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Haiti: Mitarbeiter berichten aus Millenniumsdorf

Harte Arbeit trägt süsse Früchte

Wie sich die Bewohner von Poirier mit neuen Einkommensquellen und nachhaltiger Aufforstung gegen Krisen wappnen

Christian Stark, Mitarbeiter der Welthungerhilfe war zu Besuch im Millenniumsdorf Poirier auf Haiti. Hier berichtet er von seinen Erlebnissen und Eindrücken.

Anderthalb Stunden braucht unser Auto von Petit-Goâve an der Küste Südhaitis bis ins 1.000 Meter hoch gelegene Poirier. Steil und unwegsam ist die Straße in die abgelegene Bergregion - ich stelle mir vor, wie die Bewohner diesen beschwerlichen Weg regelmäßig zu Fuß zurücklegen. Im besten Fall begleitet von einem Lasttier – zumeist aber mit ihren schweren Waren auf dem Kopf.

Auf meiner Reise durch den Süden Haitis habe ich gesehen, was es bedeutet, wenn Familien allein von der Landwirtschaft abhängig sind. Wenn tropische Wirbelstürme über die Gegend fegen und fruchtbaren Boden abtragen. Wenn die Vorräte schon vor der nächsten Ernte aufgebraucht sind. Aber ich habe auch erfahren, was die Menschen mit Unterstützung der Welthungerhilfe und ihrer Partnerorganisation Concert Action in kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben, um diesen Problemen zu begegnen.

Vom eigenen Garten auf den Markt

Markttag in Poirier. Die Stände bestehen aus Säcken und Tüchern am Straßenrand.
Markttag in Poirier. Die Stände bestehen aus Säcken und Tüchern am Straßenrand.
Kochbananen und Papayas im Wechsel: Nach der Welthungerhilfe-Schulung sind die Erträge gestiegen.
Kochbananen und Papayas im Wechsel: Nach der Welthungerhilfe-Schulung sind die Erträge gestiegen.
Kompostierungsanlagen und Zisternen helfen, den überlasteten Nährboden wieder anzureichern.
Kompostierungsanlagen und Zisternen helfen, den überlasteten Nährboden wieder anzureichern.
Problem Waldrodung: Ein Aufforstungsprojekt der Welthungerhilfe hilft gegen Erosion.
Problem Waldrodung: Ein Aufforstungsprojekt der Welthungerhilfe hilft gegen Erosion.

Heute sind besonders viele Menschen unterwegs, denn es ist Markttag in Poirier. Die "Marktstände" bestehen aus Säcken und Tüchern am Straßenrand, auf denen die Bauern und Bäuerinnen ihre Ware anbieten. Ich lerne dort die Familie Moliére kennen; sie verkauft selbstangebaute Kochbananen und Papayas – die Ernte war reichlich dieses Mal.

Die Kombination macht´s: Anbaufläche mehrfach bewirtschaften

Die Familie Moliére pflanzt bestimmte Pflanzen gleichzeitig, andere im Wechsel an, so haben sie es in den Welthungerhilfe-Schulungen kennengelernt. Sie haben Nutz- und Obstbaumsetzlinge angebaut und gleichzeitig wird zwischen den Bäumen Tiere gehalten oder Gemüse angebaut, welches auch im Schatten der Bäume gedeiht. Die im Dorf neugebauten Kompostierungsanlagen und Zisternen helfen außerdem, den überlasteten Nährboden wieder anzureichern und mit ausreichend Wasser zu versorgen. Seither steigen die Ernteerträge in Poirier und auf dem Markt werden gute Preise erzielt.

Wald für die Zukunft Haitis

Waldrodung und damit einhergehende Erosion von fruchtbaren Böden stellt eines der großen Probleme Haitis da. 97 Prozent der Wälder sind bereits abgeholzt. Die Aufforstung in der Region soll helfen, die Schäden durch heftige Regenzeiten und Hurrikans in Grenzen zu halten. Durch nachhaltige Forstwirtschaft können die Bewohner zudem weiterhin Holz oder Holzkohle verkaufen, ohne die neu gepflanzten Wälder zu gefährden. Neben dem Verkauf der Ernte und von Holz ist eine weitere Einnahmequelle für die Menschen in Poirier bereits in Sicht: Eine Bäckerei und eine Fruchtmanufaktur befinden sich im Bau. Das bedeutet Job-Möglichkeiten für Männer wie für Frauen.

Fruchtverarbeitung: Eine Frauenkooperative stellt Marmeladen und Liköre her.
Fruchtverarbeitung: Eine Frauenkooperative stellt Marmeladen und Liköre her.
Eine Fruchtmanufaktur und eine Bäckerei befinden sich im Bau.
Eine Fruchtmanufaktur und eine Bäckerei befinden sich im Bau.
Die Frauen von Poirier sollen später selbst ihre Familien finanzieren können.
Die Frauen von Poirier sollen später selbst ihre Familien finanzieren können.
Zwei LKW transportieren die Ware von Poirier an die Küste.
Zwei LKW transportieren die Ware von Poirier an die Küste.

Fruchtverarbeitung in der Frauenkooperative

Schon seit längerem hat sich die Verarbeitung von Früchten in der abgelegenen Bergregion bewährt, erklärt mir Goustin Myrlande, eine der Frauen aus der Fruchtkooperative. Denn verarbeitete Früchte sind länger haltbar und eine gute Verdienstmöglichkeit zwischen den Ernten. Seit den Schulungen der Welthungerhilfe und Concert Action trifft sie sich gemeinsam mit anderen Frauen der Kooperative regelmäßig, um Marmeladen und Liköre herzustellen. Sie begleitet mich zum Rohbau des Weiterverarbeitungszentrum und berichtet stolz: Wenn in ein paar Wochen das neue Zentrum fertig ist, können noch mehr Frauen bei uns arbeiten und alles wird viel professioneller und besser zu lagern sein. Sie zeigt auf die einzelnen Räume: Wir haben dann für jeden Schritt – lagern, waschen und schälen, kochen, einfüllen – eigene Räume, die untereinander mit Durchreichen verbunden sind.

Nachfrage nach den Produkten ist groß!

Bei meiner Abreise aus dem Millenniumsdorf fahre ich an einem kleiner Holzhütte vorbei. Schon jetzt entsteht hier an der Nationalstraße nach Petit-Goâve ein Verkaufsraum und es werden Marmelade, Likör, Säfte und frisches Obst verkauft. Daneben sorgen zwei LKW dafür, dass die Ware von Poirier in die Läden an die Küste transportiert werden kann. Und im Auto denke ich, dass diese engagierten Frauen sicherlich schon bald in der Lage sind, sich selbst und ihre Familien zu finanzieren.

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