Haiti: Wasser für die Zukunft
Neue Bewässerungskanäle erhöhen die Ernten am Cap Haïtien
Von Hans-Ulrich Dillmann
Bauer Lucien Edouarsaint profitiert von der Hilfe
der Welthungerhilfe bei der Erneuerung der
Bewässerungsstruktur im Cap Haïtien © Dillmann"Seit ich regelmäßig mein Feld bewässern kann, hat sich meine Ernte um 66 Prozent verbessert," sagt Lucien Edouarsaint. Höhere Erträge kann der 43-jährige Bauer aus Grison Garde sehr einfach an einer haitianischen Maßeinheit verdeutlichen: Ein Bol fasst drei Kilogramm. Vor ein paar Jahren rang er seinen Feldern bei einer Reisernte im Jahr 600 Bol ab, das sind rund 1800 Kilogramm. Jetzt kommt er auf 1000 Bol, das sind 3000 Kilo.
Bauernvereinigung sorgt für Wasser
Seit acht Jahren ist Edouarsaint Mitglied der "Association des Irrigants de Grison Garde", kurz AIGG. Die Bauernvereinigung erneuert mit Unterstützung der Welthungerhilfe das marode Bewässerungssystem am Cap Haïtien im Norden Haitis. Hier hat das Erdbeben im Januar zwar nicht gewütet, die Menschen sind jedoch trotzdem bitterarm und zum Überleben auf Hilfe von außen angewiesen. "Vorher gab es zwar einige Kanäle, aber das Bewässerungssystem funktionierte nicht mehr zuverlässig," berichtet William Mettelus, der Vorsitzender der AIGG. "Wir hatten vor allem Wasser, wenn es geregnet hatte, sonst blieben die Felder meist trocken. Deshalb waren die Ernteerträge nicht hoch." Heute können fast alle 798 Mitglieder der Organisation jährlich zwei Ernten einfahren.

William Mettelus Vorsitzender
der Bauernorganisation AIGG
© DillmannMit der Welthungerhilfe werden die Felder nass
2003 begannen die Welthungerhilfe und die AIGG das Bewässerungssystem neu aufzubauen. Sie mauerten neue Abzweige und setzten Verteil- und Zuleitungsschieber ein. Mit Erfolg: Felder, die wegen Wassermangel brachlagen, konnten nun wieder bestellt werden. "Die Anbaufläche hat sich mehr als verfünffacht", berichtet Mettelus stolz. Vorher konnten 26 Hektar bewässert werden, heute erreicht das weitverzweigte Netz von Kanälen und Zuleitungen 150 Hektar Land.
Nachhaltige Entwicklung
"Die Unterstützung der Welthungerhilfe hat die landwirtschaftliche Entwicklung in der Region nachhaltig vorangetrieben", bestätigt Eberle E. Nicolas, der Direktor des Landwirtschaftsministeriums für die "Region Nord". Durch die Bewässerung habe sich nicht nur die Ertrags-, sondern auch die Einkommenssituation dauerhaft verbessert.

Schleusenbau. © Dillmann So wird es auch in Zukunft Wasser geben
Inzwischen kümmert sich ein Bewässerungskomitee um die Instandhaltung der Kanäle und der Schieber für die Verteilung des Wassers. "Jeder Bauer zahlt jetzt eine Wassergebühr, die wir für notwendige Reparaturen verwenden", sagt Mettelus. Jeder hat einen geregelten Zugang zum Wasser, um seine Felder ausreichend zu bewässern.
Schutz vor Erosion und Katastrophen
Damit die Bauern auch langfristig hohe Erträge produzieren, haben sie gemeinsam mit der Welthungerhilfe Maßnahmen gegen die fortschreitende Bodenerosion und zum Schutz vor Naturkatastrophen ergriffen. So wurden in den umliegenden Bergen Bäume zur Wiederaufforstung der Berghänge gepflanzt. Gleichzeitig wurden Bauern im Katastrophenschutz ausgebildet, um bei Hurrikans und Überschwemmungen Hilfe leisten zu können. Eine neue Schutzmauer für die Felder entlang des Flusses Grison Garde soll die Ernten vor Überschwemmungen schützen.
Bauer Edouarsaint sorgt vor für die Zukunft
"Mir geht es heute besser als vor ein paar Jahren", sagt Bauer Edouarsaint. Mit den höheren Einnahmen kann er seinen drei Töchtern den Schulbesuch finanzieren. Sein Haus im Dorf Beaujoin hat vier Zimmer, er besitzt zwei Kühe und seine Frau drei Schweine. Zehn Hühner liefern Eier. Außerdem habe er vieles über neue Anbaumethoden gelernt. Seine Bohnenernte konnte er deshalb verdreifachen, die Ausbeute bei Maniokwurzeln sogar fast verfünffachen. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt Edouarsaint.
Autor
Hans-Ulrich Dillmann arbeitet als freier Journalist in der Dominikanischen Republik.
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Weitere InformationenIst
Beispiel für ein Projekt der Welthungerhilfe in Haiti: Gegen Katastrophen gewappnet
Aktivitäten unserer Bündnis-Partner
"Nach der Katastrophe – Schulen für Haiti. Handreichung für den Unterricht."

