Kinderrecht auf Schulbildung

Hartmut Engler und die schweizer Sängerin Nubya im
Aloor Camp. © Michaes von Lingen
Weltweit müssen 250 Millionen Mädchen und Jungen arbeiten, die meisten davon in Asien. Fast die Hälfte ist vollbeschäftigt, in einer perspektivlosen Fronarbeit, die die Gesundheit schädigt und keine Zeit lässt für den Schulbesuch. Allein in Indien gehen über 70 Millionen Kinder im Alter von 5-14 Jahren nicht zur Schule, sondern schuften – zum Teil unter unmenschlichen Bedingungen - auf dem Feld, in Fabriken, unter Tage oder im Steinbruch. Ihnen wird nicht nur die Kindheit gestohlen, sondern auch jegliche Perspektive auf eine lebenswerte Zukunft als Erwachsene genommen.

Junges Mädchen auf einer
Baumwollplantage. © DWHH
Schuldknechtschaft als alte und moderne Form der Sklaverei ist in Südasien weit verbreitet. Zur Abzahlung von Schulden und Krediten der Familie werden Kinder an Arbeitgeber billig verkauft. Auf diese Weise werden etwa 10 Millionen Kinder in Indien auf den Status von Leibeigenen herabgewürdigt. Offiziellen Statistiken zufolge gibt es im Bundesstaat Andhra Pradesh, Südindien, 1,8 Millionen Kinderarbeiter, die meisten in ländlichen Gebieten. 86 Prozent der dortigen Kinderarbeiter und 94 Prozent der Arbeiterinnen sind Analphabeten. Weitere Zahlen besagen, dass 60 Prozent der Kinder zwischen 5 und 14 Jahren dort nicht zur Schule gehen.

Prof. Shanta Sinha,
Leiterin der MV Foundation
Seit 1991 kämpft die indische Organisation M.Venkatarangaiya Foundation (MVF) in den ländlichen Gebieten des indischen Bundesstaates Andhra Pradesh für die Umsetzung von Kinderrechten. Das Ziel ihrer Bemühung ist die Abschaffung von Kinderarbeit und die Sicherung einer Grundschulausbildung für alle Kinder. Sie hat bislang 320.000 arbeitende Kinder in staatliche Schulen integriert und 7.000 Kinder aus der Schuldknechtschaft befreit. MV Foundation arbeitet mittlerweile in über 6.000 Dörfern Andhra Pradeshs. Die Leiterin der MV Foundation, Prof. Shanta Sinha, erhielt 2003 den asiatischen "Friedensnobelpreis", den renommierten Magsaysay Award.

Indische Schulmädchen
© DWHH
Das Projekt "Kinderarbeit verhindern – Schule ist der beste Arbeitsplatz" wird von der Deutschen Welthungerhilfe (DWHH) in Gemeinschaft mit der Alliance 2015 unterstützt, einem Verbund von europäischen Hilfsorganisationen. Die von der Alliance 2015 geförderte Projektarbeit der MV Foundation in 1.000 Dörfern des Rangareddy Distrikts in Andhra Pradesh, wird fortgesetzt und intensiviert. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Förderung von Mädchen, die traditionell bei der Ausbildung benachteiligt werden. In Brückenkursen werden die Kinder auf die Eingliederung in das reguläre Schulsystem vorbereitet. Insgesamt 25 solcher Brückencamps werden von der MV Foundation mittlerweile betreut.

"Schule ist der beste
Arbeitsplatz." © DWHHEin wichtiger Faktor für die Nachhaltigkeit der erzielten Erfolge ist es, in den Gemeinden das Bewusstsein zu schaffen, dass die Schule der beste Arbeitsplatz ist. Eine ganz wichtige Rolle spielen dabei jugendliche Aktivisten. Das sind meist Schulabgänger der ersten Generation, die von Dorf zu Dorf gehen und die Familien überzeugen, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Sie führen Straßentheater auf und reden auf Dorfversammlungen. Lokale Dorf- und Gemeindegruppen, Jugendvereine, Lehrer, Schul- und Elternbeiräte setzen sich bereits für die Rechte von Kindern ein, leisten Lobbyarbeit in benachbarten Distrikten und überzeugen die staatlichen Behörden vom Sinn ihres Tuns. Für eine bessere Zukunft der Kinder, denn Bildung ist der erste Schritt aus dem Teufelskreis der Armut.
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