Erdbeben in Haiti
"Schon vor dem Beben war das Leben hier schwierig."
Anthoni Eyma ist Direktor von Concert Action, einer der Partnerorgansationen der Welthungerhilfe in Haiti.

Anthony Eyma ist der Direktor von Concert
Action, einer Partnerorganisation der
Welthungerhilfe in Haiti. © DillmannWelthungerhilfe: Sie arbeiten schon seit 15 Jahren in der Region von Les Palmes. Was sind ihre Schwerpunkte?
Anthoni Eyma: Wir geben den Bauern Hilfe zur Selbsthilfe und unterstützen sie dabei, effektiver den Boden zu bestellen und auf eigenen Beinen zu stehen. Concert Action hat ein Gemeindezentrum als Treffpunkt für die Bevölkerung. Wir kümmern uns um die Ernährungssicherung, die Versorgung mit Trinkwasser und um die Gesundheit der Menschen in der Region. Gleichzeitig halten wir gemeinsam mit den Bauernorganisationen die Zufahrtswege in Ordnung, wir machen Katastrophenprävention in dem wir Straßen und Hänge gegen das Abrutschen nach schweren Regenfällen sichern. Außerdem kümmern wir uns um die organisatorische Stärkung der einzelnen Bauerngruppierungen.
Welthungerhilfe: Wie stark war die Region um Les Palmes durch das Erdbeben betroffen?
Anthoni Eyma: Nicht so schwer wie im Epizentrum. Aber das Leben der Menschen hier war schon vor dem Beben schwierig. Die Zerstörungen an den Häusern haben die Lebensbedingungen der Menschen nur noch komplizierter gemacht. Fast 80 Prozent der Bausubstanz wurde beschädigt. Aus diesem Grund helfen wir den Bauern bei dem Wiederaufbau, bringen mithilfe der Welthungerhilfe Lebensmittel in die Region und verteilen Saatgut, denn die Pflanzperiode beginnt im März. Ohne die Saatgut-Ausgabe würde sich die Situation noch verschärfen. Wenn die Ernte in rund drei Monaten ausbliebe, wäre die nächste Katastrophe vorprogrammiert.
Welthungerhilfe: Was machen Sie im Rahmen der Nothilfe in dieser Region?
Anthoni Eyma: Neben der Saatgut-Verteilung haben wir Plastikplanen und Zelte verteilt, denn bis zur Regenzeit werden nicht alle Häuser wiederaufgebaut sein. Gleichzeitig bemühen wir uns um die Verbesserung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung. Wir müssen von der Erstversorgung und Hilfe zu einer effektiven Ernährungssicherung und infolge dessen auch perspektivisch zum nachhaltigen Umweltschutz kommen.
Welthungerhilfe: Welche Bedeutung hat im Zuge Ihrer Arbeit das cash-for-work-Programm, dem Geld-für Arbeit-Programm?
Anthoni Eyma: Die Menschen brauchen das Geld, um ihren Lebensunterhalt in der ländlichen Region besser bestreiten zu können. Wir setzten dieses Programm beispielsweise für die Instandsetzung der Verbindungswege ein. Mit der Bezahlung für gemeinschaftliches Arbeiten haben wir in der Vergangenheit sehr gute Erfahrung gemacht. Denn: Geld ist knapp hier. Vor allem in Zeiten, wenn es keine oder keine gute Ernte gibt.
(Das Interview führte Hans-Ulrich Dillmann, freier Journalist in der Dominikanischen Republik.)
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