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Haiti: Fünf Jahre nach dem Beben

Der steinige Weg zurück ins Leben

In Haiti ist das Leben auch fünf Jahre nach dem verheerenden Erdbeben nicht immer leicht.
Doch Merilien Hyacinthe ist stolz auf das, was er geschafft hat.

(05.01.2015) Merilien Hyacinthe lebt seit fast zwei Jahren in seinem neuen Haus auf einem Hügel in der Nähe von Petit-Goâve. Von hier oben sehen die Berge am Horizont wie faltige Verwerfungen aus, die mit saftig grünem Samt bezogen sind. An ihrer höchsten Stelle stechen sie in die unwirklich aufgetürmten Wolken. Der groß gewachsene Mann ist in sich gekehrt, als er uns begrüßt. „Meine Frau ist vor sechs Monaten gestorben“, sagt er leise. Stille.

Das Erdbeben 2010 brachte viel Leid nach Haiti. Doch heute ist das Leben für viele wieder leichter. © Grossmann
Das Erdbeben 2010 brachte viel Leid nach Haiti. Doch heute ist das Leben für viele wieder leichter. © Grossmann
So auch für Merilien Hyacinthe. Er ist heute Bauer und verdient genug, um seine Kinder zur Schule zu schicken. © Schmidt
So auch für Merilien Hyacinthe. Er ist heute Bauer und verdient genug, um seine Kinder zur Schule zu schicken. © Schmidt
Das Beben 2010 hinterließ vielerorts nur Ruinen. © Herzau
Das Beben 2010 hinterließ vielerorts nur Ruinen. © Herzau
Viele Menschen suchten in Camps Zuflucht oder in verlassenen Häusern. Versorgung und Hygiene waren ein Problem. © Herzau
Viele Menschen suchten in Camps Zuflucht oder in verlassenen Häusern. Versorgung und Hygiene waren ein Problem. © Herzau
Da wo einst die Schule stand, wird nach dem Beben in Zelten unterrichtet. © Herzau
Da wo einst die Schule stand, wird nach dem Beben in Zelten unterrichtet. © Herzau
Viele Menschen waren auf Wasserlieferungen angewiesen. Wenige Wochen nach dem Beben brach die Cholera aus. © Grossmann
Viele Menschen waren auf Wasserlieferungen angewiesen. Wenige Wochen nach dem Beben brach die Cholera aus. © Grossmann

„Sollen wir lieber gehen?“ „Nein, nein“, antwortet er, „ich möchte euch meine Dankbarkeit zeigen.“ Denn das Leben sei gut in dem Haus, das gerüstet ist gegen Erdbeben und Hurrikans. Er und seine vier Kinder könnten hier wieder ohne Angst einschlafen. Endlich. Auch für Meriliens Familie war mit dem Beben eine Welt zusammengebrochen, ihr Haus aus Lehm konnte diesen Urgewalten nicht standhalten. Es folgte ein Jahr unter Plastikplanen. „Das war kein Leben“, sagt er. „Es war ein glücklicher Tag, als wir endlich hier einziehen konnten.“ Sie hätten geputzt, die Möbel hineingetragen und am Abend ein kleines Fest gefeiert. „Das war an einem 24. Dezember!“ Merilien lacht. „Dieses Haus ist ein Geschenk des Himmels.“

Bildung ist das Wichtigste

Auf der kleinen Tafel hinter ihm, auf der seine Kinder schreiben üben, steht es: Gott ist groß! Dank der Solarzelle auf dem Dach können die Kinder nun auch abends für die Schule arbeiten. Bildung ist das Wichtigste für Merilien. Seine Töchter und Söhne sollen es einmal besser haben als er, der nur vier Jahre zur Schule gehen konnte.

Finanziell geht es der Familie schon jetzt besser als vor dem Beben. Zusammen mit den Mitarbeitern der Welthungerhilfe entfernte Merilien vor fast zwei Jahren das Unkraut auf seiner Parzelle und bepflanzte sie. Damals hat er auch gelernt, wie er Gemüse so anbaut, dass die Ernte gut wird. Jetzt sei er ein Bauer, sagt Merilien stolz. Spinat, Tomaten, Auberginen und Paprika verkaufe er auf dem örtlichen Markt. Davon könne er das Schulgeld zahlen. Merilien hat eine Ziege gekauft und teilt seinen bescheidenen Wohlstand mit anderen, die weniger Glück hatten.

Øle Schmidt arbeitet als freier Autor in Lateinamerika und in Asien. Den ungekürzten Artikel finden Sie in der Zeitung Welternährung 4/2014.

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