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Nepal - Wie Dorfbewohner zu Planern und Architekten werden

Gemeinsam Planen macht Schule

Nepalesen werden zu Planern und Architekten

Die Welthungerhilfe hat ihr Engagement in Korak beendet, die Bevölkerung ist nun in der Lage, sich selbständig zu helfen. Den Menschen in Nepal wird die Welthungerhilfe auch in Zukunft zur Seite stehen, besonders nach den schweren Erdbeben im April und Mai 2015.

In Kiritan Nepal und Umgebung wohnen mehr als 1.600 Menschen.
In Kiritan und Umgebung wohnen mehr als 1.600 Menschen. Die meisten gehören den ethnischen Minderheiten der Tamang und Chepang an. © Becker
So wird traditionell in Nepal gebaut: Mit Materialien aus der Umgebung.
So wird traditionell in Nepal gebaut: Mit Materialien aus der Umgebung.
Die Bewohner des Dorfes Korak in Nepal.
Als Außenstehender konnte Daniel Becker gut zwischen den verschiedenen Kasten und Gruppen vermitteln. © Becker
Alle wurden mit in die Planung einbezogen: Auch Frauen und Kinder.
Alle wurden mit in die Planung einbezogen: Auch Frauen und Kinder. Durch ihre Teilhabe werden die verschiedene Bedürfnisse deutlich. © Becker
Der Plan des Gemeindezentrum in Korak.
So könnte das Gemeindezentrum in Zukunft aussehen: Mehrere Gebäude für verschiedenen Zwecke. © Becker
Das Material für den Bau kann aus einem nahegelegenen Flussbett beschafft werden.
Das Material für den Bau kann aus einem nahegelegenen Flussbett beschafft werden. © Becker
Die Straße zur Baustelle ist bereits angelegt.
Auch das macht Partizipation aus: Die Gemeinde ist selbst für die Umsetzung verantwortlich. Und der erste Erfolg ist schon zu sehen. So ist die Straße zur Baustelle bereits angelegt. © Becker

Architekt Daniel R. Becker berichtet von seinen Erlebnissen in Nepal. Für drei Monate unterstützte er die Bewohner beim Planungsprozess für ein Gemeindezentrum.

Manchmal gibt es Momente, da weiß man sofort: Das ist für mich bestimmt. So erging es dem jungen Architekten und gelernten Zimmerer Daniel Rudolf Becker, als er eine weitergeleitete Email auf seinem Computer öffnete – die Welthungerhilfe suchte einen Architekten zur gemeinschaflichen Planung eines Gemeindeszentrums in Nepal. Trotzdem überlegte Daniel R. Becker zehn Minuten und schrieb dann, dass er wahrscheinlich genau der Richtige für das Projekt sei. Becker hat nicht nur seine Architektur-Abschlussarbeit zum Thema gemeinschaftliches Planen gemacht.

Gemeinsame Angelegenheit zusammen angehen

Gemeinschatliches bzw. partizipatorisches Planen ist eine sperrige Bezeichnung für etwas, das eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte: Die lokale Bevölkerung, speziell die künftigen Nutzer des Gemeinschafthause von Anfang an in die Planung eines Projekts einzubeziehen. Aber sowohl in Deutschland, als auch gerade in Entwicklungsländern findet man Objekte, an denen sich zwar die Bauunternehmer eine goldene Nase verdienen, die die Bürger aber später nicht annehmen. Im Dorf Korak im Chitwan District Nepals sollte es also nun anders gehen.

Zur Vorbereitung ging Becker zusammen mit einer nepalesischen Architektin zunächst daran, die traditionelle Architektur zu erforschen, und dann die Bevölkerung zu befragen. Dann kam der nächste Schritt: eine Vollversammlung mit hunderten von Menschen aus Korak. Dort gab es dann so manche Überraschung. Der Architekt aus dem fernen Deutschland wurde mit großer Zustimmung aufgenommen. Denn von ihm erwartete man: Ein modernes Gebäude, welches lange hält - deutsche Wertarbeit also. Und was waren die gewünschten Baumaterialien? Ziegelsteine und Beton! Denn das gilt im ländlichen Korak als modern, und verspricht – weil es teuer ist – einen gewissen Status.

Alle ins Boot holen: Ideen gemeinsam entwickeln

Nun heißt partizipatorisches Planen auch nicht, dass alles eins zu eins umgesetzt wird, was an Wünschen geäußert wird. Es ist ein Dialog, ein Miteinander, ein Erklären und Aufzeigen von möglichen Alternativen. Ein gemeinsames Bereitstellen von Ideen und Überlegungen, von Wissen und Potentialen. Ein gemeinsames Entwickeln einer Idee.

Das gleiche gilt für den Zweck der Gebäude. Neben einem Bürgerbüro und einem Trainingscenter soll auch eine Krankenstation entstehen. Hätte man nur die Männer befragt, wäre das nicht oben auf der Liste gewesen. Aber die nepalesische Architektin fand auch Zugang zu den Frauen im Dorf. Und Becker selbst erlebte, dass eine hochschwangere Frau mehr als zwei Stunden lang über eine holperige Landstraße zum nächstgrößeren Ort gebracht wurde, und die Frau auf dem Weg dorthin entband.

Chance zur Teilhabe motiviert!

In den folgenden Wochen zeichneten, planten und diskutieren Daniel R. Becker und seine Kollegin viel, sprachen mit dem fünfzehnköpfigen Baukomitee und stellten ihre Pläne abermals in einer Vollversammlung den Bewohnern vor. Skizzen und Computersimulationen halfen, die Pläne zu verdeutlichen. Gemeinschaftlich wurde sich darauf geeinigt, dass ein Bürgerbüro, ein Trainingscenter und eine Krankenstation mit Toiletten und einem Wasserspeicher entstehen soll.

Drei Monate war Daniel R. Becker in Nepal und die ersten Schritte zur Umsetzung sind gemacht: Eine Straße zur Baustelle ist gebaut, Gräben für die Steinfundamente gezogen und die ersten Steinvorräte eingelagert. Becker ist zuversichtlich, dass er die Gebäude im Oktober dieses Jahres vor Ort besichtigen kann. Und wenn es dann doch nicht ganz so geworden ist wie geplant – auch das ist Teil eines partizipatorischen Prozesses.

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