Aktuell: UN-Klimagipfel 2012 in Doha

Klima-Marathon in Doha

Gipfel der Superlativen: Wolkenkratzer und Theater

Ich nehme den Shuttle-Bus zum Qatar National Convention Centre, wo die UN-Klimakonferenz stattfindet, vorbei an Wolkenkratzern, architektonisch gewagten Bauten und unzähligen Baustellen. Angekommen gehen die Superlative weiter. Neben einer Konferenzhalle mit 4.000 Sitzplätzen gibt es im Kongresszentrum ein Theater, 2 Plenarsäle, 53 Sitzungsräume, 9 Hallen und 40.000 Quadratmeter Austellungsfläche. Auf den weiten Fluren werden die nächsten Tage wortwörtlich zum Klimamarathon.

Sitzungssaal in Doha. Reni Kommnick ist für die Welthungerhilfe vor Ort.
Welthungerhilfe Mitarbeiter Michael Kühn (2.v.l.) während eines Vortrags beim Klimagipfel.

194 Staaten werden bei der UN-Klimakonferenz in Doha dabei sein. 13.000 Teilnehmer haben sich bereits akkreditiert. Weitere 5.000 werden nächste Woche noch erwartet, darunter die Minister mit ihren Delegationen. Nachdem ich feststellen muss, dass die für den Morgen geplante Verhandlungsrunde zur Klimafinanzierung abgesagt wurde, eile ich zur nächsten Verhandlung über Landwirtschaft. Doch hier werden die NGO-Vertreter höflich wieder aus dem Plenarsaal hinausbefördert, da die Klimadiplomaten lieber unter sich verhandeln wollen. Etwas ernüchtert gehe ich Mittag essen und finde mich zwischen Delegierten aus Monaco, Antigua und Liechtenstein wieder, die sich über das "Fossil des Tages" amüsieren. Das Climate Action Network kürt jeden Tag den größten Verhandlungsboykottierer. Heute geht die Auszeichnung gleich an zwei Staaten: Neuseeland und die USA, die sich nicht auf verbindliche Emissionsreduktionsziele festlegen wollen.   
   
Bei der Abschlusssitzung am Abend beglückwünschen sich die Vorsitzenden der verschiedenen Verhandlungsgruppen gewohnt diplomatisch zu den – wenig konkreten - Fortschritten. Spannend wird es, als die Staatsdelegierten das Wort ergreifen. Nauru als Sprecher des Bündnisses der kleinen Inselstaaten betont in einer emotionalen Rede, dass sie sich nicht mit leeren Worten zufrieden geben können, denn es geht um ihr Überleben. Keiner unterbricht den Delegierten des kleinen Pazifikstaates, der die dreiminütige Redezeit weit überschreitet. Hier wird allzu deutlich, warum es konkrete und verbindliche Klimaschutzziele geben muss. Zum Ende der Sitzung nutzen Algerien und Qatar die Gunst der Stunde und gratulieren Palästina zur Anerkennung als Beobachterstaat durch die Vereinten Nationen. Jetzt gibt es ihn doch noch, tosenden Beifall.

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