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Interview: Nothilfe in Haiti einplanen

Katastrophen einplanen!

Drei Jahre nach dem Erdbeben: Nothilfe muss Teil des Lebens auf Haiti werden

Das Erbeben im Januar 2010 war nicht die letzte Naturkatastrophe, die Haiti heimsuchte: Immer wieder ist der Karibikstaat Schauplatz von Wirbelstürmen, Überschwemmungen und Erdbeben. Um den Opfern zu helfen, unterbrechen der haitianische Staat und internationale Hilfsorganisationen immer wieder längerfristige Entwicklungsprogramme. Damit Haiti nicht von einer Nothilfesituation in die nächste gerät, muss die Katastrophenhilfe in langfristige Vorhaben integriert werden, sagt Welthungerhilfe-Mitarbeiter Rafaël Schneider, der das Land im November besucht hat, im Interview. 

Nothilfe muss fester Bestandteil des Lebens in Haiti werden. © Schernikau
Nothilfe muss fester Bestandteil des Lebens in Haiti werden. © Schernikau

Es liegt noch immer Schutt auf den Straßen Haitis und einige Menschen leben noch in Zeltlagern. Ist das nicht hoffnungslos?

Rafaël Schneider: Verglichen mit der Zeit nach dem Erdbeben, in der ich auch in Haiti war, hat sich einiges zum Positiven verändert: Viele der Flüchtlingslager wurden aufgelöst. Die Menschen müssen jetzt nicht mehr in windigen Zelten leben, sondern konnten in vielen Fällen in kleine Häuser ziehen. Diese sind nun erdbebensicher und schützen vor Stürmen und Mücken.

Stichwort „Erdbeben- und Sturmsicher“ – diese Kriterien müssten eigentlich bei jeder neuen Baumaßnahme berücksichtigt werden…

Schneider: Es vergeht kaum ein Jahr, ohne dass ein Naturereignis zumindest Teile des Landes trifft. 2012 zum Beispiel waren es eine Dürre und die Stürme Isaac und Sandy, die große Teile der Ernte vernichteten. Haiti liegt im Zuggebiet der Wirbelstürme und ist erbebengefährdet. Das muss in allen Entwicklungskonzepten berücksichtigt werden!

Wie kann man Katastrophen einplanen?

Schneider: Viele Notlagen sind vorhersehbar, wie etwa Choleraepidemien. Sie sind in den letzten Jahren regelmäßig ausgebrochen. Für die Behandlung der Kranken und die Bereitstellung von Trinkwasser werden immer wieder Gelder aus Budgets für langfristige Entwicklung genommen. Das hilft nur kurzfristig: Es ist absehbar, dass Cholera wieder auftreten wird, wenn die Trink- und Abwassersysteme nicht verbessert werden. Auch bei den Besiedlungsplänen des Landes kann man ansetzen: In Flussnähe, wo immer wieder Hochwasser auftritt oder an erdrutschgefährdeten Hängen dürfte nicht gebaut werden. Für anfällige Gebiete müssen Katastrophenschutzprogramme entworfen werden, so dass etwa im Fall von Hochwasser schnell evakuiert werden kann. Die Nothilfe muss in allen langfristigen Maßnahmen mitgedacht werden. Das heißt, es müssen sowohl vom Staat als auch von den Entwicklungsorganisationen Mittel für Notlagen und Katastrophenvorsorge eingeplant werden. 

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der haitianische Staat nicht stark genug ist, diese Verantwortung alleine zu schultern.

Schneider: Besonders nach dem Erdbeben 2010 haben ausländische Geber die Entwicklung des Landes in die Hand genommen. Das konnte geschehen, weil die Regierung durch das Erdbeben weiter geschwächt wurde und nicht die finanziellen Mittel hatte, ausreichend Hilfe auf die Beine zu stellen. Inzwischen versucht die Regierung wieder stärker einzugreifen: Unter anderem hat das Landwirtschaftsministerium Planungen zur Ernährungssicherung auf die Beine gestellt. Der zuständige Staatssekretär klagt allerdings darüber, dass diese Dokumente wenig Beachtung finden. Da kommt es jetzt auch auf uns Entwicklungsorganisationen an: Wir müssen unsere Konzepte mit diesen Planungen in Einklang bringen.

In Jean Rabel im Norden des Landes hat sich gezeigt, wie langfristige Entwicklungshilfe funktionieren kann: Dürre und Stürme haben hier weniger Schäden angerichtet, als in anderen Gebieten.

Schneider: Die Welthungerhilfe ist in dieser Region seit über zehn Jahren aktiv und hält an einem langfristigen Entwicklungsplan fest. Die Trinkwasserversorgung wurde durch die Wirbelstürme nicht unterbrochen, weil windbeständige Regenfänge und Zisternen den Böen getrotzt haben. Auch die Ernten wurden durch den Wechsel von Starkregen, Sturm und Trockenphasen im letzten Jahr kaum beeinträchtigt. Mit Hangbepflanzungen, Erosionsschutzwällen und klugen Bewässerungssystemen wurde die Landwirtschaft an die natürlichen Wetterabläufe angepasst. Im Rest des Landes muss es genau so laufen wie hier: Haitis Zukunft darf nicht länger von Notsituationen bestimmt werden.

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