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Sahel-Krise: Keine Ernte in Mali

Die Krise in Sahel hält an

Schuld sind Klimawandel und politische Lage

Hatoumatou Coulibaly hat noch nie so viel Geld gesehen. 27.000 westafrikanische Franc. Sie betrachtet die Scheine, blättert sie durch. Die Zahlen darauf kennt sie nicht, aber man hat ihr gesagt, wie viel es wert ist. 27.000 westafrikanische Franc sind umgerechnet 40 Euro.

Hatoumatou Coulibaly lebt in Diangoute, einem Ort im äußersten Westen Malis, nahe der mauretanischen Grenze. Die Regenzeit, sagen die Leute hier, wird bald beginnen. Was das bedeutet, weiß hier niemand. Noch ist es heiß, staubig und trocken. Vor einem Jahr haben sie auch alle auf den großen Regen gehofft. Vergeblich. "Wir haben in diesem Jahr nichts geerntet", sagt Hatoumatou Coulibaly. Und sie ist bei weitem nicht die Einzige. Die Vereinten Nationen schätzen, dass fast fünf Millionen Menschen in Mali von der Nahrungsmittelkrise unmittelbar betroffen sind. Das entspricht rund einem Drittel der Einwohnerschaft des westafrikanischen Landes.

Hatoumatou Coulibaly bestätigt die Ausgabe mit ihrem Fingerabdruck © Grossmann

Rund 220 Menschen, fast ausschließlich Frauen warten auf dem Platz vor einem Verwaltungsgebäude in Diangoute. Sie bekommen an diesem Tag Geld. Die Verteilung ist ein Teil der Nothilfe, die die Welthungerhilfe dort im Westen der Sahelzone leistet. Das Geld sollen die Familien für die Ernährungssicherung ihrer Familien einsetzten. Darum bekommen es auch die Frauen ausgezahlt. Sie, das ist erwiesen, gehen deutlich verantwortungsvoller mit Geld um, als die Männer.

Am letzten Tisch quittiert Hatoumatou Coulibaly dann mit ihrem Fingerabdruck den Erhalt des Geldes. Sie will vor allem Reis davon kaufen. "Lebensmittel", sagt sie, sind in den vergangenen Monaten sehr teuer geworden. Das meiste kostet heute doppelt soviel wie im vergangenen Jahr." Das Geld soll den Familien dabei helfen, die kritische Phase zu überbrücken vor allem bei Kindern droht derzeit Mangel- und sogar Unterernährung. Schuld an der Krise ist zum einen der Klimawandel: Die Regenmenge wird weniger, die Regenzeiten immer kürzer. In diesem Winter ist die Ernte auf den Feldern regelrecht vertrocknet. Ein anderer Grund ist die derzeitige politische Situation im Land. Im März stützte die malische Armee den amtierenden Präsidenten, zeitgleich nahmen Tuareg-Rebellen im Verbund mit radikal-islamischen Gruppen den Norden Malis innerhalb von drei Tagen ein – immerhin zwei Drittel des gesamten Landes.

Durch den Sturz ist die öffentliche Ordnung zusammengebrochen, durch die gewaltsame Besetzung des Nordens muss sich das Land um rund 160.000 Flüchtlinge kümmern. Nach Einschätzung der Regierung fehlen rund 50.000 Tonnen Lebensmittel im Land. In der Region Diema, hat die Welthungerhilfe zunächst begonnen, Lebensmittel aufzukaufen und sie zu stark subventionierten Preisen an Bedürftige zu verkaufen. Mit dem Erlös daraus wurden weitere Nahrungsmittel gekauft. Im Juni wurde dann begonnen, Geld für Nahrungsmittel zu verteilen. Das reicht ungefähr 25 Tage. Danach wird es eine zweite Zahlung geben. Und dann, so hoffen alle in Diema, ist die schlimmste Krise überstanden. Erst einmal.

Von Gunnar Rechenburg, freier Journalist.

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