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Internationaler Frauentag: Leben als Frau im Südsudan

Wie viele Kühe kostet eine Frau?

Frauenfussball und Brautpreise - Martha Abuk Malek erzählt über ihr Leben als Frau im Südsudan

Martha Abuk Malek lebt und arbeitet im Südsudan. Im jüngsten Staat der Welt organisiert sie für die Welthungerhilfe Verteilungen von Nahrungsmitteln. Anlässlich des Internationalen Frauentages erzählt sie im Interview, was Frauen im Südsudan bewegt. Zum Beispiel: Frauenfußball, nichtvorhandene Binden und Kühe als Zahlungsmittel. Das Interview führte Sonja Eberle, Mitarbeiterin der Welthungerhilfe.

Sonja Eberle: Am 8. März ist Internationaler Frauentag...

Martha  Abuk Malek: Klar, das weiß ich! Auch wir in Nyamlel beteiligen uns mit einer Aktion: Wir veranstalten ein Frauenfußballturnier. Mein Team aus Nyamlel tritt gegen eine Frauengruppe aus dem Bezirk Aweil West an.

Frauenfußball im Südsudan - ist das etwas Normales?

Nein, im Gegenteil: Frauenfußball ist schon ein kleines bisschen revolutionär. Bei uns ist es eher üblich, dass Männer Fußball spielen. Als ich 2005 damit angefangen habe, gab es zum Beispiel nur Herrenmannschaften in unserem Dorf. Wenn die gespielt haben, stand ich am Spielfeldrand dabei, habe zugeschaut und mich gefragt: Warum dürfen eigentlich nur die Spaß haben? Ich habe die Männer dann ewig lange angebettelt - bis ich sie endlich soweit hatte und sie mir erlaubt haben, mitzuspielen. Mit der Zeit haben sich andere Mädchen angeschlossen. 2011 waren wir dann so viele, dass wir unsere eigene Frauenmannschaft gegründet haben.

In ihrer Freizeit gibt`s für Martha Abuk Malek nur eines: Fußball. Hier spielt sie - ausnahmsweise ohne Schuhe - mit Kollegin Sonja Eberle.
Sonja Eberle und Martha Abuk Malek nach dem Interview.
In ihrer Freizeit gibt`s für Martha Abuk Malek nur eines: Fußball. Hier spielt sie - ausnahmsweise ohne Schuhe - mit Kollegin Sonja Eberle.

Beste Voraussetzungen zum Fußballspielen habt ihr nicht…

Wir haben nicht genug Schuhe. Nur vier Frauen aus der Mannschaft – glücklicherweise auch ich – besitzen welche, die anderen müssen barfuß spielen. Auch eigene Trikots haben wir nicht. Für Turniere leihen wir uns die von den Jungs aus. Deshalb haben wir unsere Mannschaft auch genau so genannt wie die das Herrenteam „Nyamlel Bright Star” - so können wir ohne Probleme die gleichen Trikots benutzen. Immerhin hat uns mein Chef einen Ball geschenkt. Die Bedingungen für Fußballfrauen sind nicht die besten, trotzdem müssen wir dranbleiben – ich wünsche mir, dass wir so professionell werden, dass wir in ein paar Jahren eine eigene Frauennationalmannschaft auf die Beine stellen können.

Mal abgesehen vom Fußball, wie lebt es sich als Frau in eurem Land?

Ganz klar: Wir sind noch lange nicht gleichberechtigt. Zum Beispiel haben viele Frauen und Mädchen keinen Zugang zu Bildung. Ich war eine der wenigen aus meinem Dorf, die in die Schule durfte. Schulbildung ist hier immer noch Privileg der männlichen Gesellschaftsmitglieder. Für Jungs werden Schuluniformen gekauft und Schulgeld bezahlt. Die Mädchen bleiben daheim und waschen und kochen. Stell dir vor: Wenn einer eine Frau heiraten will, muss er sie bei ihrer Familie mit Kühen auslösen!!! Maximal elf Kühe kann ein armer Mann zahlen, die Reichen geben bis zu 50 Stück.

Weil du gut ausgebildet bist und dafür gekämpft hast, hast du jetzt einen Job bei der Welthungerhilfe.

Nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg waren in unserem Land hunderttausende Flüchtlinge unterwegs. Ich wollte ihnen unbedingt helfen. Deshalb bin ich zur Welthungerhilfe gegangen, als sie im April 2012 begonnen hat, hier zu arbeiten. Ich wollte sofort anfangen mit der Wiederaufbauarbeit. Ich habe mich als Freiwillige beworben und Essenspakete für Flüchtlinge zusammengestellt und verteilt. Drei Monate später habe ich dann meinen festen Vertrag als „Field Officer“ bekommen. Ein großartiger Tag!

Was willst du durch deine Arbeit bei der Welthungerhilfe erreichen?

Wir bauen gemeinsam mit den Dorfbewohnern Schulen – das bringt schon mal mehr Bildung in die Gegend. Wir müssen es jetzt nur noch schaffen, dort mehr Mädchen reinzubringen.

Es soll Mädchen geben, die bleiben aus „hygienischen Gründen“ der Schule fern?

Es werden Schauermärchen verbreitet, dass Frauen, die ihre Periode haben, schmutzig und unrein sind. Also schämen sich viele Mädchen und gehen nicht zur Schule, wenn sie ihre Regel haben. So verpassen sie viel Lernstoff und müssen anschließend hart kämpfen, um das wieder aufzuholen. Nur wegen solchen blöden Gerüchten! Sie bräuchten Binden. Solche Frauen-Hygiene-Produkte gibt es leider bei uns in ganz Nyamlel nicht. In Aweil kann man vereinzelt Binden kaufen - aber zu so hohen Preisen, dass es sich keiner leisten kann. Hier besteht noch sehr großer Aufklärungsbedarf.

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Ein superlebendiges Interview, vielen Dank! Martha macht ihr Ding und reißt andere mit - davon brauchts mehr!
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