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Als Hilfsorganisation in Nordkorea

Als Hilfsorganisation in Nordkorea

Damit sie die Bevölkerung Nordkoreas unterstützen kann, nimmt die Welthungerhilfe Einschränkungen in Kauf

(Mai 2013) Die Kriegsrhetorik des Diktators Kim Jong Un hat nachgelassen, die Lage in Nordkorea hat sich etwas entspannt. In vergangen Monaten war die Situation weit brisanter: Nordkorea drohte immer wieder mit Atom- und Raketentests, Ausländer wurden aufgefordert, das Land zu verlassen. Nach einer genauen Prüfung der Sicherheitslage hat die Welthungerhilfe ihre Projekte dennoch weiterlaufen lassen. Ihr Ziel: Der Bevölkerung trotz Krise ein menschenwürdiges Leben ermöglichen.

Die Welthungerhilfe ist die einzige deutsche Hilfsorganisation, die ein Büro in Nordkorea unterhält. Seit einer großen Hungersnot im Jahr 1997 ist sie im Land tätig, vier internationale und 16 koreanische Mitarbeiter sind für sie im Einsatz. Damit die Mitarbeiter nicht gefährdet werden, wurden die Projektbesuche – hier wird zum Beispiel geprüft, wie weit die Kartoffeln auf den Feldern gediehen sind – in den vergangenen Wochen ausgesetzt. Erst seit Anfang Mai sind Besuche auf den Feldern wieder erlaubt.

Reisen müssen von der Regierung genehmigt werden

„Erlaubt“ bedeutet in Nordkorea allerdings nicht, dass man einfach ins Auto steigt und losfährt. Eine Projekt-Reise, die vom Büro der Welthungerhilfe in der Stadt Pjönjang weit ins Landesinnere führt, steht unter strenger Aufsicht und muss von der Regierung genehmigt werden. In der Regel gibt es eine Genehmigung nur alle zwei Wochen. Die Route auf der die Welthungerhilfe-Mitarbeiter zu den Projekten gelangen, wird vorher festgelegt. Sie führt kilometerweit über wenig befahrende Straßen – Benzin ist in Nordkorea sehr teuer und schwer erhältlich, deshalb besitzen die wenigsten ein Auto.

Lehrerin und Schüler
Weil viele Kinder in Nordkorea zu wenig zu essen haben, sind sie für ihr Alter zu klein und zu dünn. © Gutschker
Aussaat der neuen Ernte
Gerade jetzt ist für die Landwirtschaft eine wichtige Zeit: Die Aussaat der neuen Ernte läuft. © Belkin
Straße in Nordkorea
Benzin ist teuer - deshalb sind auf den Straßen Nordkoreas nur wenige Autos unterwegs.
Ein Ochsenkarren
Die Alternative zum motorisierten Untersatz: Ein Ochsenkarren.

Aus dem Auto aussteigen ist verboten

Während der Fahrt aussteigen oder sich mit Passanten unterhalten, ist untersagt. Damit diese Vorgabe eingehalten wird, stellt die Regierung der Welthungerhilfe einen Begleiter an die Seite, der jeden Schritt überwacht. Jeglicher persönlicher Kontakt zur koreanischen Bevölkerung, die einheimischen Kollegen eingeschlossen, ist strikt verboten. Für die vier internationalen Mitarbeiter der Welthungerhilfe bedeutet das, dass sie sehr isoliert leben: Selbst ein Bowlingabend mit Kollegen muss den Behörden gemeldet werden.

Die Welthungerhilfe nimmt diese Einschränkungen in Kauf – um Nordkorea dabei zu unterstützen, seinen Bürgern ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Aufgrund der mangelnden Leistungsfähigkeit des Staates und der Landwirtschaft, fehlt es in Nordkorea an Dünger und Saatgut, an modernen Anbaumethoden, Maschinen, Treibstoff und Strom.

Die Stadtbevölkerung leidet besonders

Die Zeit von April bis Juni ist für die Bevölkerung besonders schwierig. Die letzte Ernte ist dann aufgebraucht, die nächste folgt erst im Oktober. In den Monaten dazwischen herrscht zwar keine Hungersnot, aber die Menschen haben wenig zu essen. Viele können sich nie Fleisch leisten, Obst und Gemüse ist oft nicht vorhanden.

Die Menschen in den Städten trifft der Mangel besonders hart: Sie haben nicht einmal ein Stück Land, um selbst etwas anzubauen. Die Welthungerhilfe unterstützt sie mit städtischer Landwirtschaft: Familien erhalten Stangen und Folien, um daraus kleine Gewächshäuser zu bauen, meist im Hinterhof an das Wohnhaus gefügt. Hier kultivieren die Menschen ihre Tomatensträucher, Gurken, Salatköpfe oder Sojasprossen direkt am Haus. Auch Balkone oder flache Hausdächer dienen als Anbauflächen. So haben sie auch in diesen Krisenzeiten genug zu essen. Denn für die Menschen in Nordkorea geht der Alltag – trotz Kriegsrhetorik – weiter.

Aktuelle Kommentare

Hallo!
Ich finde Ihre Arbeit in Nordkorea beachtlich, zumal Sie die einzige deutsche Organisation sind, die dort meines Wissens tätig ist.
Der Artikel hier ist nun schon etwas älter... Sind Sie immernoch in dem Land aktiv?
Gruß Jonas
Hallo Jonas,
vielen Dank für Ihre positive Rückmeldung zu unserer Arbeit in Nordkorea. Ja, wir sind immer noch dort tätig. Mehr Infos finden Sie hier: http://www.welthungerhilfe.de/nordkorea-ernaehrung-sichern.html
Viele Grüße
Kerstin Bandsom
Welthungerhilfe

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