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Kongo - Die Menschen kämpfen für eine positive Zukunft

Flüchtlingslager und Strassenbau

Obwohl im Kongo Terror herrscht, kämpfen die Menschen für eine positive Zukunft

Mugunga III außerhalb von Goma ist seit Jahrzehnten eines der Hauptlager für Flüchtlinge. © Herzau
Die Menschen im Ostkongo fliehen vor den Kämpfen, brutalen Überfällen und vor Plünderungen. © Herzau
Die Menschen im Ostkongo fliehen vor den Kämpfe, brutalen Überfällen und vor Plünderungen. © Herzau
Mugunga III außerhalb von Goma ist seit Jahrzehnten eines der Hauptlager für Flüchtlinge. © Herzau
Wer den Fluss Lowa in Kongo überqueren will, muss das mit einem Einbaum tun – ebenso die zu transportierenden Waren.© Siering
Die Menschen im Ostkongo fliehen vor den Kämpfen, brutalen Überfällen und vor Plünderungen. © Herzau
Auf eine Fähre warten die Anwohner schon lange. © Siering
Wer den Fluss Lowa im Kongo überqueren will, muss das mit einem Einbaum tun.© Siering/topas film
Ein Straßenbauprojekt der Welthungerhilfe hat zum Ziel, die wichtige Überlandverbindung, die hier entlang führte, wiederherzustellen. © Siering
Auf eine Fähre warten die Anwohner schon lange. © Siering/topas film
Wenn kein Krieg herrscht, baut man im Kongo an der Zukunft: Über neue Straßen gelangen Waren in abgelegene Gebiete. © Meissner
Ein Straßenbauprojekt der Welthungerhilfe soll die wichtige Überlandverbindung wiederherstellen. © Siering/topas film

Die Demokratische Republik Kongo ist der zweitgrößte Staat Afrikas und trotz beachtlicher Rohstoffvorkommen eines der ärmsten Länder der Welt. Dabei könnte das Land ganz Zentralafrika mit Nahrungsmitteln zu versorgen - genügend fruchtbare Ackerfläche und günstige klimatische Bedingungen wären vorhanden. Doch in der DR Kongo beherrschen Gewalt, Konflikte und politische Unsicherheiten das Leben der Menschen und hindern die Entwicklung des Landes.

Verfeindete Rebellengruppen ringen um die Macht und um die Rohstoffe im Land. Immer wieder flammen Kämpfe auf, die Angst vor Gewalt und Plünderungen vertreibt die Bewohner aus ihren Dörfern. Viele Schulen und Krankenstationen wurden dabei zerstört. In den verlassenen Gegenden überwuchert Urwald die Verkehrswege und somit auch wichtige Handelsstraßen. Seit Mai 2013 sind im Ostkongo wieder Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen entbrannt, tausende Menschen sind erneut auf der Flucht.

Die Welthungerhilfe ist seit 1997 im Land aktiv. Sie leistet Nothilfe für Flüchtlinge, unterstützt lokale Krankenhäuser und schafft Arbeitsplätze im Bereich Straßenbau.

Ihre Spende hilft!

Zu wenige Latrinen im Lager Mugunga III

Das Flüchtlingslager Mugunga III liegt außerhalb der Stadt Goma, hier finden schon seit Beginn des Bürgerkrieges viele Flüchtlinge aus Ruanda und Binnenvertriebene Zuflucht. Es herrschen katastrophale Verhältnisse, da es zu wenig Latrinen und Platz für neu ankommenden Flüchtlinge gibt.

Die Welthungerhilfe versorgt hier mehr als 3.000 Flüchtlingsfamilien. Die Familien bekommen Pakete mit Seife, Decken, Kleidung, Kochgeschirr und Planen und richten sich damit notdürftig im Flüchtlingslager ein. Um mehr Platz für neue Flüchtlinge zu schaffen und neue Latrinen zu errichten, setzt die Welthungerhilfe ihre Baumaschinen ein, die bisher für die Sanierung des Flughafens Goma benutzt wurden.

Vor dem Ausbruch der Gewalt – und zwar schon seit dem Jahr 1999 –, hat die Welthungerhilfe die Menschen im Kongo dabei unterstützt, Straßen in ländliche Regionen auszubauen oder wieder instandzusetzen. Sobald es die Lage zulässt, sollen die Straßenbauarbeiten wieder aufgenommen werden. Denn nur über intakte Straßen und Wege ist der Austausch von Waren, Dienstleistungen und Informationen auch in abgeschiedenen Gegenden möglich. Für ihre Mitarbeit bei Straßen- und Brückenbauten erhalten möglichst viele Ortsansässige ein vorübergehendes Einkommen. So können die Arbeiter ihre Familien mit dem Nötigsten versorgen.

Intakte Wege führen in abgeschiedene Gegenden

Weiterhin unterstützt die Welthungerhilfe im Ostkongo ein lokales Krankenhaus in Butembo. Im FEPSI Hospital finden Opfer von Vergewaltigungen  medizinische und psychologische Hilfe. Entscheidend für die Zukunft im Kongo ist zudem, dass die Menschen langfristig ihre Ernährung sichern können. Die Welthungerhilfe fördert daher Landwirtschaft in fruchtbaren Gegenden, vergibt Saatgut und landwirtschaftliche Geräte an Bauernfamilien und bringt ihnen in Schulungen, neue, verbesserte Anbaumethoden näher.

Mehr erfahren Sie im Faktenblatt Kongo (Stand 25.06.2013)

Auswertung unserer Arbeit
Zur aktuellen Projekt-Evaluation (2013): Supporting internally displaced persons in Congo (englisch)

Die Projekte werden gefördert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), dem Auswärtigen Amt, Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Welthungerhilfe.

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Aktuelle Berichte zum Projekt

Jetzt kann der Handel im Kongo florieren

Eine reparierte Straße lässt entlegene Regionen aufblühen

Florierender Handel in entlegenen Dörfern im Westen der Demokratischen Republik Kongo? Das scheint erst einmal schwer zusammenzupassen. Doch seit die Landstraße zwischen Kyantsaba und Visiki neu ausgebaut ist, sind die Grundlagen für einen spürbaren Aufschwung in der Region Kivu gelegt. Einen regional wichtigen Verkehrsweg hat die Welthungerhilfe mit Unterstützung von USAID an der Grenze zu Ruanda und Burundi erneuert. So erreichen Hilfsorganisationen wie die Welthungerhilfe tausende Menschen, die vor den Kämpfen geflüchtet sind. Auch die ansässigen Bauernfamilien profitieren: Über die Straße können sie Handel betreiben.

Über neue Brücken gelangen die Autos der Welthungerhilfe auch in entlegene Gebiete im Kongo.
Über neue Brücken gelangen die Autos der Welthungerhilfe auch in entlegene Gebiete im Kongo.
Achtung Bauarbeiten! Hinweisschilder kennzeichnen die Streckenabschnitte, die ausgebessert werden.
Achtung Bauarbeiten! Hinweisschilder kennzeichnen die Streckenabschnitte, die ausgebessert werden.

Händler und Bauern bieten Waren an

Mais, Tomaten, Maniok, Latschen, Seifen und Tücher – in Kyantsaba und Viski, aber auch in den kleinen Dörfern Cantine und Mabalako, die zwischen ihnen liegen, kann man praktisch alles kaufen. Fahrende Händler und Bauern bieten ihre Waren Passanten und Leuten, die in PKW, Motorrädern und Fahrrädern vorbeifahren, an.

Seit August 2013 hat die Welthungerhilfe in der Region Nord Kivu in Zusammenarbeit mit der hiesigen Bevölkerung und finanzieller Unterstützung von USAID einen Straßenabschnitt von 54 Kilometern ausgebessert sowie zwei Brücken auf der Strecke instandgesetzt. Über diesen Weg gelangen Waren und Hoffnung in die abgelegene Provinz Kivu im Kongo. „Ohne die Menschen, die die Straße mit uns gebaut haben, hätten wir es nicht geschafft“, sagt Georg Dörken, Landeskoordinator der Welthungerhilfe für den Kongo.

Vorübergehendes Einkommen für Arbeiter

Rund 2.000 Menschen, die entlang der Straße leben, beteiligen sich an den Bauarbeiten. Für ihre Hilfe erhalten sie ein vorübergehendes Einkommen. So können sie ihre Familien mit dem Nötigsten versorgen. Noch vor einem Jahr war die „Straße“ nicht viel mehr als ein schmaler Sandweg. Einige Wenige passierten ihn zu Fuß, per Rad oder bestenfalls mit dem Motorrad. Mit Autos, geschweige denn mit Lastwagen, kam man hier nicht weiter.

Vorher glich die Straße einem schmalen Sandweg.
Vorher glich die Straße einem schmalen Sandweg.
Auf den Feldern der Kongolesen gedeiht Kohl und anderes Gemüse.
Auf den Feldern der Kongolesen gedeiht Kohl und anderes Gemüse.

Doch dank der Ausbesserungen kommen jetzt alle Fahrzeuge gut voran. Endlich! Über die neue Straße gelangen Entwicklungsorganisationen in die entlegenen Gebiete. Dieses Vorankommen ist enorm wichtig: In der Region leben tausende Flüchtlinge, die auf Essenspakete, Medizin und andere Hilfsgüter angewiesen sind.

Nahrungsmittel auch für Flüchtlinge

Die Menschen sind vor den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Rebellen hierher geflohen. Oft sind sie bei Verwandten untergekommen. Die bislang knappen Nahrungsmittel teilten Gastfamilien und Flüchtlinge unter sich auf. Doch durch die neue Straße kommt nicht nur Hilfe, sondern auch Handel und damit Geld in die Region. Entlang der Straße verkaufen Bauernfamilien den Teil ihrer Ernte, den sie selbst nicht essen können. Um ihre Ernährung abwechlungsreicher zu gestalten, kaufen sie mit einem Teil der Einnahmen Nahrungsmittel hinzu. Den Rest geben sie für Gesundheitskosten und Schulbildung aus.

Straßenbau ist der Schlüssel für ländliche Entwicklung im Kongo. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Welthungerhilfe 1.500 Kilometer an Wegen und Straßen ausgebaut. „Als wir 1997 unsere Arbeit hier aufnahmen, gab es kaum Infrastruktur. Uns war schnell klar, dass Straßenbau der Schlüssel für Entwicklung sein würde. Denn ohne Anbindung an Märkte gibt es keinen Handel“, sagt Georg Dörken. Gemeinsam mit Partnern wie der EU und der USAID baut die Welthungerhilfe deshalb stetig Straßen im Osten des Landes.

In landwirtschaftlichen Schulen lernen

Mit den ortsansässigen Familien hat die Welthungerhilfe außerdem verschiedene landwirtschaftliche „Schulen“ ins Leben gerufen. Die Bauern erhalten widerstandsfähigeres und ertragreicheres Saatgut, sie lernen, Pflanzen vor Schädlingen zu schützen, das Saatgut zu vermehren und Neues anzupflanzen. Reis, Tomaten, Auberginen, Kohl und andere Gemüsesorten gedeihen auf den Feldern.




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Flucht nach Uganda

Erster Flüchtlingskonvoi erreicht Lager in Kyangwali

Im Ostkongo liefern sich Rebellen und die kongolesische Armee erneut blutige Gefechte. Die Flüchtlingsströme reißen nicht ab. Im Inland sind die Flüchtlingslager bereits überfüllt. Jeden Tag machen sich ganze Familien auf den Weg Richtung Osten. Ihr Ziel: Uganda. Doch hinter der Grenze erwartet sie kaum Besserung: Das Transitlager in Bundibugyo, das für 12.500 Menschen geplant war, hat mittlerweile 20.000 Flüchtlingen aufgenommen. Die Hygienesituation in der Zeltstadt ist miserabel. Es gibt zu wenig Latrinen, kaum noch Wasser und keinen Platz mehr für Neuankömmlinge.

Die Flüchtlingslager im Kongo sind überfüllt. Familien flüchten nach Uganda. © Herzau
Welthungerhilfe Mitarbeiter Gunther Schramm im Flüchtlingslager Kyangwali in Uganda.
Für die Familien rückt die Heimkehr immer weiter in die Ferne. © Herzau
Die Flüchtlingslager im Kongo sind überfüllt. Familien flüchten nach Uganda. © Herzau
Für die Familien rückt die Heimkehr immer weiter in die Ferne. © Herzau

Ausweichlager im Kyangwali

Gemeinsam mit dem UNHCR hat die ugandische Regierung ein Gebiet rund 200 Kilometer nordwestlich ausgewiesen um ein neues Lager zu errichten. Mit dem Alliance2015-Partner CONCERN hat die Welthungerhilfe die sehr dünn besiedelte Gegend analysiert und unterstützt zunächst 850 Familien bei der Umsiedlung aus Bundibugyo in das neue Lager Kyangwali. Dort werden den Familien Werkzeuge und Baumaterial zur Verfügung gestellt, damit sie sich einfache Unterkünfte errichten können. Außerdem werden Hygienekits verteilt und Latrinen gebaut. Das Gebiet am Lake Albert bietet fruchtbaren Boden, der sich für Landwirtschaft gut eignet. Ein wichtiger Aspekt, da nicht klar ist, wann und ob die Kongolesen wieder in ihre Heimat zurückkehren können. Damit sie nicht von Nahrungsmittelpaketen abhängig sind, verteilt die Welthungerhilfe landwirtschaftliche Geräte und schnellreifendes Saatgut.

Der erste Flüchtlingskonvoi ist angekommen

Die Lage in ihrer Heimat ist unerträglich: Die öffentliche Verwaltung ist zusammen gebrochen und die jahrzehntelangen Kämpfe haben vielen Kongolesen jegliche Hoffnung auf Frieden geraubt. Trotz der katastrophalen Zustände fällt es den Familien schwer in das weiter entfernte Lager Kyangwali umzusiedeln. Eine Heimkehr rückt dadurch noch weiter in die Ferne. Sie haben das Gefühl von einer Ungewissheit in die nächste zu stolpern. Der Transport der Familien birgt zudem zahlreiche Probleme. Seit Beginn der Regenzeit sind die ohnehin schon schlechten Straßen und Zugangswege noch schwieriger zu passieren. Der erste Konvoi mit 80 Familien hat vergangene Woche das Lager in Kyangwali unbeschadet erreicht. Die Mitarbeiter vor Ort sind zuversichtlich, die verbliebenen Familien in den nächsten Tagen und Wochen ebenfalls sicher nach Kyangwali zu bringen.

Die Hilfsmaßnahmen in Uganda werden finanziell unterstützt vom Auswärtigen Amt.




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Ein Krieg gegen die Frauen

Ein Krankenhaus bietet vergewaltigten Frauen medizinische und psychologische Hilfe

Im Jahr 2000 gründeten 15 engagierte Frauen die Hilfsorganisation Femmes Engagées pour la Promotion de la Santé Intégrale (FEPSI). Sie betreibt in Butembo ein Krankenhaus, das sich um vergewaltigte Frauen kümmert. Die Welthungerhilfe unterstützt das Hospital seit einigen Jahren. Marie Dolorose Masika-Kafanya - ehemalige Leiterin und Krankenschwester berichtet vom Klinikalltag.

von Andrea Kümpfbeck

Wenn sie ein paar der Geschichten erzählt, die sie in den vergangenen zwölf Jahren gehört hat, wird die Stimme von Marie Dolorose Masika-Kafanya leise und der Ton sachlich. Ganz so, als könne sie ihren Worten damit den Schrecken nehmen. Und den Schicksalen vieler vergewaltigter Frauen in der DR Kongo das Grauen. Denn ihr eigenes Leben, sagt die 57-jährige Witwe und Mutter dreier Kinder, ist im Vergleich dazu ein gutes, ein gesegnetes Leben.

Nirgendwo werden mehr Frauen vergewaltigt als im Ostkongo. Im Krankenhaus in Butembo finden Betroffene Hilfe. © Grossmann
Nirgendwo werden mehr Frauen vergewaltigt als im Ostkongo. Im Krankenhaus in Butembo finden Betroffene Hilfe. © Grossmann
Krankenschwester und ehemalige Leiterin Marie Dolorose Masika-Kafanya ist Mitbegründerin vom FEPSI-Hospital. © Grossmann
Krankenschwester und ehemalige Leiterin Marie Dolorose Masika-Kafanya ist Mitbegründerin vom FEPSI-Hospital. © Grossmann
Jeder Frau wird bei Aufnahme Blut abgenommen und sie erhält vorsorglich ein Anti-AIDS Mittel. © Grossmann
Jeder Frau wird bei Aufnahme Blut abgenommen und sie erhält vorsorglich ein Anti-AIDS Mittel. © Grossmann
Nicht selten folgt auf eine Vergewaltigung eine ungewollte Schwangerschaft. © Grossmann
Nicht selten folgt auf eine Vergewaltigung eine ungewollte Schwangerschaft. © Grossmann
Unvorstellbares Grauen, festgehalten in blauen Heften. Jeder Fall wird für das Archiv dokumentiert. © Grossmann
Unvorstellbares Grauen, festgehalten in blauen Heften. Jeder Fall wird für das Archiv dokumentiert. © Grossmann

An diesem Morgen führt sie Love Nziavake im »Centre Hospitalier FEPSI« den Gang entlang zum Labor. Die 21-Jährige kann kaum laufen, sie wirkt wie betäubt, den Blick hat sie starr auf den Boden gerichtet. Die Zuckerrohrhändlerin war am Tag zuvor auf dem Weg hinaus aufs Feld von einem Unbekannten ins Gebüsch gezogen und vergewaltigt worden. Ihr Peiniger war etwa 30 Jahre alt, ein Zivilist, aber er hatte eine Waffe, erzählt die verschreckte Frau. Der einzige Satz, den er ihr zuzischte, war: »Heute bist du dran.«

Nirgendwo auf der Welt werden so viele Frauen vergewaltigt wie im Ostkongo. Das belegt eine Statistik der Vereinten Nationen. Jeden Monat werden 67 von 1.000 Frauen Opfer massiver sexueller Gewalt. Nirgendwo auf der Welt wurde ein Land aber auch über Jahrzehnte hinweg derart ausgebeutet und von Kriegen zerfressen. Und nirgendwo auf der Welt gibt es deshalb so wenig Moral, Mitleid und Anstand.

Kein Wasser, kein Strom

Das FEPSI-Hospital in Butembo ist der einzige Ort in den beiden Landkreisen Lubeno und Beni mit rund zwei Millionen Einwohnern, wo vergewaltigte Frauen Hilfe finden – medizinische und psychologische. Butembo ist eine Stadt mit 700.000 Einwohnern, die größte im Ostkongo. Es ist zugleich die am schlechtesten entwickelte: Es gibt weder Wasser- noch Stromversorgung, am Abend brummen für zwei Stunden die Generatoren, dann legt sich Dunkelheit über die Lehmhütten.

Im Schnitt klopften jeden Tag zwei, drei, manchmal vier verzweifelte Frauen an die Tür des Hospitals, sagt Marie Dolorose Masika-Kafanya. Mehr als 5.600 hat sie in den vergangenen zwölf Jahren gezählt. Und jede Geschichte, jedes einzelne Schicksal ist niedergeschrieben in einem der dicken, blauen Schulhefte, die sich in einem Zimmer stapeln, über dessen Tür das Schild »Anmeldung« hängt. Viele Geschichten sind zu grausam, um je veröffentlicht zu werden. Die Umstände der Vergewaltigung eines zweijährigen Mädchens zum Beispiel, die Übergriffe auf eine 80-Jährige oder die dokumentierten Massenvergewaltigungen. »Viele überleben die grausame Prozedur nicht«, sagt Marie Dolorose.

15 kämpferische Frauen haben im Jahr 2000 das Projekt FEPSI gegründet. Marie Dolorose Masika-Kafanya ist eine von ihnen. »Wir konnten es nicht mehr ertragen, dass eine Gesellschaft, dass die ganze Welt wegschaut«, sagt sie. Kurz darauf haben die Frauen das »Centre Hospitalier FEPSI« eröffnet, das heute 63 Betten, 57 Angestellte und 125 Vertrauensleute zählt, die FEPSI in den Dörfern bekannt machen. 

Viele Frauen werden schwanger

Love Nziavake hat im Radio von den FEPSI-Frauen gehört, eine erste Untersuchung hat sie nun hinter sich. In dem einfachen Labor, dessen modernstes Gerät ein Mikroskop ist, hat man ihr Blut abgenommen. Marie Dolorose gibt ihr einen Becher Wasser und die »Pille danach«. Später wird sie noch ein Anti-Aids-Mittel bekommen, das innerhalb von 48 Stunden eingenommen werden muss. Ob sie sich vorstellen kann, warum ein Mann vergewaltigt, fragt Marie Dolorose die verschüchterte junge Frau. »Um das Leben einer Frau zu zerstören«, sagt Love Nziavake – und schlägt die Hände vors Gesicht.

In den Krankenzimmern, die sich fünf, manchmal acht Frauen teilen, ist es düster. Moskitonetze hängen von den Decken. Einige Frauen sind hochschwanger, sie warten auf die Geburt. 60 bis 80 Geburten betreuen die FEPSI-Frauen jeden Monat. Ein Viertel davon, sagt Marie Dolorose, ist das Ergebnis einer Vergewaltigung. Während des Bürgerkriegs wurden Vergewaltigungen als Kriegswaffe eingesetzt, um die Familie – und damit die Seele der Gegner – zu treffen.

Früher trug der typische Vergewaltiger Uniform und eine Waffe: Er gehörte einer Rebellengruppe an oder der kongolesischen Armee. Heute ist es auch der Nachbar, der Onkel, der Bruder. Brutalität, die Verrohung und die Gesetzlosigkeit ist in die Zivilgesellschaft übergegangen, erzählt Marie Dolorose.

Offenes Ohr und Unterstützung für die Frauen

Wirklich ändern können die Frauen von FEPSI die Situation in ihrem Land nicht, das weiß auch Marie Dolorose Masika-Kafanya. Aber die Hilfsorganisation kann die Situation der Frauen erträglicher machen. Da sein. Zuhören. »Der schönste Moment«, sagt Marie Dolorose, »ist, wenn eine Frau trotz all der Gewalt und des Grauens, die sie erlebt hat, nach ein paar Tagen im FEPSI-Hospital wieder lächelt.« Für diesen Moment kämpft sie.

Den vollständigen Bericht finden Sie in der Zeitung Welternährung 4/2012.




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Fakten

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Kongo
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