Hunger und Wut in Haiti: Alle Hoffnungen richten sich auf  neue Regierung

Markttag in Haiti. Die Reispreise hatten sich nach einer kurzen Entspannung wieder erhöht. © DWHH
Markttag in Haiti. Die Reispreise hatten sich
nach einer kurzen Entspannung wieder erhöht.
© DWHH
Die Situation in Haiti hat sich zwar leicht entspannt, doch für ein Aufatmen ist es noch zu früh. Weiterhin muss mit Aufständen in der Hauptstadt Port au Prince gerechnet werden, denn der Reispreis hatte sich nach einer kurzfristigen Senkung wieder erhöht. Allerdings könnte es schon bald einen neuen Ministerpräsidenten geben. Präsident René Préval nominierte kürzlich den Wirtschaftsexperten Eric Pierre, nachdem sein Vorgänger Jacques-Edouard Alexis aufgrund der Hungerkrise seinen Hut nehmen musste.

 

Retter in der Not?

Pierre arbeitete lange bei der Interamerikanischen Entwicklungsbank und soll sich mit dem internationalen Handelsgeschäft gut auskennen. "Im Prinzip eine gute Nachricht, denn es bewegt sich etwas bei der Regierungsbildung", vermutet Michael Kühn, Regionalkoordinator der Welthungerhilfe in Haiti. "Aber ob der Agronom wirklich den Posten bekommt und ob er dann die massiven Probleme des Landes lösen kann, wird sich erst noch zeigen. Schon einmal war er von Preval zum Regierungschef vorgeschlagen worden. Das war während seiner ersten Amtszeit 1996-2001. Aber damals hat das Parlament sich gegen seine Nominierung entschieden. Er sei zu neoliberal, hieß es."

 


Kleinbauern bewirtschaften
ihre Parzelle. ©
Frust der Bauern

Weiter berichtet Kühn, dass sich die Bauern im traditionellen Reisanbaugebiet Artibonite bei einem Besuch der Welthungerhilfe sehr gereizt zeigten. Sie seien es leid, dass es keine konkreten Maßnahmen seitens der Regierung zur Besserung der Situation gäbe. Bisher hätte sich noch kein einziger Regierungsbeamter sehen lassen. Zudem gäbe  es keinerlei Unterstützung, geschweige denn Kredite. Die ehemaligen weiten Reisanbauflächen fristen nun ihr Dasein – vertrocknet und ungenutzt.

 

System zur Bewässerung. © DWHH
System zur Bewässerung.
© DWHH
Viel Wasser, wenig Technik

Das Hauptproblem sei nicht ein Mangel an Flächen, so die Bauern. Aber an funktionierenden Bewässerungssystemen.  "In der Karibik gibt es ein natürliches Problem", erklärt Kühn. "Entweder, es gibt kein Wasser, oder es gibt zuviel davon." Eine gezielte Bewässerung ist für die Landwirtschaft und somit für eine dauerhafte, planbare Produktion am effektivsten. Doch wer soll diese Systeme finanzieren und anlegen?

Die Haitianer sind mal wieder darauf angewiesen, dass zu tun, was man schon immer von ihnen erwartet hat - abzuwarten.

 

Letzte Änderung an dieser Seite: 30.04.2008
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