Jede Spende hilft!
Euro mehr weniger
IBAN: DE15 3705 0198 0000 0011 15
BIC: COLSDE33
X
Jahresbericht 2016

Unser Ziel: Zero Hunger

Ein Vorwort zum Jahresbericht 2016 von Bärbel Dieckmann und Dr. Till Wahnbaeck

Bis 2030 soll der Hunger in den Ländern, in denen die Welthungerhilfe arbeitet, besiegt sein. Wie dies geschehen soll, erläutern Welthungerhilfe Präsidentin Bärbel Dieckmann und Generalsekretär Dr. Till Wahnbaeck im Interview.

Der Hunger ist abgeschafft – das wäre eine tolle Nachricht. Ist das realistisch?

Dieckmann: Eine Welt ohne Hunger ist kein Traum und keine Vision. Es ist ein Menschenrecht, das wir umsetzen können. Viele Entwicklungsländer konnten in den letzten Jahren beträchtliche Erfolge erzielen: seit 2000 ist der Hungerwert um 29 Prozent gesunken. Einige Länder wie etwa Ruanda, Ghana oder Senegal, wo es ein starkes Wirtschaftswachstum und Fortschritte im Gesundheitswesen gibt, konnten ihre Werte sogar um 50 Prozent in den letzten 10 Jahren senken.

Die Dürre und drohende Hungersnöte in Afrika derzeit sind doch aber ein Rückschritt?

Dieckmann: In der Tat ist die Ernährungslage in Ländern wie dem Südsudan, Somalia oder Äthiopien und Kenia dramatisch. Ohne humanitäre Hilfe könnten viele Familien nicht überleben. Doch Hungersnöte mit mehr als einer Million Toten gehören der Vergangenheit an. Die Frühwarnsysteme und besseren Abstimmungen greifen und retten Menschenleben. 

Wahnbaeck: Auch die betroffenen Länder haben dazugelernt. In Äthiopien hat die Regierung ein soziales Sicherheitsnetz eingeführt, mit dem die Ärmsten bei Krisen sofort unterstützt werden. Aber viele Gegenden befinden sich in einem permanenten Ausnahmezustand, eine Notlage löst die nächste ab. Die Menschen haben keine Zeit zum Erholen und keine Ressourcen, auf die sie zurückgreifen können. 

Till Wahnbaeck und Bärbel Dieckmann bei einem Projektbesuch im türkischen Mardin, nahe der syrischen Grenze.
Till Wahnbaeck und Bärbel Dieckmann bei einem Projektbesuch im türkischen Mardin, nahe der syrischen Grenze. © Grossmann


Trägt nicht der Klimawandel auch zum Hunger in der Welt bei?

Dieckmann: Der Klimawandel, der durch die Industriestaaten verursacht ist, hat auch große Auswirkungen auf die Ernährungslage. Zukünftig müssen wir noch mehr in Vorsorge und Resilienz investieren, damit die Menschen gewappnet sind und mit ausbleibenden Regenfällen oder schweren Überschwemmungen umgehen können. Dazu gehören auch Instrumente wie Klimaversicherungen. Und wir müssen schließlich den Klimawandel selbst stoppen. 

Was sind denn die größten Hindernisse im Kampf gegen den Hunger?

Wahnbaeck: Kriege und bewaffnete Konflikte sind die schlimmsten Hungertreiber. Der Südsudan etwa ist fruchtbar, hat enorme Bodenschätze und könnte seine Bevölkerung gut ernähren. Durch den Bürgerkrieg wurden Millionen Menschen vertrieben und leben als Flüchtlinge in Lagern oder Nachbarländern. Wir brauchen aber auch veränderte politische Rahmenbedingungen. Dazu gehören etwa Landrechte für 2,5 Milliarden Kleinbauern und Angehörige indigener Völker, denn nur ein Zehntel aller Bauern verfügt über einen formellen Besitztitel. Gleichzeitig müssen wir lokale und regionale Wirtschaftskreisläufe stärken, damit Rohstoffe vor Ort verarbeitet werden können und Arbeitsplätze entstehen.

Braucht es nicht auch neue Konzepte oder Initiativen?

Dieckmann: Mit der Agenda 2030 haben wir einen Zukunftsvertrag, mit dem sich die Staatengemeinschaft auf ehrgeizige Ziele wie der Beseitigung von Hunger und Armut geeinigt hat. Jetzt kommt es vor allem darauf an, dass die Länder ihre Hausaufgaben machen und ihre gemachten Verpflichtungen einhalten. 

Wahnbaeck: Das Thema Innovation spielt in unseren Projekten eine wichtige Rolle. Wir wollen gemeinsam mit unseren lokalen Partnern noch besser werden. Dabei geht es nicht um die perfekte Idee, sondern um einen Ansatz, der am besten für das akute Problem geeignet ist. In Sierra Leone etwa haben wir nach dem Ausbruch der Ebola-Epidemie unsere bisherigen Fortbildungsmaßnahmen für Kleinbauern auf eine digitale Plattform stellen müssen, weil Treffen von größeren Menschengruppen verboten waren. Das damals entwickelte Trainingsmodul haben wir mittlerweile auf andere Länder erfolgreich übertragen.

Auf dem Weg zur Wasserstelle im südsudanesischen Dorf Warchnei.
Auf dem Weg zur Wasserstelle im südsudanesischen Dorf Warchnei. Die Ernährungssituation im Land ist angespannt. © Justfilms
Familie Latif ist aus Syrien in die Türkei geflohen. Die Welthungerhilfe unterstützt syrische Flüchtlinge beim Neuanfang, doch ohne eine politische Lösung wird es keinen dauerhaften Frieden geben.
Familie Latif ist aus Syrien in die Türkei geflohen. Die Welthungerhilfe unterstützt Flüchtlinge beim Neuanfang, doch ohne eine politische Lösung wird es keinen dauerhaften Frieden geben. © Noori
Die Bewohner der Region Huancavelica in Peru mussten wegen häufiger Überschwemmungen bereits mehrfach umgesiedelt werden.
Die Bewohner der Region Huancavelica in Peru mussten wegen häufiger Überschwemmungen bereits mehrfach umgesiedelt werden. © Desmarowitz

Es gibt aber Konflikte wie etwa der Krieg in Syrien, in denen Hilfsorganisationen oft hilflos wirken. 

Dieckmann: Dort machen wir unsere Arbeit, so gut wir können, aber ohne eine tragfähige politische Lösung wird es keinen dauerhaften Frieden geben. Es ist ein Skandal, dass wir oft noch nicht einmal die bedürftigen Menschen erreichen können, weil es für die Helfer zu gefährlich ist oder ganze Dörfer als Geisel einer Partei genommen werden. Humanitäre Hilfe kann niemals politische Lösungen ersetzen.

Welche Regionen machen Mut? Wo gab es substantielle Fortschritte?

Wahnbaeck: Die Länder Lateinamerikas, in denen es eine starke Zivilgesellschaft gibt, tauchen in diesem Jahresbericht nicht mehr auf – ein Zeichen dafür, dass der akute Hunger besiegt ist. Nur in Haiti engagieren wir uns weiterhin mit Projekten zur Verbesserung der Ernährung und bei Bedarf mit Nothilfe wie nach Hurrikan Matthew im Oktober letzten Jahres. In allen anderen Ländern haben wir dort eine andere Rolle übernommen und unterstützen die Zivilgesellschaft beim Einfordern von fundamentalen Grundrechten gegenüber ihren jeweiligen Regierungen. 

Strategisch steht die Bekämpfung des Hungers in allen Projektländern bis 2030 im Mittelpunkt. Macht eine solche Fokussierung Sinn?

Wahnbaeck: Solange es Hunger gibt, gibt es keinen Wohlstand, keine Gleichheit, keine Würde. Deshalb ist es richtig, dass wir uns auf die Bekämpfung des Hungers fokussieren. Und Hungerbekämpfung hat ja nie nur etwas mit Nahrung zu tun. Wir müssen uns mit politischer Teilhabe, mit Berufsbildung, Gleichberechtigung, Hygiene und vielem mehr beschäftigen. 

Müssen nicht mehr Anstrengungen auch von den Ländern des Südens gemacht werden?

Dieckmann: Die Regierungen vor Ort tragen ein hohes Maß an Verantwortung. Jahrelang wurden Investitionen in die Landwirtschaft vernachlässigt und in vielen Ländern werden fruchtbare Böden für Agrarexporte benutzt, anstatt die Ernährung im Land sicherzustellen. Auch müssen die Landrechte der Kleinbauern geschützt werden. Wir unterstützen unsere lokalen Partner darin, die Regierungen an ihre Pflichten zu erinnern und zum Handeln zu bringen. In Indien hat die Regierung einen gemeindebasierten Trainingsansatz von uns, bei dem landwirtschaftliche Produktion mit einkommensschaffenden Maßnahmen und Ressourcenschutz verbunden wird, in einige ihrer laufenden Programme übernommen. Das ist ein Erfolg.

Mehr über die Arbeit der Welthungerhilfe

Zahlen und Fakten

Jahresbericht: Das Wichtigste auf einen Blick

Wie und wo helfen wir, wie viele Spenden gehen ein? Alle Zahlen finden Sie zusammengefasst in unseren Jahresberichten.

Transparenz

So kommt Ihre Spende an!

Wir wollen das Geld der Spender, Partner und öffentlichen Geldgeber gut anlegen - und lassen uns in die Bücher schauen.

Projekte

Spannende Berichte von unserer Arbeit vor Ort

Weltweit arbeitet die Welthungerhilfe nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Hier erhalten Sie Einblicke in unsere Projekte in Asien, Lateinamerika und Afrika.

Kontakt
Informationsstelle

Informationsstelle

Telefon:
+49 228-2288 127

Weitere Infos

Pressemitteilung
Weitere Informationen und Pressematerialien

Über uns 
Materialpaket: Alles, was man wissen muss.

FAQ
Die häufigsten Fragen an die Welthungerhilfe