Millenniumsdorf Sarwan in Indien: Einer Dorfgemeinschaft gelingt der Aufstieg

Ein Bauer kümmert sich um seine Pflanzen. © Boethling
Ein Bauer kümmert sich um seine neuen Gemüsepflanzen.
© Boethling
Sarwan besteht aus 26 Weilern und liegt im indischen Bundesstaat Jharkhand (früher Süd-Bihar). Es wurde im Jahr 2005 von der Welthungerhilfe als Millenniumsdorf ausgewählt. Zu Beginn der Initiative beschlossen die Bewohner Sarwans, bis zum Jahr 2010 mehrere Millenniumsziele (Millennium Development Goals / MDG) aktiv umzusetzen. Die Bewohner Sarwans haben mit großem Einsatz für das Erreichen der Ziele gekämpft und ziehen heute voller Stolz Bilanz.

 

2005: Geld und Essen ist knapp

Das Klima ist in Sarwan unberechenbar. Auf Dürreperioden folgen Regengüsse mit schweren Überschwemmungen, die Ernte ist ein Glücksspiel. Die hier lebende Bevölkerung ist sich weitestgehend selbst überlassen, der indische Staat in der abgelegenen Region kaum präsent. So leben die 5.300 Dorfbewohner hauptsächlich vom Reisanbau. Monokulturen sind jedoch anfällig für Schädlinge, sie belasten die Bodenfruchtbarkeit. Fällt eine Ernte aus, stehen die Menschen vor dem Nichts. Viele Männer bessern das Familieneinkommen als Wanderarbeiter auf. Die Frauen tragen damit die Hauptlast bei der Organisation des Alltags.

Vor Projektbeginn starb jedes zehnte Kind vor seinem fünften Lebensjahr, weil es nicht genug zu essen hatte. Sauberes Trinkwasser fehlte. 68 Prozent der Menschen waren unterernährt. Nur die Hälfte der Kinder besuchte die Grundschule und lediglich ein Viertel schloss diese ab. Vor allem die  Mädchen mussten ihren Müttern im Haushalt helfen, so dass nur wenige zur Schule gingen. Die Alphabetisierungsrate war extrem niedrig: Nur 13 Prozent der Frauen und 27 Prozent der Männer konnten lesen und schreiben. Es gab keine Vereine oder Gremien, in denen die Kleinbauern ihre Anliegen diskutieren oder vertreten konnten.

 

2010: Vielfalt auf den Feldern und alternative Einkommensmöglichkeiten

Bildung fängt schon bei den Kleinsten an. © Boethling
Bildung fängt schon bei den
Kleinsten an. © Boethling
Die Menschen in Sarwan haben die Entwicklung ihres Dorfes mit großem Einsatz vorangetrieben. Mit Unterstützung der Welthungerhilfe und ihren lokalen Partnerorganisationen haben sie Gemeindestrukturen aufgebaut, die heute effektiv funktionieren und die Anliegen der Bevölkerung bei den zuständigen Behörden präsentieren. Der indische Staat legt Programme ländlicher Entwicklung auf, aber davon profitiert diese abgelegene Region nur selten. Inzwischen kämpfen die neu gegründeten Dorfversammlungen (Gram Sabhas) und andere Basisgruppen selbstbewusst für ihre Rechte. Dadurch gibt es heute in Sarwan staatliche Bildungsprogramme, Projekte zur Verbesserung der Infrastruktur oder Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.

Auch die Welthungerhilfe hat konkrete Maßnahmen ergriffen: Um die Armut zu bekämpfen (MDG 1) hat sie mit ihren Partnern die Abhängigkeit der Kleinbauern von Monsunregen und Extremwetterlagen reduziert. Innovative Anbaumethoden, Bewässerungssyteme und alternative Einkommensmöglichkeiten haben den Lebensstandard deutlich verbessert. Die Einkommen steigen und das Bewusstsein für Bildung, Gesundheit, Umwelt und Geschlechtergerechtigkeit wird immer stärker. Damit sind die Bewohner von Sarwan auf einem guten Weg in eine bessere Zukunft.

 

Letzte Änderung an dieser Seite: 22.06.2011
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Fakten:

Durchführung: Partnerorganisation Pravah gemeinsam mit der Welthungerhilfe

Koofinanzierung: Europäische Union (EU), Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

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