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Mehr Toiletten für Bahir Dar in Äthiopien

Stadtviertel fast ohne Toiletten

Ob Schüler, ob Erwachsener – alle packen mit an, damit sich dies ändert!

In den Armenvierteln der Stadt Bahir Dar im Nord-Westen Äthiopiens hat nur jeder sechster Bewohner einen Zugang zu einer Toilette. Für uns unvorstellbar! Gemeinsam mit unserem Partner der „Organisation for Rehabilitation and Development in Amhara (ORDA)” setzen wir uns dafür ein, dass sich diese Situation verbessert: In den kommenden zwei Jahren sollen 2.000 neue Toiletten gebaut werden. Welthungerhilfe-Mitarbeiterin Irene Sunnus hat sich die Fortschritte des WASH-Projektes angeschaut.

Unsere 14-köpfige Reisegruppe ist am Vorabend in Bahir Dar, im Norden Äthiopiens angekommen. Gleich am nächsten Morgen führt uns ein Kollege der äthiopischen Partnerorganisation ORDA in das örtliche Krankenhaus. Ich reise gemeinsam mit Unterstützern von Viva con Agua, die sich sehr für das Thema WASH engagieren. Wie enorm wichtig sauberes Wasser, Sanitäranlagen und Hygiene (WASH) in dieser Stadt sind, wird uns schon gleich auf dem Krankenhausflur klar. Hier herrscht Hochbetrieb - Patienten, die auf ihre ambulante Behandlung warten, sitzen oder liegen im Flur und sogar draußen im Hof. Jeden Tag kommen allein 800 neue Patienten in dem überfüllten Krankenhaus an, um ambulant versorgt zu werden - das Einzugsgebiet ist riesig, erklärt uns ein Mitarbeiter. Müssen die Wartenden dann zwischendurch mal auf das stille Örtchen, finden Sie nur eine einzige Latrine mit vier Toiletten für Hunderten von Menschen vor!

Bauarbeiter
Der Aushub für neue Kankenhaus-Latrinen hat begonnen. © Klische
Ein Gruppenfoto unserer Reisegruppe
Unsere Reisegruppe gehörten auch Unterstützer von Viva con Agua an - sie engagieren sich für die WASH-Projekte in Äthiopien. © Klische
Voll besetzte Krankenhäuser in Äthiopien.
Die Krankenzimmer im Hospital von Bahir Dar sind voll, Patienten müssen draußen auf ihre Behandlung warten. © Klische
Ein Toilettenhäusschen
Die Krankenhauslatrine mit vier Toiletten musste bis jetzt für ambulante Patienten und Besucher gleichzeitig reichen. © Klische

In den letzten zehn Jahren hat sich die Einwohnerzahl der Stadt verdoppelt!

In den kommenden drei Jahren sollen im Krankenhaus, in anderen öffentlichen Institutionen sowie in den ärmeren Stadtvierteln 2.000 Latrinen gebaut werden. Dort hat zurzeit nur jeder sechste Bewohner einen Zugang zu einer Toilette. Durch das WASH-Projekt wird sich dies ändern, zudem soll auch das System zur Müllentsorgung verbessert werden. Alles dringend notwendige Maßnahmen. Denn die Bevölkerung in Bahir Dar hat sich in den letzten zehn Jahren von 160.000 auf 330.000 verdoppelt, das Stadtgebiet natürlich nicht. Das spürt man an jeder Ecke, zum Beispiel, ganz banal, eben bei den Toiletten.

Latrinen, Kompost und Biogas - Hand in Hand

Auf dem Gelände des Krankenhaus sehe ich, wie ein Loch für Abflüsse der neuen Latrinen ausgehoben wird. Gleich daneben werden Löcher für Kompostbehälter ausgegraben. Ein gut durchdachtes System aus Fäkalien-Auffangen, Kompostherstellung und Biogasnutzung nimmt hier seinen Anfang. Die Biogasanlage soll Abfälle in Energie für die Krankenhausküche umwandeln. Auf dem Weg zurück zu unserem Bus frage ich bei unserem Partner nach, was alles im letzten Jahr passiert ist und warum erst jetzt die ersten Gruben ausgehoben werden. Zuerst wurde die Bevölkerung über das Projekt informiert, so erklärt mir Yakob Belay, Projektleiter bei ORDA.  „Es ist wichtig, die Bewohner gleich von Anfang an mit einzubeziehen - manchmal muss auch in den Vierteln noch ein wenig Überzeugunsarbeit geleistet werden. In Workshops haben die Bewohner eigene Entscheidungs- und Umsetzungsgremien gegründet. Dort wurde auch entschieden, dass zunächst einmal WASH-Schulungen über Hygiene und den Umgang mit sauberen Wasser wichtig sind. So haben wir im letzten Jahr über Fernseh-und Radiobeiträgen oder bei öffentlichen Veranstaltungen immer wieder über das Thema WASH gesprochen.”

Grundschüler zeigen, wie es geht!

Auf gehts zum zweiten Besuchsprogramm in Bahir Dar: Eine von 15 Schulen, die am Projekt teilnimmt. Angekommen, sehen wir die Erfolge schon auf Anhieb. Die ganze Schule strahlt nur so vor Sauberkeit. Am Schuleingang empfängt uns Besucher ein Schaubild, das einen krankmachenden Zyklus zeigt: Unrat führt zu gefährlichen Bakterien, die wiederrum durch verschmutztes Essen und dreckige Hände weiterverbeitet werden. Sogar jeder Mülleimer in der Schule „ruft“ per Schild: „Füttere mich!“ uns zu.

In den teilnehmenden Schulen werden WASH-School-Clubs eingeführt. D.h. in jeder Klasse gibt es zwei WASH-Beauftragte, die immer wieder darauf achten, dass kein Müll herumliegt und alle daran erinnern, sich nach der Toilette, auch die Hände zu waschen. Auch wir werden vor Ort gleich danach ‚befragt’.

Äthiopische Grundschüler werden bereits früh über Hygiene aufgeklärt.
Engagiert und aufgeweckt - die Grundschüler geben ihr Wissen über Hygiene und Händewaschen in den School-Clubs weiter.
Die Schülerinnen und Schüler unterstützen ihre Mitschüler beim Theater.
Applaus gibt es nicht nur von den Schüler, die Erfolge sprechen für die unkonventionellen Methoden.

Große Wirkung in den Schulen

Darum geht es auch bei dem Theaterstück, das uns sechs Schülerinnen und Schüler zum Ende des Besuches stolz vorführen. Hund, Katze und Fliege stehen im Spiel fiktiv vor Gericht und müssen sich für die Verbreitung von Unrat und Bakterien verantworten. Wortreich – und ich glaube sogar gereimt – werden Argumente für und gegen Hygiene ausgetauscht. Am Ende gibt es gute Tipps für Hund, Katze, Fliege, wie sie sich in Zukunft gegen Bakterien schützen können.

Viele Eindrücke nehme ich mit von meiner Reise; aber gerade dieses kreative Theaterstück und das Engagement der Schüler zeigen mir, wie die Zukunft für Bahir Dar aussehen kann.

Laufen für Wasser - RUN 4 WASH

Die junge Generation in Äthiopien ist sehr engagiert, dies zeigte sich auch bei einem Spendenlauf während der Reise. Schüler einer Schule in der Hauptstadt Addis Abeba liefen gemeinsam mit unserer Reisegruppe für sauberes Wasser. Auch in Deutschland, Österreich und in der Schweiz findet 2014 zum ertsen Mal der RUN 4 WASH gemeinsam mit Viva con Agua statt. Erfahren Sie im Video mehr über den Lauf:

Äthiopien zählt zu den Ländern mit der schlechtesten Sanitärversorgung weltweit. In der 300.000-Einwohner Stadt Bahir Dar in der Amhara Region verfügen z.B. nur 15 Prozent der Bewohner in ärmeren Stadtrandgebieten über einen Zugang zu einer Toilette. Ein Großteil der Bevölkerung ist also gezwungen, ihre Notdurft im Freien zu verrichten.

Auch die Wasserversorgung ist katastrophal: In den meisten einfachen Häusern gibt es keine Wasseranschlüsse, die Bewohner sind gezwungen, Wasser von zweifelhafter Qualität und zu überteuerten Preisen bei Händlern zu kaufen.

Abwässer, Fäkalien und sonstige Abfälle werden in offene Kanäle und anschließend ungeklärt in den Nil beziehungsweise in den Tana-See geleitet. Das Wasser in Bahir Dar wird zusätzlich belastet durch Müll. Hausmüll und gewerbliche Abfälle werden auf einer riesigen Fläche am Stadtrand abgelagert. Da die Stadt nur über eine unzureichende Kanalisation und keine Kläranlage verfügt, werden hier auch Klärschlämme und die Inhalte von Fäkalgruben und Latrinen deponiert. Es ist davon auszugehen, dass über den Boden der Deponie Schadstoffe in das Grundwasser gelangen.

Latrinen in der Kirche

Zusammen mit ihrem lokalen Partner ORDA - Organisation for Rehabilitation and Development in Amhara  setzt sich die Welthungerhilfe dafür ein, die Hygienesituation in den ärmeren Stadtvierteln zu verbessern. In den kommenden Jahren sollen Wasserleitungen und Toiletten gebaut werden. 60.000 Menschen sollen so Zugang zu sanitären Einrichtungen erhalten.

Ein erster Schritt in diese Richtung ist bereits getan: Auf Anregungen der Welthungerhilfe wurden sowohl in einer Kirche und als auch in einer Moschee öffentliche Latrinen gebaut. Damit den Menschen bewusst wird, wie wichtig Händewaschen ist, wie gefährlich der Kontakt mit Abwasser ist und wie sie Durchfallerkrankungen vermeiden, veranstaltet die Welthungerhilfe regelmäßig Hygieneschulungen. Über 100.000 Menschen haben bereits an den Kursen teilgenommen.

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Blogbeitrag von Irene Sunnus, Mitarbeiterin der Welthungerhilfe.

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