Hilfe für Flüchtlinge im Irak

Überleben sichern im Irak

Nahrung, Wasser, Unterkünfte und Hoffnung für Vertriebene und Flüchtlinge im Irak

Die Flüchtlinge im Nordirak, meist Frauen und Kinder, stehen vor dem Nichts.
Die Flüchtlinge im Nordirak, meist Frauen und Kinder, stehen vor dem Nichts. © ACTED
Lebensmittellieferungen der Welthungerhilfe erreichen den Nordirak.
Lebensmittellieferungen der Welthungerhilfe erreichen den Nordirak. © ACTED
Absperrband und neue Matratzen: Die Flüchtingscamps wachsen von Tag zu Tag.
Absperrband und neue Matratzen: Die Flüchtingscamps wachsen von Tag zu Tag. © ACTED
Die Versorgung mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln ist im Grenzgebiet schwer.
Die Versorgung mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln ist im Grenzgebiet schwer. © ACTED

+++ Aktuelles +++

(19.05.2017) Die Großoffensive der irakischen Armee auf Mossul läuft weiter. Jeden Tag verlassen mehrere Tausend Menschen West-Mossul, während irakische Sicherheitskräfte die Altstadt zurückerobern. Nach Angaben des UNHCR sind seit Beginn der Offensive im Oktober 2016 mehr als 620.000 Menschen aus dem sogenannten Mossul-Korridor gefohen (Ninewa, Salah al-Din und Hawiga). Die Welthungerhilfe ist vor Ort und unterstützt Geflüchtete, u.a. mit der Verteilung von Planen zum Zeltbau, Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Sanitärgütern.

Auf der Flucht vor Krieg und Gewalt

Der Irak ist wieder ein Land im Krieg. Seit der "Islamischer Staat" (IS) im August 2014 seinen Vormarsch im Nordwesten des Landes begann, wurden 3,2 Millionen Menschen vertrieben, darunter vor allem Jesiden und Christen. Viele sind bei Gastfamilien untergekommen, andere leben in Camps oder in Kellern und Hinterhöfen. Die Belastung der Bevölkerung ist hoch.

Den Menschen auf der Flucht fehlt es an Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Sanitäranlagen, medizinischer Grundversorgung, Kleidung und Decken. Sie brauchen Bildung und Arbeit. Kehren die Flüchtlinge später zurück, muss die zerstörte Infrastruktur, Energieversorgung, Schulen und Straßen wieder aufgebaut werden. Bereits jetzt sind viele Hilfsmaßnahmen unterfinanziert. Die Aufgaben sind gewaltig.

Helfen im IRAK: Das tun wir

Notunterkünfte für Flüchtlinge im Irak

Mit Finanzierung des Europäischen Amts für Humanitäre Hilfe (ECHO) leisten die Welthungerhilfe und ihre zwei Alliance2015-Partner ACTED und Konsortiumsleiter People in Need humanitäre Nothilfe an 19.600 vom Konflikt betroffene und Zuflucht suchende Männer, Frauen und Kinder. Die Zusammenarbeit der drei Organisationen erhöht die Effizienz und die Reichweite der humanitären Unterstützung.

Viele Flüchtlingsunterkünfte im Irak befinden sich im Norden, nahe des Dorfes Mahad und keine 30 Kilometer von der Front zum "Islamischen Staat“. So auch das Flüchtlingscamp Mam Rashan. Seit Beginn der Angriffe auf Jesiden durch den IS ist hier eine kleine Containerstadt entstanden. Täglich kommen neue Flüchtlinge an. Allein im August 2016 stellten wir 296 neue Wohncontainer bereit. Mehr als 200 Familien, die bis dato in unfertigen Gebäuden gelebt haben, haben so eine sicherere Unterkunft gefunden. 

In einem umfangreichen Winterhilfeprojekt wurden außerdem in den Provinzen Dohuk und Erbil 10.800 bedürftige vertriebene Familien (64.800 Menschen) unterstützt. Sie erhielten Brennstoff, medizinische Versorgung, Obdach oder finanzielle Unterstützung, um sich für den vergangenen Winter zu rüsten.

Nahrung und Wasser für Flüchtlinge im Irak

In mehreren Flüchtlingscamps, etwa im völlig überfüllten Bajid Kandala, unterstützt die Welthungerhilfe Flüchtlinge und Vertriebene mit Nahrungsmittelpaketen, Trinkwasser und Dingen des täglichen Bedarfs. Ein Essenspaket mit Reis, Linsen, Zucker, Bohnen, Tee, Salz, Nudeln und Tomatenpaste, kann eine fünfköpfige Familie 30 Tage lang ernähren. Doch der Bedarf steigt täglich mit der Zahl der Schutzsuchenden.

Gerade dort, wo viele Menschen Schutz suchen, reichen die bestehenden Frisch- und Abwasserleitungen nicht aus. Manche Leitungen wurden durch die Kämpfe zerstört oder waren bereits vorher marode. In den Provinzen Dohuk, Erbil, Sulimaniya und den zugänglichen Gebieten in Ninewa bauen wir Trinkwasser- und sanitäre Anlagen wieder auf.

Die Arbeit der Welthungerhilfe im Irak (Stand: Anfang Oktober 2016)
Die Arbeit der Welthungerhilfe im Irak (Stand: Anfang Oktober 2016)

Bildung und Hoffnung für junge Flüchtlinge

In Dohuk, Sulaymaniyah und Erbil ermöglichte die Welthungerhilfe über fünf Monate gemeinsam mit unseren Partnern ACTED, PIN, Tearfund und den Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners Sommerfreizeitaktivitäten für 7.360 Schüler in insgesamt 100 Schulen. Dank einer Bargeldkomponente konnte das Gehalt von 200 Schulleitern, 800 Lehrern und 4.000 freiwilligen Helfern gesichert werden. Die teilnehmenden Schulen konnten außerdem bei kleineren Renovierungsarbeiten unterstützt werden.

Das Projektziel war, Kinder und Jugendliche während der Sommerferien sinnvoll mit Bildungs- und Freizeitaktivitäten zu beschäftigen. Flüchtlingsfamilien oder wirtschaftlich schlechter gestellte Eltern haben es während der Sommermonate besonders schwer, Geld zu verdienen und sich gleichzeitig um ihre Kinder zu kümmern. Kinder und Jugendliche bleiben daher oft ohne angemessene Betreuung und sind gefährdet, Opfer von Kinderarbeit, verfrühter Ehe oder anderen Formen von Missbrauch und Gewalt zu werden. Eine professionelle Tagesbetreuung und ein strukturierter Alltag können dies vermeiden.

Während den Sommermonaten unterstützen wir 100 Schulen im Nordirak bei der Gestaltung von Bildungs- und Freizeitaktivitäten.

Perspektiven schaffen für Rückkehrer

Wenn Flüchtlinge sich dazu entscheiden, in ihren Heimatort zurückzukehren, stehen sie oftmals vor dem Nichts. In der Ninewa-Provinz unterstützt die Welthungerhilfe gemeinsam mit der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit Rückkehrer und die verbliebene Bevölkerung mit "Cash for Work"-Maßnahmen. Die Teilnehmer des Projektes werden in den Wiederaufbau der Infrastruktur miteinbezogen, während sie gleichzeitig ein Einkommen von umgerechnet rund 236 Euro pro Arbeitseinsatz erhalten.

Verschiedene Bevölkerungsgruppen werden aktiv in die Planung der Aktivitäten miteinbezogen und können so ihre individuellen Bedürfnisse einbringen. Das durch Spannungen gekennzeichnete Zusammenleben verschiedener lokaler Bevölkerungsgruppen soll dadurch verbessert werden.

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Gemeinsam mit der Generaldirektion für Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz der EU-Kommission (ECHO) werden die Maßnahmen im Irak koordiniert. Vor Ort arbeitet die Welthungerhilfe mit der nationalen Partnerorganisation von ACTED, dem türkischen AFAD und der Verwaltung der Dohuk und Erbil Provinz. Die Nothilfe wird vom Auswärtigen Amt (AA) finanziert. 

Beim Wiederaufbau und der Instandsetzung von Infrastruktur arbeitet die Welthungerhilfe eng mit dem Danish Refugee Council (DRC) zusammen. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist ein weiteres Projekt zur Wiederherstellung der zerstörten Infrastruktur rund um das Sindjar-Gebirge geplant.