Steigende Nahrungsmittelpreise in Haiti: Zerbrochene Fensterscheiben sind erst der Anfang

Nahrungsmittelmangel ist nicht das Problem in Hait. Es sind die viel zu hohen Preise für Lebensmittel. © DWHH
Nahrungsmittelmangel ist nicht das Problem
in Hait. Es sind die viel zu hohen Preise für
Lebensmittel. © DWHH

Normalerweise sind es die Wirbelstürme, die in Haiti die Scheiben zum Bersten bringen. Diesmal waren es hungrige und darum wütende Haitianer. Auslöser für diese Krawalle sind die seit Monaten ansteigenden Preise für Lebensmittel.

Es ist daher wenig verwunderlich, dass die sowieso schon extrem arme Bevölkerung gegen die Regierenden aufbegehrt und ihren Frust über die eigenen Lebensumstände kundtut. Der Geduldsfaden ist endgültig gerissen.

 

 

 

Proteste in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince. © Reuters
Proteste in Haitis Hauptstadt
Port-au-Prince. © Reuters

Niederlage der Regierung - Protestmärsche

Anlässlich der Auseinandersetzungen kündigte Präsident Rene Garcia Preval an, 10 Prozent der Gehälter aller Staatsangestellten als Solidaritätsbeitrag zur Senkung der Preise zu opfern. Die Reaktion der Betroffenen kam prompt: Sollten sich Gehaltskürzungen durchsetzen, drohten sie ebenfalls mit Protestmärschen auf den Straßen. Lohnabzug würde die Krise somit nur noch verschärfen. Eine erste Niederlage musste die Regierung bereits einstecken. Der Senat entließ Ministerpräsident Jacques Edouard Alexis.

 

Bewässerungssystem. © DWHH
Bewässerungssystem.
© DWHH
War Krise vorhersehbar?

Drei große Reisimporteure boten an, für einen Monat die Preise zusenken. Aber was dann? Dabei mangelt es in Haiti nicht an Nahrungsmitteln. Allerdings zu unerschwinglichen Preisen und schlecht verteilt. Lokal produzierte Lebensmittel stehen zur Verfügung. Auch werden genügend Waren importiert. Doch gerade da liegt die Krux. Die Grundlage dafür wurde bereits in den 80er Jahren gelegt. Damals senkten Weltbank und Internationaler Weltwährungsfond im Rahmen der Strukturanpassungen die Handelsbarrieren. Haiti war damit auf einem Schlag dem internationalen Marktgeschehen "ausgeliefert". Fortan wurden die importierten Lebensmittel günstiger als die lokal produzierten. Reis, vorher eher eine bedeutungslose Kost, entwickelte sich zum Hauptnahrungsmittel.

 

 

Marktfrau. © DWHH
Marktfrau. © DWHH
Politik förderte Import-Abhängigkeit 

Heute werden in Haiti nur noch 20 Prozent des Reises angebaut. Der Rest kommt aus dem Ausland. Die Produktion ist von 120.000 Tonnen auf heute etwa knapp 80.000 Tonnen gesunken. Der Import hat sich aufgrund der gesunkenen Einfuhrzölle weiterentwickelt und deckt heute 80 Prozent des haitianischen Reiskonsums. Die Importe sind in der Regel mit ausländischem Kapital finanziert. Dieses gelangt entweder durch Entwicklungshilfe oder per Überweisungen der im Ausland lebenden Haitianer an ihre Verwandten ins Land.

 

Steigende Benzinpreise verteuern die Lebensmittel. © DWHH
Steigende Benzinpreise
verteuern die Lebensmittel.
© DWHH

Alles hängt mit allem zusammen...

Zudem hat sich der Benzinpreis in den letzten Monaten verdoppelt. So kostet ein Sack Orangen in den Bergen zwar nur zwei US Dollar, aber der Transport in die Hauptstadt verteuert ihn um weitere sechs US Dollar, also acht US Dollar. So wird ein nationales Produkt fast unerschwinglich.

Dazu kommen eine schlechte Regierungsführung samt ineffizienter bürokratischer Verwaltung, die ein Übriges zur Preiserhöhung beiträgt. Liegt beispielsweise ein mit Lebensmitteln beladenes Schiff länger als nötig im Hafen, werden die zusätzlich anfallenden Liegekosten auf die Produkte aufgeschlagen. Unnötige Kosten zu Lasten der Bevölkerung.

Um den meisten dieser Probleme entgegenzuwirken, widmet sich die Welthungerhilfe im Rahmen ihrer Projektarbeit in Haiti intensiv der Landwirtschaft, um die Ernährung der Bevölkerung langfristig zu sichern.

Es gilt also, die Herausforderungen in Haiti auf mehreren Ebenen anzupacken. Sonst werden bald nicht nur Scheiben zerbrochen. Hungrige Menschen sind wütende Menschen – zurecht.

 

Letzte Änderung an dieser Seite: 23.04.2008
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