Haiti: Politische und ökologische Probleme bewältigen

Die Vermessung des Gebiets ist eine wichtige Grundlage für die Projektarbeit. © FischerHaiti ist

Haiti ist das ärmste Land der westlichen Welt. Nach dem Human Development Index 2009 liegt der karibische Staat auf Platz 149 von insgesamt 182 Ländern. Die seit Jahrzehnten instabile politische Lage und die prekäre wirtschaftliche Situation des Landes, die fortgeschrittene Umweltzerstörung und Überbevölkerung haben zur Verelendung eines großen Teils der Bevölkerung geführt.

Häufige Naturkatastrophen wie Dürren und Überschwemmungen verschlimmern die Lage der Bevölkerung zusätzlich. Landwirtschaft ist die wichtigste Einkommensquelle der Landbevölkerung, deckt aber nur knapp die Hälfte des Bedarfs an Nahrungsmitteln der Haitianer. 

 

Die Stauwehr reguliert die Wassermenge für die Landwirtschaft. © Fischer
Die Stauwehr reguliert die
Wassermenge für die
Landwirtschaft. © Fischer
Überschwemmungen beeinträchtigen Landwirtschaft

Eine wichtige Anbauzone im Nordosten des Landes ist das Plaine de Maribaroux, nahe der Grenze zur Dominikanischen Republik. Das landwirtschaftliche Potential dieser Region ist hoch, wird jedoch derzeit nicht voll ausgeschöpft. Ein Problem sind die weiträumigen Überschwemmungen, die auf dem ebenen Gelände immer wiederkehren. Durch Änderungen der Flussläufe steht den Bauern zudem dringend benötigtes Wasser für die Landwirtschaft nicht ganzjährig zur Verfügung. 

 

Neues System zur Bewässerung

Ziel der Welthungerhilfe in der Region ist es, eine regelmäßige Bewässerung der Anbauflächen zu gewährleisten, Überschwemmungen vorzubeugen und Überschwemmungsland zurückzugewinnen. So unterstützt sie Bauern dabei, das Flussufer zu befestigen, indem sie Schutzdämme errichtet und bepflanzt. Außerdem werden zwei Stauwehren im Fluss Jassa gebaut sowie Kanäle und Nebenkanäle gemauert. Insgesamt soll das neue Bewässerungssystem eine Gesamtfläche von 350 Hektar versorgen. Die Erfolge zeigen sich schon jetzt: Dank der erweiterten Bewässerungsstruktur konnte die Reisernte in den letzten Jahren deutlich erhöht werden.

Durch spezielle Ausbildungsmaßnahmen wird zudem sichergestellt, dass die Bäuerinnen und Bauern die Anlagen selbst verwalten und langfristig nutzen können. Die Bildung und die Stärkung des bäuerlichen Verwaltungskomitees dienen der Förderung der Selbsthilfe.

 

Fachkräfte der Welthungerhilfe © Fischer
Fachkräfte der
Welthungerhilfe © Fischer

Erdbebenopfer fliehen auf das Land

Durch das schwere Erdbeben im Januar 2010 haben sich die Lebensbedingungen auch in Regionen wie der Plaine de Maribaroux verschlechtert, die von der Katastrophe verschont geblieben sind. 600.000 Menschen sind aus den Städten geflohen und in die ländlichen Regionen zurückgekehrt. Die meisten von ihnen suchen Zuflucht in ihren Herkunftsorten. Sie kommen teils bei Verwandten, teils bei lokalen Behörden unter oder sie suchen aufs Geratewohl ein Überleben in ländlichen Zentren.

Nach den traumatischen Erlebnissen des Bebens haben sie keine Einkommensgrundlage mehr und sind auf die Gastfreundschaft der Landbevölkerung angewiesen. Doch die ohnehin armen Kleinstädte und Dörfer sind mit der Versorgung der zusätzlichen Esser stark überfordert. Es besteht die Gefahr, dass Armut und Hunger weiter zunehmen.

 

Soforthilfe für Flüchtlinge

Die Welthungerhilfe hat auf diese Situation reagiert und ein umfangreiches Soforthilfeprogramm zur Schaffung neuer Einkommensquellen in das Projekt integriert. So werden in der Plaine de Maribaroux zahlreiche Maßnahmen nach dem Prinzip "Cash for Work" durchgeführt: Die Flüchtlinge heben gegen Bezahlung Flüsse aus, bauen neue Kanäle oder werden im Hochwasserschutz und in der landwirtschaftlichen Produktion eingesetzt.

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Letzte Änderung an dieser Seite: 18.05.2010

Welthunger-Index 2009: Haiti

28.2 Besorgnis erregend
wenig Hungergravierend

Mehr zum Welthunger-Index 2009

Weitere Informationen

Weitere Informationen über Haiti

Haiti nach dem Erdbeben

Fachkonzept Ländliche Entwicklung: Leitlinien für die Förderung von Projekten der Ländlichen Entwicklung

Fachkonzept Ernährungssicherung

Karte Haiti

Projektdauer

- März 2007 bis Dezember 2010

Projektort

- Plaine de Maribaroux im Departement Nordosten

Schwerpunkte

- Bewässerung
- Landwirtschaft
- Ernährungssicherung

Finanzierung

- Programme de Réhabilitation et de Relance Economique Post-Crise (PRPC), über das Bureau de l’Ordonnateur National (BON)   
- Banque Interaméricaine de Développement (BID)

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