Bolivien: Mehr Bürgerbeteiligung und gestärkte Rechte der indigenen Bevölkerung

Bolivien ist eines der ärmsten Länder Lateinamerikas. Besonders die ländliche und indigene Bevölkerung leidet unter großer Armut und dadurch bedingter mangelnder Bildung. Viele Menschen kennen kaum ihre Rechte als Staatsbürger, obwohl diese individuellen und kollektiven Rechte in der bolivianischen Verfassung ausdrücklich zugesichert werden. Oft besitzen sie noch nicht einmal Ausweisdokumente, die ihnen die Wahrnehmung ihrer Rechte ermöglichen.
Ohne Ausweis keine Rechte
Die Welthungerhilfe unterstützt mit ihrem Projekt die Bevölkerung in Gemeinden, die sich im Hoch- und im Tiefland Boliviens befinden: 11 Gemeinden im Department Chuquisaca, drei in Potosi und weitere drei im Department Santa Cruz. Die Bewohner dort sollen künftig ihre Bürgerrechte aktiv nutzen, um so an politischen Entscheidungsprozessen teilnehmen zu können. Eines dieser Rechte ist der Besitz von gültigen Ausweispapieren – tatsächlich ist es aber so, dass rund die etwa 18.000 Menschen im Projektgebiet keinen Ausweis besitzen und damit juristisch betrachtet nicht-existent sind.
Ein weiterer individueller Anspruch ist das Recht auf Eheschließung. So werden 17 kollektive Hochzeiten – die wegen der abgelegenen ländlichen Regionen landesüblich sind – unterstützt. 510 Paare wollen ihr Zusammenleben auf eine rechtliche Basis stellen. Eine Heiratsurkunde ist u.a. eine Voraussetzung, um eine Erbschaft antreten zu können und verbessert vor allem die rechtliche Situation der Frauen und ihrer Kinder.

- Eine Bolivianerin, die sich über ihre Rechte schlau macht.
Beratung und Unterstützung
Die Welthungerhilfe und ihre lokale Partnerorganisation Fundación Tierra werden die Dorfbewohner deshalb bei der Antragsstellung ihrer Dokumente unterstützen und rechtlich beraten. Neben den Kleinbauern sind auch die rund 2.600 Gemeindeführer, Rechtspromotoren und Mitglieder der kommunalen Beiräte im Fokus. In Fortbildungen werden die lernen, wie sie ihre sozialen, politischen und wirtschaftlichen Rechte künftig verstärkt wahrnehmen können. Ebenso werden die Angestellten der öffentlichen Verwaltung angesprochen. Arturo Bellot, erfahrener Vertreter der Welthungerhilfe in Bolivien, ist optimistisch: „Die Verwaltungsangestellten werden lernen, wie sie ihre Dienstleistung bei der Beratung und Ausstellung der Dokumente effektiv und „kundenfreundlich“ gestalten.“
Eine besondere Zielgruppe der Aktivitäten sind die Frauen der Dörfer, die durch patriarchalische Strukturen oft besonders benachteiligt sind. Um ihre gesellschaftliche Stellung zu verbessern, müssen sich oft grundlegende Einstellungen ändern. Mit dem Angebot neuer Dialogräume wie Versammlungen, Foren, Workshops und Runden Tischen unterstützen die Welthungerhilfe und Fundación Tierra Begegnungen und Austausch auf Augenhöhe.
Welthunger-Index 2011: Bolivien
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Weitere Informationen über Bolivien
Welthungerhilfe in Bolivien
Die Welthungerhilfe engagiert sich in Bolivien seit 1970. Schwerpunkte unserer Arbeit sind ländliche Entwicklung, Förderung zivilgesellschaftlicher Strukturen und soziale Integration sowie Bildung
Projektnr.
BOL 1044-11
Projektlaufzeit
15.4.2011-14.4.2014
Projektort
Chuquisaca, Potosí, Santa Cruz de la Sierra
Schwerpunkt
Zivilgesellschaftliche Strukturen
Kofinanzierer
BMZ
Frauen in Bolivien
Taff, taffer - Roxana: Ein Tag im Leben der engagierten Bolivianerin (März 2010)
"Ich bin die Chefin". Porträt der bolivianischen Kleinbäuerin Doña Pércida (März 2010)
Engagement in Deutschland
Deutsch-bolivianisches Weihnachtskonzert für die Fundación La Paz

