"Die Klimafrage darf trotz Krise nicht ignoriert werden - sonst drohen weitere Katastrophen."

Achim Steiner, Chef des UN-Umweltprogramms (UNEP). © UNEP
Achim Steiner, Chef des
UN-Umweltprogramms (UNEP). © UNEP
Die Wirtschaftskrise ist auch eine Chance, sagt der Chef des UN-Umweltprogramms (UNEP), Achim Steiner (48). Wenn die staatlichen Milliardenhilfen zukunftsfähig investiert werden, könnten weitere Krisen verhindert werden. Allen voran eine globale Nahrungsmittelkrise.

Marc Engelhardt, Freier Journalist in Kenia, sprach mit Achim Steiner am UNEP-Standort in Nairobi.



Welternährung: Die Welt befindet sich in der schlimmsten Wirtschaftskrise einer Generation. Was ist aus Ihrer Sicht der richtige Weg, um dort wieder herauszukommen?

Steiner: Wenn wir diese Krise nicht in einen Vorteil umwandeln können, dann haben wir für die nächste Generation ein enormes Potenzial verloren. Wir sind dabei, drei Billionen Dollar für die Stabilisierung einer Wirtschaftskrise zu verwenden. Dieses Geld muss auch in Strukturveränderungen fließen, in die Energie- und Transportpolitik. Sonst werden wir nicht mit der Klimafrage fertig und müssen mit neuen Krisen rechnen, nämlich mit Energie-, Wasser- und Nahrungsmittelkrisen.

 

Welternährung: Sie fordern einen "Global Green New Deal". Wie sieht der aus?

Steiner: Wir haben mit Ökonomen, mit Thinktanks und anderen UN-Organisationen ein Fünf-Punkte-Programm erarbeitet. Dieses soll schnell Arbeitsplätze schaffen und so die Konjunktur stabilisieren. Dazu gehören Investitionen in Produkte, Technologien und Märkte von morgen. Auch wird die Klimafrage angegangen. Dabei geht es um Energieeffizienz, wie es die KfW Bankengruppe mit ihren Förderprogrammen in Deutschland vorgemacht hat, und um erneuerbare Energien.

Die Reform des Transportsektors gehört mit dazu, der für fast ein Fünftel aller CO2-Emissionen verantwortlich ist. Darum benötigen wir neue Mobilitätskonzepte und mehr öffentlichen Nahverkehr. Schließlich auch das, was wir die ökologische Infrastruktur nennen: Wälder, Böden und Seen, die wir zum Überleben brauchen. Und nicht zuletzt nachhaltige Landwirtschaft, die es uns ermöglicht, perspektivisch neun Milliarden Menschen zu ernähren.



Welternährung: Wie soll das gehen?

Steiner: Wir brauchen eine neue grüne Revolution, eine mit einem großen 'G'. Es wird zukünftig nicht reichen, die Produktionsmethoden des vergangenen Jahrhunderts mit immer mehr Dünger- und Pestizideinsatz weiterzubetreiben. Damit zerstören wir immer mehr die natürlichen Grundlagen der Landwirtschaft. Wir müssen die Wege ändern, in denen Nahrungsmittel produziert werden, aber auch, wie sie verwendet und verteilt werden.

Heute wird ein Drittel der Getreideernte weltweit als Viehfutter verwendet, anstatt mit neuen Technologien Heureste, Nussschalen oder Ähnlichem in zuckerreiches Tierfutter umzuwandeln. Viel zu viel werfen wir einfach weg: 30 Millionen Tonnen Fisch werden jährlich auf See über Bord geworfen. Das ist die Hälfte der Menge, die wir bräuchten, um die steigende Nachfrage nach Fisch bis 2050 nachhaltig zu befriedigen.


Welternährung: Reicht die Förderung von Kleinbauern aus, um künftige Nahrungsmittelkrisen auszuschließen?

Steiner: Kleinbauern können auch am Weltmarkt teilnehmen. In Kenia beispielsweise produzieren heute schon kleine und mittlere Bauern für den Export. Die Frage ist: Unter welchen Bedingungen tun sie es? Eine Studie, die wir unter 114 Kleinbauern in Afrika durchgeführt haben, hat gezeigt, dass sich Ernten dort verdoppelt haben, wo ökologische Landwirtschaft praktiziert wurde. Man muss also nicht unbedingt große internationale Investoren nach Afrika bringen. Aber manchmal kann das von Nutzen sein, wenn sie bereit sind, die Verantwortung für langfristige, nachhaltige Landwirtschaft zu übernehmen.

 

Das komplette Interview können Sie in der nächsten Ausgabe unserer kostenlosen Zeitung Welternährung lesen.

 

Achim Steiner

Der deutsche Politiker und ehemalige Generaldirektor der Weltnaturschutzunion (IUCN), Achim Steiner, übernahm im Jahr 2006 die Nachfolge von Klaus Töpfer als Direktor des UN-Umweltprogramms (UNEP).

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der Welternährung II/2009.

© Copyright 2011 Deutsche Welthungerhilfe e.V. – ImpressumKontaktDatenschutz