Hilfsprojekt in Indien: Stärkung von Selbsthilfe im Chitradurga-Distrikt

 

Armut und Reichtum liegen dicht beieinander in Kalkutta, Indien. © Boethling
Armut und Reichtum liegen dicht beieinander
in Kalkutta, Indien. © Boethling
Indien, das siebtgrößte Land der Welt, steckt voller Widersprüche. Auf der einen Seite prägen hochmoderne Bürogebäude und ein beachtliches Wirtschaftswachstum das Bild des südasiatischen Staates. Auf der anderen Seite leben 70 Prozent der Inder und Inderinnen von weniger als zwei US-Dollar am Tag; einzelne Bevölkerungsgruppen wie die Stammesbevölkerung (Adivasi) und die Kastenlosen (Dalit) werden stark ausgegrenzt. Anders als in vielen anderen Ländern des Südens gibt es in Indien mittlerweile jedoch eine starke Zivilgesellschaft mit kompetenten Nichtregierungsorganisation und aktiven Selbsthilfegruppen. Viele Menschen setzen sich für soziale Reformen und den Schutz der Umwelt ein, leisten Entwicklungsarbeit in den Dörfern und Lobbyarbeit für die Armen. Die Stärkung und Weiterentwicklung dieser Strukturen unterstützt die Welthungerhilfe gemeinsam mit der indischen Partnerorganisation Myrada.

Große Armut im Projektgebiet Chitradurga

Ein Projektgebiet der Welthungerhilfe in Indien ist der Distrikt Chitradurga im südindischen Bundesstaat Karnataka. Trotz der ungünstigen klimatischen Bedingungen lebt der Großteil der 1,5 Millionen Bewohner des Distrikts von der Landwirtschaft. Viele von ihnen verfügen über wenig oder kein Land und rund ein Drittel der Bevölkerung lebt in absoluter Armut. Die beruflichen Alternativen sind schlecht: Gewerbliche Arbeitsplätze sind rar und viele Kleinbauern sind gezwungen als Saisonarbeiter in andere Regionen zu ziehen, um das Überleben ihrer Familien zu sichern.

 

Frauen bei einer Fortbildung im Schulungszentrum. © DWHH
Frauen bei einer Fortbildung
im Schulungszentrum.
© DWHH
Kleine Selbsthilfegruppen standen am Anfang
Mit Unterstützung der Welthungerhilfe und Myrada haben sich seit 1988 viele Frauen in Selbsthilfegruppen zusammen geschlossen. Sie gründeten zunächst Sparfonds, in die jede von ihnen monatlich einen festen Betrag einzahlte. Aus der Gemeinschaftskasse konnten dann Kredite für Anschaffungen im Haushalt, in der Landwirtschaft oder auch für die Bildung der Kinder an die Gruppen-Mitglieder vergeben werden. Myrada und die Welthungerhilfe  fördern die Gruppen auf vielfältige Weise. Sie helfen Frauen ein kleines Geschäft zu eröffnen oder bieten Fortbildungen im Bereich Finanzmanagement an. Durch diese Maßnahmen zur  Stärkung der Selbsthilfegruppen kann die Lebenssituation der ländlichen Armen deutlich verbessert werden.


© DWHH
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Kräfte bündeln – Netzwerke bilden
Dieses Konzept war derart erfolgreich, dass im Laufe der Jahre immer mehr Entwicklungsorganisationen die Gründung von Selbsthilfegruppen unterstützten. Mittlerweile existieren in Chitradurga insgesamt 6.000 Spar- und Kreditgruppen. Damit diese Gruppen nicht nur nebeneinander existieren sondern sich gegenseitig unterstützen und voneinander profitieren, haben Myrada und die Welthungerhilfe die Gründung des NGO-Netzwerks SPIN gefördert. Alle wichtigen Organisationen des Distrikts ziehen nun an einem Strang, so dass auch ein struktureller Einfluss sichtbar wird - an den Selbsthilfegruppen kommt niemand mehr vorbei.

Über die Projekte hinaus Nahhaltigkeit schaffen
Damit sich die Selbsthilfestrukturen dauerhaft selbst erhalten, unterstützen die Welthungerhilfe und Myrada den Aufbau von 25 Ressourcenzentren im Distrikt. Diese Einrichtungen werden von den Gruppenverbänden selbst getragen. Sie bieten eine Vielzahl an Beratungs-, Trainings- und Informationsdienstleistungen an, darunter auch Fortbildungen, die zuvor von der Hilfsorganisation Myrada organisiert wurden.
Die verschiedenen Leistungen sind nicht kostenlos, so dass sich die Zentren langfristig selbst tragen. Durch diese Institutionalisierung der Selbstorganisation wird ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des Chitradurga-Distrikts geleistet.

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Letzte Änderung an dieser Seite: 21.10.2009
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