Afghanistan: Bauern gewinnen flüssiges Gold
Neun Jahre sind vergangen, seit die Taliban in Afghanistan gestürzt wurden. Die Folgen der jahrelangen Kriege lasten auch heute noch schwer auf dem zentralasiatischen Land. Negative Konsequenzen für die nationale Wirtschaft hat vor allem der Niedergang der landwirtschaftlichen Produktion, von der circa 90 Prozent der Bevölkerung leben. Im Osten des Landes hilft die Welthungerhilfe den Menschen mit einem Rosenprojekt, sich eine neue Lebensgrundlage zu schaffen. 
Wohlrichend und lukrativ: Die
Damascener Rose. Rosen werden in Afghanistan traditionell mit positiven Werten verbunden. Sie sind genügsame Pflanzen, die auch in bergigen Regionen und auf kargen Böden wachsen. Und aus den wohlriechenden Blüten lässt sich ein qualitativ hochwertiges Nischenprodukt herstellen – das Rosenöl.
Vorzeigeprojekt der Welthungerhilfe
In der Provinz Nangarhar hat die Welthungerhilfe ein Vorzeigeprojekt ins Leben gerufen, das Bauern beim Anbau von Rosen und bei der Herstellung von Rosenöl unterstützt. In den Distrikten Dar-e-Noor, Achin und Nazian konnten inzwischen 580 Bauern dafür gewonnen werden, auf einem Teil ihrer Landfläche Ölrosen anzubauen. Hier wachsen seitdem in einer Höhe von 1.000 bis 1.500 Meter die von der Welthungerhilfe importierten Damascener Rosenstöcke.

Energieeffiziente Produktion
von Rosenöl in der
industriellen Destille.In den ersten Jahren erfolgte die Herstellung von Rosenöl und Rosenwasser nach traditioneller Methode in Kupfertöpfen. Doch im Herbst und Winter 2009/2010 wurden die herkömmlichen Töpfe durch eine neue kostengünstigere und energieeffizientere industrielle Destille ersetzt.
Der überwiegende Anteil der Rosenblüten wird in der neuen Destille zu organischem Rosenöl verarbeitet, parallel dazu werden aber auch Rosenwasser und andere Rosenprodukte gewonnen. Vor allem die Nachfrage nach dem als Bioprodukt zertifizierten Öl ist groß, denn reines Rosenöl ist ein wertvolles Produkt, das in vielen Kosmetikprodukten enthalten ist. Auf dem internationalen Markt erzielt es einen hohen Preis. Durch die neue Destille und die Ausweitung der Anbaugebiete konnte die Produktion des Rosenöls in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert werden.
In einem nächsten Schritt sollen die Anbauflächen weiter ausgedehnt werden, damit noch mehr Bauern von dem Projekt profitieren können. Außerdem soll die Verarbeitung und Vermarktung perspektivisch ganz in afghanische Hand gelegt werden.

Solide Einnahmen durch das
RosenölSolide Einnahmen durch Rosenöl
Die soliden Einnahmen durch die Rosenölproduktion zeigten den Bauern, dass Rosen für sie ein wirklich alternatives Einkommen darstellen. So hat das Welthungerhilfe-Projekt Vorbildcharakter für Afghanistan. Denn die Rohstoffe werden nicht nur im Land produziert, sondern weitgehend auch direkt weiterverarbeitet. So werden viel höhere Preise beim Verkauf erzielt, als dies eine Weiterverarbeitung im Ausland ermöglichen würde. Und dies kommt letztlich vor allem den armen afghanischen Bauern zugute.
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Engagement der Welthungerhilfe in Afghanistan
Die Welthungerhilfe ist seit 1980 in Afghanistan aktiv. Zu den Schwerpunkten zählen seit 2003 der Wiederaufbau der ländlichen und kommunalen Infrastruktur, die Ernährungssicherung, die Stärkung der Zivilgesellschaft sowie der Umwelt- und Erosionsschutz.
SWR-Videobeitrag
Weitere Informationen
Länderinformationen Afghanistan
Afghanistan - Fakten, Hintergründe und Geschichten
Themen-Spezial: Konflikte & Katastrophen - Der Kreislauf von Hunger und Krieg
Projektnummer
AFG-1101
Projektort
- Provinz Nangarhar (Distrikte Dare-Noor, Achin und Nazian)
Projektlaufzeit
seit Juni 2004
Schwerpunkte
- Anbau von Rosen, Destillation zu Rosenöl

