Ausmaß und Folgen von Hunger

 


Eine Frau aus Tadschikistan
sortiert Äpfel zum Trocknen.
© DWHH

Krank durch Mangelernährung

Auch dort, wo Menschen nicht chronisch oder akut Hunger leiden, können sie durch so genannte Mangelernährung schwer erkranken und sogar sterben. Mangelernährung ist eine Form der Fehlernährung. Sie bezeichnet eine unzureichende Zusammensetzung der Nahrung, bei der einzelne Nährstoffe wie Proteine, Kohlenhydrate, Fette, Mineralstoffe oder Vitamine fehlen.

Auch wenn diese Mängel nur gering sind, können die Folgen gravierend sein. Sie können neben Krankheit und Tod zu bleibenden kognitiven Defiziten bei Kindern und einem Produktivitätsverlust bei Erwachsenen führen. Studien zeigen jedoch, dass schon wenige bezahlbare Maßnahmen wie Stillen, Zusatznahrung und ergänzende Vitamin-A- und Zinkgaben die Kindersterblichkeit um 25 Prozent reduzieren kann. So könnte das Leben von etwas 2,4 Millionen Kindern jährlich gerettet werden.

 


Indische Kinder auf einer
Rutsche. © DWHH

Gefährdete Gruppe

Frauen und Kinder sind am stärksten von Armut und Unterernährung betroffen. Die Ursache dafür liegt an den kulturellen Traditionen und sozialen Strukturen, die in vielen ärmeren Ländern vorherrschen. Frauen sind meist schlechter ausgebildet und haben deshalb nicht die gleiche Möglichkeit, Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen. Zur Gefahr werden diese Bedingungen vor allem während Schwangerschaft und Stillzeit, wenn Frauen einen erhöhten Nährstoffbedarf haben.

Jedes Jahr kommen mehr als 20 Millionen untergewichtige Babys zur Welt. In einigen Ländern wie Indien und Bangladesch wiegen mehr als 30 Prozent aller Neugeborenen zu wenig. Von Geburt an stehen ihre Chancen schlecht. Untergewichtige Babys haben ein erhöhtes Risiko, in den ersten Lebenswochen und später an Kinderkrankheiten und anderen leicht behandelbaren Erkrankungen wie Durchfall zu sterben. Häufig bleiben sie in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung zurück.

 


Goldschmied in Eritrea.
© DWHH

Wirtschaftliche Konsequenzen

Hunger bedeutet nicht nur individuelles Leid, sondern auch eine enorme Belastung für die Ökonomie eines Landes. Dies gilt für die zusätzlichen Ausgaben im medizinischen Bereich. Allein für unterernährte Kinder und Mütter in Entwicklungsländern belaufen sich die Kosten dafür auf etwa 30 Milliarden US-Dollar im Jahr – das ist rund fünf Mal so viel, wieder der Globale Fonds bislang im Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria ausgegeben hat.

Konservative Schätzungen gehen davon aus, das sich die Kosten, die direkt und indirekt durch niedriges Geburtsgewicht und Mangelernährung verursacht werden, auf mindestens fünf bis zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Entwicklungsländer summieren. Dieses entspricht 500 Milliarden Euro bis eine Billion US-Dollar.

Jedes Jahr gehen in den Entwicklungsländern durch vorzeitigen Tod und verminderte Arbeitsfähigkeit mehr als 220 Millionen Jahre an Produktivität verloren.

Die Zahlen sprechen für sich. Eine Gesellschaft, die von Unterernährung und Hunger geprägt ist, kann sich wirtschaftlich und sozial nicht entwickeln. Eine gute Ernährungsgrundlage ist damit nicht nur Resultat wirtschaftlichen Fortschritts, sondern eine seiner Voraussetzungen. Und diese Voraussetzung ist für 2,3 Milliarden Menschen, die in fast 70 Ländern mit besonders hoher Sterblichkeit leben, nicht gegeben.

Letzte Änderung an dieser Seite: 15.10.2007
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