Hilfsprojekt in Afghanistan: Produktion von Rosenöl als legale Alternative zum illegalen Mohnanbau

Rosenanbau als Alternative zum Mohnanbau
nahe der pakistanischen Grenze. Die Folgen der jahrelangen Kriege lasten schwer auf Afghanistan. Wirtschaft, Gesundheits- und Bildungssystem sowie ein Großteil der Infrastruktur sind weitgehend zerstört. Schwere wirtschaftliche Konsequenzen hat vor allem der Niedergang der landwirtschaftlichen Produktion. Von ihr leben circa 90 Prozent der afghanischen Bevölkerung. Doch nutzbarer Boden ist begrenzt, denn das Land besteht zu mehr als 80 Prozent aus Steinen und Felsen und es mangelt an Wasser.
Flucht und Rückkehr
Der Krieg trieb viele Millionen Afghanen zur Flucht nach Pakistan oder in den Iran. Erst in den letzten Jahren kehrte ein großer Teil von ihnen zurück. In einigen Gegenden sind Landmangel und ungeklärte Landrechte zu drückenden Problemen geworden. So auch in der Provinz Nangarhar, in der die Welthungerhilfe seit 1996 tätig ist: Hier müssen sich die sechs- bis achtköpfigen Familien durchschnittlich von einem Viertel Hektar Land ernähren.

Riechen gut und sollen das
Überleben sichern: Rosen
in Nangarhar. Anbau von Schlafmohn sichert Überleben in Nangarhar
Nangarhar liegt im Osten Afghanistans, an der Grenze zu Pakistan. Die meisten Bewohner der Provinz sind zurückgekehrte Flüchtlinge. Um das Überleben ihrer Familien zu sichern, bauen viele Bauern Schlafmohn an, der zur Produktion von Opium und Heroin benötigt wird. Mohn erwirtschaftet einen zwanzigfach höheren Ertrag als dies beispielsweise der Anbau von Weizen bietet.
Hilfsprojekt der Welthungerhilfe: Rosen statt Schlafmohn
In Nangarhar hat die Welthungerhilfe ein landwirtschaftliches Vorzeigeprojekt ins Leben gerufen, das Bauern beim Anbau von Rosen unterstützt, um Rosenöl herzustellen. Ziel dieses Projekts ist es, den Familien eine legale Alternative zum illegalen Mohnanbau zu bieten, die ihnen ein stabiles Einkommen garantiert. Das Projekt ist so erfolgreich, dass mittlerweile andere Hilfsorganisationen ähnliche Maßnahmen mit Rosenöl starten.

Aus den Rosenblättern
wird organisches Rosenöl
hergestellt. Vom Rosenanbau zur Ölproduktion
In den Distrikten Dare-Noor, Achin und Nazian konnten bisher 408 Bauern dafür gewonnen werden, auf einem Teil ihrer Landfläche Ölrosen anzubauen. Zur Weiterverarbeitung der Rosenblüten wurden in Dare-Noor und Achin zwei Destillen gebaut. Nach traditioneller Methode erfolgt die Herstellung von Rosenöl und Rosenwasser in Kupfertöpfen. Die Rosenblätter müssen gekocht werden um Rosenöl zu gewinnen. Danach wird die Flüssigkeit zur Trennung von Öl und Wasser in eine Florentinerflasche geleitet. In einem zweiten Destillationsverfahren wird aus dem Wasser weiteres Öl gewonnen. Das verbleibende Wasser hat nur wenig Ölgehalt und wird als Rosenwasser abgefüllt und verkauft. Da diese Methode der Rosenölherstellung einen hohen Energieaufwand erfordert, soll langfristig eine kostengünstigere moderne Destille in Jalalabad gebaut werden.
Ein interessantes Projekt – nicht nur für die Menschen vor Ort
Die Nachfrage nach dem kostbaren Öl, das in den letzten beiden Jahren als Bioprodukt zertifiziert wurde, ist groß: Zurzeit übersteigt sie die Mengen, die produziert werden. Und das Projekt hat Vorbildcharakter für Afghanistan. Die Rohstoffe werden nicht nur im Land produziert, sondern auch direkt weiterverarbeitet. So werden viel höhere Preise beim Verkauf erzielt, als dies eine Weiterverarbeitung im Ausland ermöglichen würde. Die Welthungerhilfe bereitet schon den nächsten Schritt vor: Die Destillen sollen an ein afghanisches Unternehmen übergeben werden, das die Verarbeitung der Rosen und den Verkauf des Rosenöls übernimmt.
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Engagement der Welthungerhilfe in Afghanistan
Die Welthungerhilfe ist seit 1980 in Afghanistan aktiv. Zu den Schwerpunkten zählen seit 2003 der Wiederaufbau der ländlichen und kommunalen Infrastruktur, die Ernährungssicherung, die Stärkung der Zivilgesellschaft sowie der Umwelt- und Erosionsschutz.
Weitere Informationen über Afghanistan
Afghanistan - Fakten, Hintergründe und Geschichten
Themen-Spezial: Konflikte & Katastrophen - Der Kreislauf von Hunger und Krieg
Projektnummer
AFG-1101
Projektort
- Provinz Nangarhar (Distrikte Dare-Noor, Achin und Nazian)
Projektlaufzeit
seit Juni 2004
Schwerpunkte
- Anbau von Rosen, Destillation zu Rosenöl

