Statistisch betrachtet senkt ein zusätzliches Schuljahr die Kinderzahl um bis zu 10 Prozent.

 

(Karl-Albrecht Immel; Stand: Juli/August 2006)

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