Indien: Bildung für Adivasi-Kinder

Bildung für alle Kinder - in Deutschland selbstverständlich, in Indien, gerade in den ländlichen Regionen jedoch nicht. Auch Kinderarbeit ist weiterhin stark verbreitet. Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit rund 210 Millionen Kinder arbeiten, ein Viertel davon leben in Indien.
Doch 2009 ist Indien ein entscheidender Schritt gegen Kinderarbeit und zur Stärkung von Bildung gelungen: Das indische Parlament verabschiedete das Gesetz zur allgemeinen und kostenfreien Grundschulbildung. Trotz des rechtlichen Rahmens ist ein regelmäßiger Schulbesuch aller Kinder eher die Ausnahme. Stattdessen müssen die Kinder ihre Familien beim täglichen Lebensunterhalt unterstützen. Die Schulen sind oft nur notdürftig eingerichtet und die Lehrer nur unregelmäßig anwesend. Findet der Unterricht statt, sind Klassen mit bis zu 100 Kindern keine Seltenheit. Oft wird der Unterricht in der dominierenden Landessprache abgehalten, die nicht alle Kinder beherrschen.
So sieht es auch im Kalamadia Distrikt im Bundesstaat Orissa aus, der zu den am wenigsten entwickelten Regionen Indiens zählt. Dort will die Welthungerhilfe gemeinsam mit ihrer indischen Partnerorganisation Sikshasandhan, Ansätze entwickeln, die Schule machen sollen. Hier soll sowohl der schlechte Zugang zu den Schulen als auch die Qualität des Bildungsangebots für die Kinder verbessert werden.

Schreiben und Lesen lernen -
für viele Kinder in Orissa
endlich möglich.In Orissa gehört der Großteil der Einwohner zur Volksgruppe der Adivasi, der Stammesbevölkerung Indiens. Die Adivasi zählen zu den am meisten benachteiligten Gruppen in Indien. In ihren Heimatregionen herrscht besonders hohe Armut, zwei Drittel der Bevölkerung leben dort unterhalb der Armutsgrenze. Die Bevölkerung nutzt die staatlichen Dienstleistungen nur wenig - ein wesentlicher Grund ist die niedrige Alphabetisierungsrate von 21 Prozent, die weit unter dem bundesstaatlichen Durchschnitt Indiens liegt.
In Orissa wird der Unterricht nur in Oriya, der Landessprache abgehalten, die den meisten Adavasi vollkommen fremd ist. Lehrer sind nur selten vor Ort, da sie wegen der ihnen zugeteilten, abgelegenen Standorte und der häufigen Abwesenheit ihrer Schüler eher gering motiviert sind. So haben rund 40 Prozent der Kinder in der Region nie eine staatliche Schule besucht.

Eine gut besuchte Klasse ist
in Orissa jetzt normal. ©
v. LingenDie Welthungerhilfe und Sikshasandhan wollen die Adivasikinder in das Bildungssystem integrieren. Dazu soll zunächst das Bewusstsein über die Bedeutung von Bildung gestärkt werden. Eltern, Lehrer und regionale Entscheidungsträger werden in Trainings über die aktuelle Rechtslage und staatliche Programme zu ihrer Unterstützung informiert. Eines dieser Programme garantiert die tägliche Schulspeisung. Damit gibt es einen wesentlichen Anreiz zum Schulbesuch, denn viele Familien wussten zuvor oft nicht, wie sie ihre Kinder ernähren sollen.
Ein weiterer Weg um das Interesse am Lernen zu stärken, gelingt durch den Unterricht in der lokalen Sprache. Hilfslehrer arbeiten in der Anfangszeit mit der Muttersprache der Kinder. Zudem wird gemeinsam mit den Lehrern ein Curriculum entwickelt, dass in der Folge auch auf andere Schulen angewendet werden soll. Hinzu kommen Arbeitsmaterialien in der Sprache der Adivasi. Die Welthungerhilfe verfolgt so zwei neue Ansätze: Die vorhandenen staatlichen Leistungen werden für die Menschen besser zugänglich gemacht und gleichzeitig werden diese Leistungen verbessert. So werden langfristige Strukturen etabliert, damit die Adivasi ihre garantierten Rechte wahrnehmen können.
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Projektnummer
IND 1218-09
Projektort
Kalamagadia Gram Panchayat im Mayurbhanj Distrikt, Orissa
Projektpartner/-träger
Siksasandhan
Laufzeit
Januar 2010 bis Dezember 2012
Schwerpunkte
Soziale Integration und Bildung
