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Haiti: Fünf Jahre nach dem Beben

Häuser für mein Land

2010 starben rund 217.000 Menschen in Haiti bei einem Erdbeben. 2,3 Millionen wurden obdachlos.
Ingenieur Joseph Edner baut mit seinen Landsleuten neue Häuser.

(05.01.2015) Fragt man Joseph Edner, was wohl geschehen wäre, wenn die vielen internationalen Nichtregierungsorganisationen (NGO) Haiti bereits nach sechs Monaten Nothilfe wieder verlassen hätten, überlegt er nicht lange. „Dann wäre es in Haiti wohl zu großen Aufständen gekommen, zu blutigen Verteilungskämpfen um Wasser, Lebensmittel und Medikamente.“ Dass die NGOs auf Haiti versagt haben sollen, kann der Ingenieur nur mit einem ratlosen Kopfschütteln kommentieren. „Die Kritik an humanitären Hilfsorganisationen ist immens wichtig“, sagt der 36-Jährige, „doch sie kann unsere Arbeit nur verbessern, wenn sie differenziert ist.“

Am 12. Januar 2010 saß Ingenieur Joseph Edner vor dem Fernseher, als die Erde zu beben begann. Geistesgegenwärtig lotste er seine Frau aus dem einstürzenden Haus in Petit-Goâve. Die Nacht verbrachten sie mit Freunden unter freiem Himmel in der Kälte, die Angst vor Nachbeben war groß. Am nächsten Morgen schlug sich Joseph durch das Chaos. Es gelang ihm, ein Zelt aufzutreiben. Für das Paar begann ein Leben ohne Privatsphäre. Doch schon nach zwei Monaten fand es eine Bleibe in einem unzerstörten Haus.

Video: Der steinige Weg zurück ins Leben

Erfahren Sie mehr über Joseph Edner und seinen Rückblick auf die Entwicklungen der vergangenen fünf Jahre.

"Wir Haitianer müssen Akteure unserer Entwicklung sein"

Im August 2010 bewarb sich Joseph bei der Welthungerhilfe, einen Monat später fing er als stellvertretender Projektleiter an. Fortan gehörte er zu den Cadres, jenen haitianischen Mitarbeitern, die für Führungsaufgaben geschult wurden. Im Juni 2014 wurde er Projektleiter. Joseph Edner mag nicht über die anderen NGOs reden, dann schon lieber über die Philosophie der Welthungerhilfe. Das Wichtigste sei: „Wir Haitianer müssen Akteure unserer eigenen Entwicklung sein dürfen. Deshalb beziehen wir von der Welthungerhilfe lokale und staatliche Autoritäten ein und bilden haitianische Mitarbeiter fort. Und doch haben wir von Anfang an darauf hingearbeitet, uns überflüssig zu machen.“

Noch mehr zur Selbsthilfe anleiten

Man habe Fehler gemacht, räumt Joseph ein. „Wie sollte es auch anders sein?“ Die Waschgelegenheiten etwa seien zu weit weg von den neuen Toiletten, es werde dadurch einfach, das Händewaschen zu vergessen. „Wir werden künftig die Bewohner noch mehr zur Selbsthilfe anleiten.“ Das Bild vom haitianischen Opfer und dem ausländischen Helfer – es bleibt ein Klischee, zumindest hier in Petit-Goâve. Haitianer wie Deutsche packen gemeinsam an, damit sich das Leben der Menschen dauerhaft zum Besseren wendet.  

Øle Schmidt arbeitet als freier Autor in Lateinamerika und in Asien. Den ungekürzten Artikel finden Sie in der Zeitung Welternährung 4/2014.

Joseph Edner im Gespräch mit einem Bauern in der Nähe von Petit-Goâve. © Schmidt
Joseph Edner im Gespräch mit einem Bauern in der Nähe von Petit-Goâve. © Schmidt
Nach dem Erdbeben 2010: Gemeinsam mit der Welthungerhilfe räumen Arbeiter Schutt weg und beginnen den Bau neuer Häuser.
Nach dem Erdbeben 2010: Gemeinsam mit der Welthungerhilfe räumen Arbeiter Schutt weg und beginnen den Bau neuer Häuser.
Bauer Aristoman St. Louis steht an einem Wasserkanal. Er ist für die Bewässerungskanäle seines Ortes verantwortlich. © Rosenthal
Bauer Aristoman St. Louis ist für die Bewässerungskanäle seines Ortes verantwortlich. © Rosenthal

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