Leben mit dem Klimawandel

Leben mit dem Klimawandel

Wie können sich Menschen in Entwicklungsländern mit der Veränderung des Klimas arrangieren? Der Schlüssel: Anpassung

Der Klimawandel ist Realität, wir spüren ihn jedes Jahr stärker. 2015 wird als das heißeste Jahr seit Beginn der Klimaaufzeichnungen in die Geschichtsbücher eingehen. Die Auswirkungen auf die globale Ernährungssituation sind gravierend. Gerade für die armen Länder und die ärmsten Bevölkerungsgruppen steigt die Gefahr von Hunger weiter. 

Auch in Deutschland merken wir den Klimawandel deutlich. Die Elbflut 2013 und die Jahrhundertflut 2002 sind den meisten Menschen noch gut im Gedächtnis. In den letzten Jahren sind vereinzelt Tornados gesichtet worden. Alles Zeichen für ein Klima im Wandel. Im Gegensatz zu den Menschen in Entwicklungsländern kommen wir allerdings selbst im Katastrophenfall meist recht glimpflich davon: Die Menschen in Industrienationen

  • haben Ressourcen und Geld für den Wiederaufbau,
  • können sich gegen Schäden versichern
  • sind seltener Opfer von Katastrophen, da Schutz und Vorsorge gut organisiert sind.

Im besten Fall profitieren wir in Deutschland sogar vom Klimawandel weil voraussichtlich die Temperatur steigen wird. Gerade in der Landwirtschaft werden Verbesserungen erwartet: Die Qualität der Weinreben steigt, Obst- und Gemüsesorten, die bei uns bisher nur in den warmen Rheinebene wachsen, gedeihen dann auch in nördlicheren Gebieten und bei einzelnen Sorten wird der Ertrag steigen.

Der Klimawandel trifft die Menschen in Entwicklungsländern mit voller Härte, gerade in der Landwirtschaft, da sie viel unmittelbarer zur Ernährungssicherung der Bevölkerung beiträgt als in Industrieländern.  © Grossmann
Der Klimawandel trifft die Menschen in Entwicklungsländern mit voller Härte, gerade in der Landwirtschaft, da sie viel unmittelbarer zur Ernährungssicherung der Bevölkerung beiträgt als in Industrieländern. © Grossmann

Klimawandel trifft die Menschen in Entwicklungsländern mit voller Härte

Ganz anders sieht die Situation in Entwicklungsländern aus. Der Klimawandel trifft sie mit voller Härte, gerade in der Landwirtschaft, die viel unmittelbarer zur Ernährungssicherung der Bevölkerung beiträgt als in Industrieländern. 

Die gute Nachricht ist: Experten sind sich einig, wie man die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ernährungssituation abmildern kann. Der Schlüssel heißt Anpassung an die geänderten klimatischen Zustände. 

Anpassung an Klimawandel ist Querschnittsaufgabe

Als isoliertes Projekt wird eine solche Anpassung scheitern. Anpassung an den Klimawandel ist ein Querschnittsthema. Sämtliche Entwicklungsprojekte, aber auch die Landwirtschaft in den Industrieländern müssen auf den Prüfstand, ob sie nachhaltige positive Wirkungen auf die globale Ernährungssituation haben. 

Die Welthungerhilfe macht diese Nachhaltigkeit schon seit Jahren zum Kern ihrer Arbeit. Wir achten darauf, dass unsere Projekte auch unter geänderten klimatischen Vorzeichen die Ernährung sicherstellen und gleichzeitig nicht weiter den Klimawandel befeuern. 

Anpassung an Klimawandel geht nur nachhaltig

Programme und Projekte der Welthungerhilfe basieren auf einem umfassenden Verständnis der Potenziale der Menschen und ihrem Wissen. Wir lernen aus lokalen Erfahrungen und Praktiken sowie den Stärken existierender Systeme und ergänzen dieses Wissen um neueste wissenschaftliche Erkenntnisse. Im Zentrum unserer Arbeit steht, die Menschen vor Ort zu befähigen, eigenständig zu wirken und ihre eigenen Anpassungsstrategien zu entwickeln.

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Klimawandel: Risiken erkennen

Wir analysieren Risiken frühzeitig, nur so können wir eine langfristige Verbesserung der Lebensverhältnisse in Entwicklungsländern erreichen. Mit der sogenannten Klima-Anpassungsprüfung definieren wir bei der Planung von Programmen gemeinsam mit den Menschen vor Ort Strategien zur Anpassung an den Klimawandel. Daran orientieren wir unser Handeln.

Brennpunkt: Anpassung an den Klimawandel

Infomaterial

Studie: Auswirkungen des Klimawandels auf Ernährungssicherung.
Fallbeispiele aus Kenia, Pakistan und Peru.

Download Zusammenfassung Studie

Download Studie, komplett

Klimawandel als Armutsfalle

Wie sollen Klimaschutz und Anpassung finanziert werden?
Mehr im Blog: Klimafinanzierung

Leben mit dem Klimawandel: So unterstützen wir die Menschen

Haiti: Den Boden schützen

Haiti: Den Boden schützen

Bäume anzupflanzen, damit fruchtbarer Boden nicht bei Überschwemmungen oder Starkregen abgetragen wird. Die Bauern Haitis leiden unter den Folgen des Klimawandels: Die glühende Sonne vertrocknet die Ernte, regelmäßiger Starkregen schwemmt ganze Erdwälle davon – fruchtbarer Boden wird weggespült und Nahrungsmittel gehen verloren. Die Welthungerhilfe stärkt die Landwirte, indem sie gemeinsam mit ihnen die steilen Hang-Plantagen befestigt. Ein solcher Erosionsschutz gibt dem Boden Halt. Um das empfindliche Saatgut zu schützen, wurden bereits 18 große Lagerhallen gebaut.

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Pakistan: Wiederaufbau und Vorsorge

Pakistan: Wiederaufbau und Vorsorge

Pakistan zählt zu den Regionen auf der Erde, in denen Überschwemmungen durch schmelzende Gletscher immer größeren Schaden anrichten. Hiervon sind besonders die engen Bergtäler im Norden des Landes betroffen: Unzählige Erdrutsche zerstören hier Häuser, Schulen, Straßen, Felder und Bewässerungsanlagen. Die Welthungerhilfe beteiligt sich mit ihrem Projekt am Wiederaufbau der durch Naturkatastrophen geschädigten Struktur. Auch werden die Menschen geschult: Wie lassen sich Fluten frühzeitig erkennen und verheerende Schäden vermeiden?

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Sauberes Trinkwasser für die Menschen in Indien

Sauberes Trinkwasser für die Menschen in Indien

Schmelzende Gletscher, Wirbelstürme, Fluten: In Indien sind etwa 10 Millionen Menschen unmittelbar von den Folgen des Klimawandels betroffen, 1,2 Millionen mussten im Herbst dieses Jahres ihre Häuser zurücklassen und fliehen. Ein großes Problem: Hygiene und sauberes Wasser, denn durch die Fluten sind Fäkalien aus den provisorischen Toiletten ins Trinkwasser gelangt. Die Welthungerhilfe ist auch hier aktiv – mit Gesundheitscamps, Hygieneschulungen, der Verteilung von Hygiene-Kits und Spezialnahrung für kleine Kinder.

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Katastrophenvorsorge ist die halbe Miete

Katastrophenvorsorge ist die halbe Miete

Ein zentraler Punkt nachhaltiger Arbeit ist die Katastrophenvorsorge. Nur so verhindern wir, dass er nächste Hurrikane oder Taifun bzw. die nächste Überflutung die Erfolge wieder zunichte macht: Wir vernetzen die lokalen Gemeinden untereinander und mit nationalen Institutionen vor Ort, um sich im Ernstfall gegenseitig zu helfen. Wir bauen lokale Frühwarnsysteme mit Niederschlagsmesser, Pegelmesser und Funkstationen. So können wir frühzeitig mit dem akuten Hochwasserschutz beginnen. Beim Wiederaufbau von Schulen, Lagerhäusern und Brücken achten wir auf sichere Bauplätze und Sturmfestigkeit.

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Erneuerbare Energie einsetzen

Erneuerbare Energie einsetzen

Sei es in Indien, Sierra Leone, Kamboscha - erneuerbare Energie - wie hier Solarzellen kommen auch in unseren Projekten zum Einsatz. Wir achten darauf, dass unsere Projekte auch unter geänderten klimatischen Vorzeichen die Ernährung sicherstellen und gleichzeitig nicht weiter den Klimawandel befeuern. Erfahren Sie mehr über Nachhaltigkeit und die neuen Ziele für nachhaltige Entwicklung.

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Sturmsicherer Bauen

Sturmsicherer Bauen

Dezember 2014: Ein Jahr nachdem der verheerende Taifun Haiyan Verwüstung und Chaos über die Philippinen gebracht hatte, schlug Wirbelsturm Hagupit mit rund 170 Stundenkilometern zu. Den sturmsicheren Häusern, die die Welthungerhilfe gemeinsam mit der Bevölkerung neu gebaut hatte, konnte Hagupit nichts anhaben. Auch das verbesserte Frühwarnsystem funktionierte: Die Bevölkerung wurde über alle möglichen Kanäle vorgewarnt – Radio, Telefon und Mundpropaganda. Hunderttausende flüchteten vorsorglich in die Notunterkünfte – ohne Chaos oder Panik.

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Wie unterstützt die Welthungerhilfe die Menschen in unseren Projekten, mit dem Klimawandel zu leben?

  • Wir unterstützen die Kleinbauern in den ärmeren Ländern des Südens darin, Obst und Gemüse anzubauen, das weniger empfindlich auf Hitze reagiert. Ebenso fördern wir den Anbau von robusten Pflanzen, die bei Dürre nicht eingehen.

  • Mit wechselnder Fruchtfolge auf den Feldern wird versucht, ein Auslaugen der Böden zu verhindern. 

  • Um Ernteerträge zu steigern, erhalten Kleinbauern Trainings in Pflanztechniken, Kompostierung, Schädlingsbekämpfung und Bewässerung. 

  • Gemeinsam mit der Bevölkerung bauen wir sichere Lagerhäuser, Saatgutbanken und dezentrale Nahrungsmittellager auf.

  • Mit einer effizienteren Nutzung von Biomasse (Holz, Holzkohle, Dung) senken wir die Abholzung der Wälder und so CO₂-Emissionen

  • Wir befähigen die Menschen, vorhandene Wassereinzugsgebiete zu schützen und entwickeln mit ihnen neue Methoden zur Wasserspeicherung. 

  • Gemeinsam mit unseren Partnern machen wir Oberflächenwasser verfügbar und legen Wasservorräte für trockene Monate an, um dem Sinken des Grundwasserspiegels entgegenzuwirken. 

Die Länder des Südens leiden als erstes unter dem Klimawandel, den die Länder des Nordens hauptsächlich verursacht haben.

Anpassungsmaßnahmen im Süden entlasten uns Industrienationen jedoch nicht von der Verantwortung, die Emission von Treibhausgasen zu reduzieren. Schon heute sind klimabedingte Schäden eingetreten, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Klimaschäden müssen in Zukunft besser und zuverläßlich finanziert werden. Auch darüber disktuieren die Regierungen auf der aktuellen Klimakonferenz in Paris.

Unsere Forderungen zur Klimakonferenz in Paris

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