Klimawandel: Wenn der Hunger wieder zunimmt

Klimawandel und Hunger

Was bedeuten Klimaveränderungen für die Menschen, die heute schon hungern oder unterernährt sind?

Der Klimawandel schreitet unaufhaltsam voran, die Auswirkungen sind nicht zu übersehen. Steigt dadurch aber auch die Zahl der Hungernden auf der Welt? Und wie wirkt sich der Klimawandels auf die Ernährungslage und -sicherheit für die Menschen in Entwicklungsländern aus?

Die Folgen des Klimawandels sind bereits heute zu spüren, vor allem in Entwicklungsländern. Verändern sich Niederschlagsmengen und -zeiten, Temperatur und CO2-Konzentrationen in Luft, Boden und Wasser, wirkt sich dies direkt auf die landwirtschaftliche Produktivität und die Qualität der Erzeugnisse aus. Hinzu kommt, dass durch den Klimawandel Extremwettereignisse wie Stürme und Überschwemmungen in Anzahl und Stärke zunehmen werden. Sie haben fatale Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion. Ein Großteil der Weltbevölkerung fürchtet um ihre Existenzgrundlage, die Landwirtschaft. Von ihr sind 80 Prozent der Menschen in Entwicklungsländern abhängig.

Katastrophen: Führt Klimawandel zu Hunger? 

In zahlreichen Regionen nimmt das Risiko für Ernteausfälle durch Stürme, Hurrikans, Taifune, Überschwemmungen oder Dürreperioden infolge des Klimawandels zu. In Küstenregionen versalzen der steigende Meeresspiegel oder Sturmfluten Äcker und Süßwasserquellen.

+++ Auswirkungen des Klimawandels auf Ernährungssicherung. Fallbeispiele aus Kenia, Pakistan und Peru. Zum Download +++

Dürre in Äthiopien
"Ich hatte 60 Ziegen, 14 Kamele, 30 Kühe vor dieser abscheulichen Dürre, genug um alle in meinem Haushalt zu ernähren. Nun sind nur noch 10 Ziegen übrig." - Zahara Ali Mohammed ©Brockmann
Bereits heute schon hungert jeder 9. Mensch weltweit. Durch die Erderwärmung drohen enorme Ernteverluste in vielen Regionen.
Bereits heute hungert jeder 9. Mensch weltweit. Durch die Erderwärmung drohen enorme Ernteverluste in vielen Regionen.
Wie sollen/können Kleinbauer mit den Folgen des Klimawandels leben? Anpassung ist Schlüssel.
Wie sollen oder können Kleinbauer mit den Folgen des Klimawandels leben? Anpassung ist der Schlüssel.

Zusätzlich zerstören Katastrophen – ob klimabedingte oder nicht – wichtige Infrastruktur: Ohne Bewässerungsanlagen, Straßen und Märkte können Lebensmittel nicht mehr angebaut, transportiert und gehandelt werden. 

Die Folgen: Ernteausfälle und steigende Nahrungsmittelpreise drohen

Nach der Katastrophen droht daher oft direkt das nächste Problem – der Hunger. Zerstören Dürren oder Überschwemmungen Ernten, kommt es zu Ernteausfällen. Sind Nahrungsmittel knapp, steigt ihr Preis. Je größer der Ernteausfall in einer Region, desto mehr Nahrungsmittel müssen von weit her transportiert oder gar aus anderen Ländern importiert werden. Auch das erhöht den Preis. Diese Nahrungsmittel sind dann meist zu teuer, die Menschen können sie sich nicht leisten. Sie hungern. 

Das Klima ändert sich: Die Ernährungslage der Menschen in Entwicklungsländern wird noch schwieriger

Schon heute leidet etwa jeder neunte Mensch unter Hunger. Von diesen 795 Millionen leben 98% in Entwicklungsländern. Zusätzlich leiden rund zwei Milliarden Menschen unter Mikronährstoffmangel, dem verborgenen Hunger. Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ernährungssicherung werden besonders in den Ländern zu spüren sein, die bereits heute in einer kritischen Situation sind.

Klimawandel erschwert schleichend die landwirtschaftliche Produktion:

  • Hitzewellen, Dürren und ansteigende Temperaturen trocknen Böden und Felder aus. Bodenerosion und Wüstenbildung sind die Folge; Wasservorräte schwinden. Der Anbau von Nahrungsmitteln ist so nur schwer möglich und Lebensmittel werden knapp.

  • In anderen Regionen verändert sich der Niederschlag: Kommt beim Regenfeldbau - zum Beispiel in den Anden Perus - der Regen nur wenige Wochen zu spät oder nicht regelmäßig, fällt die Ernte schlechter aus.

  • Wachstumsbedingungen von Pflanzen ändern sich: Viele Pflanzen werden aufgrund der Temperaturerhöhung und/oder der Wasserverknappung nicht mehr an ihren bisherigen Standorten wachsen können. Schädlinge erobern sich durch die Temperaturveränderungen neue Gebiete. Auch bei der Viehzucht werden in Zukunft vor allem die Tierarten eingesetzt werden müssen, die besser mit der Hitze fertig werden.

  • Die Anbauflächen für Nahrung schrumpfen: Der erwartete Anstieg des Meeresspiegels droht eine ganze Reihe der fruchtbarsten Ländereien weltweit in Küstenebenen zu überfluten oder zu versalzen. Zugleich werden Dürreregionen auf allen Kontinenten weiter wachsen.

Durch den Klimawandel sinkt die Verfügbarkeit der landwirtschaftlichen Fläche, ihre Erträge gehen zurück. Verschärft wird die Situation dadurch, dass die betroffenen Menschen oft weder über ausreichend Wissen noch über Kapital verfügen – beides würde ihnen helfen, sich an Klimaveränderungen anzupassen.

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Infomaterial

KLIMAWANDEL BEDROHT ERNÄHRUNGSSICHERHEIT

DER KLIMAWANDEL TRIFFT KENIA HART

DER KLIMAWANDEL TRIFFT KENIA HART

In Kenia ist schon jetzt die Ernährung von 44 Millionen Menschen unsicher. Mehr als zwei Millionen Kenianer sind permanent auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Der Klimawandel trifft Kenia hart: Prognosen zufolge werden im Land die Temperaturen bis 2050 um weitere 1,5 Grad Celsius im Durchschnitt ansteigen. In 85 Jahren könnten die Temperaturen sogar weiter auf ein Plus von 3,4 Grad Celsius steigen, wenn wir jetzt nicht handeln und den Ausstoß von Emissionen weltweit vermindern.

Folgen von Klimawandel in Kenia
KENIA: NAHRUNGSMITTELPRODUKTION GEHT ZURÜCK

KENIA: NAHRUNGSMITTELPRODUKTION GEHT ZURÜCK

In Kenia werden als Folge des Klimawandels Hitzewellen und Starkregen stärker und häufiger auftreten. Der Hitze- und Wasserstress für kultivierte Pflanzen wird zunehmen. Die Ernten werden in Menge und Qualität geringer ausfallen. Auch nehmen Schädlinge und Pilzbefall infolge des Temperaturanstiegs zu; sie schädigen die Ernte und befallen die Vorratslager. In Zukunft werden mehr Nahrungsimporte nötig sein. Besonders Kleinbauer-Familien in Kenia trifft das hart: Sinkende Ernteerträge führen zu weniger Einkommen und so zu weniger Kaufkraft.

Extremes Wetter in Kenia
ERDERWÄRMUNG HAT FATALE FOLGEN FÜR PAKISTAN

ERDERWÄRMUNG HAT FATALE FOLGEN FÜR PAKISTAN

In Pakistan herrscht schon jetzt eine ernste Ernährungssituation. Die Bevölkerung ist sehr verwundbar gegenüber Klimaänderungen und Naturkatastrophen. Überflutungen treten bereits heute häufig auf. Sie verschmutzen das Grundwasser und zerstören wichtige Infrastruktur.

Überflutungen in Pakistan
PAKISTAN: WEIZEN- UND REISERTRÄGE WERDEN ZURÜCKGEHEN

PAKISTAN: WEIZEN- UND REISERTRÄGE WERDEN ZURÜCKGEHEN

Prognosen für Pakistan gehen davon aus, dass die Durchschnittstemperatur bis 2050 um 1,4 bis 2,8 Grad Celsius steigen wird. Die Bauern müssten dann enorme Verluste beim Weizen- und Reisanbau hinnehmen. Konkret rechnet man mit Einbrüchen von 10 bis 30 Prozent. In 86 Jahre könnte der Temperaturanstieg sogar bei 6 Grad Celsius liegen. Dann wäre es unmöglich, Landwirtschaft in Pakistan zu betreiben. Beim Klimawandel gibt es keinen Ausschaltknopf, wir müssen jetzt handeln!

Ernteverluste in Pakistan
PERU IM JAHR 2050: 5 MILLIONEN PERUANER MEHR WERDEN UNTER ARMUT UND HUNGER LEIDEN

PERU IM JAHR 2050: 5 MILLIONEN PERUANER MEHR WERDEN UNTER ARMUT UND HUNGER LEIDEN

In Peru droht nicht nur El Niño. Infolge des Klimawandels wird das Land häufiger und intensiver von Starkregen und Stürmen heimgesucht. Sie zerstören die Infrastruktur und gefährden den Anbau von Exportgütern wie Kakao und Kaffee, wichtigste Einnahmequelle vieler Kleinbauer-Familien. Experten sagen voraus, wenn die Klimaschutzbemühungen nicht zunehmen und die Emissionen nicht weltweit stark gemindert werden, dann werden im Jahr 2050 fünf Millionen mehr Peruaner unter Armut und Hunger leiden.

Klimawandel und Hunger in Peru
PERU ZÄHLT ZU DEN 10 LÄNDERN DER WELT, DIE AM STÄRKSTEN VOM KLIMAWANDEL BEDROHT SIND

PERU ZÄHLT ZU DEN 10 LÄNDERN DER WELT, DIE AM STÄRKSTEN VOM KLIMAWANDEL BEDROHT SIND

In Peru leiden zurzeit 38 Prozent der Bevölkerung an verborgenen Hunger. Peru zählt zu den zehn Ländern der Welt, die am stärksten vom Klimawandel bedroht sind. Das Hauptproblem ist das Abschmelzen der Andengletscher und der Temperaturanstieg. Prognosen gehen von 1,3 bis 2,5 Grad Celsius aus. Dadurch verschieben sich die Vegetations- und Anbauzonen, auch das Wasser wird in vielen Regionen knapp.

Peru: bedroht vom Klimawandel

Die Qualität von landwirtschaftlichen Erzeugnissen ändert sich

Die Folgen des Klimawandels wirken sich auch auf die Qualität von Nahrungsmitteln aus: Auf ausgelaugten oder ausgetrockneten Böden kann weniger angebaut werden. Das Angebot an vitaminreichem Obst und Gemüse sinkt. Die Produkte weisen einen geringeren Nährstoffgehalt auf. Eine ausgewogene Ernährung ist so kaum möglich. Darüber hinaus wird weniger Trinkwasser verfügbar sein, das zudem eine schlechtere Qualität aufweist. Das erschwert die hygienische Verarbeitung und Zubereitung der Nahrungsmittel.

Klimawandel als Armutsfalle: Rückschritte bei der Bekämpfung von Hunger

Laut Wissenschaftlern können durch die Auswirkungen des Klimawandels im Jahr 2050 zwischen 2 bis 5 Milliarden Menschen nicht angemessen ernährt werden – ein Vielfaches von heute (Quelle: Weltbank Studie). Wir dürfen es nicht dazu kommen lassen, dass der Klimawandel die Erfolge bei der Armuts- und Hungerbekämpfung vernichtet.

Um die Natur vor einem Kollaps zu bewahren und die Zahl der unter Hunger und Armut leidenden Menschen zu reduzieren, besteht dringender Handlungsbedarf. Auf der einen Seite muss der Klimawandel gestoppt werden. Hierzu ist die Reduktion von Treibhausgasen notwendig. Auch Produktions- und Konsummuster müssen sich ändern, vor allem im Norden. 

Um Hunger und Armut zu bekämpfen muss vor allem im Süden der nachhaltige Ausbau von Lebensmitteln vorangetrieben werden, der auch lokale und regionale Gegebenheiten berücksichtigt. Zudem müssen wir die Konkurrenz zwischen Nahrungsmittelproduktion und Nutzung von Biomasse für andere Zwecke als Nahrung reduzieren. Die Verringerung von Nachernteverlusten, gerechtere internationale Handelsregime und Transparenz von Nahrungsmittelpreisen auf dem Weltmarkt sind weitere Herausforderungen, vor denen wir stehen.

Das Klimaabkommen von Paris kann sicher nicht allen Aspekten gerecht werden, es muss allerdings die Richtung vorgeben, damit Armut und Hunger in Zukunft der Vergangenheit angehören.

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