Kanat Toch in Kambodscha: Neue Perspektiven und mehr Rechte

Srey Vorn aus Kanat Toch in ihrem neuen Gemüse- und Kräutergarten. © Grossmann
Srey Vorn aus Kanat Toch in ihrem neuen Gemüse- und Kräutergarten. © Grossmann

Seit dem Jahrtausendwechsel wächst die Wirtschaft in Kambodscha – doch noch immer lebt ein Drittel der Einwohner unterhalb der Armutsgrenze, die meisten von ihnen im ländlichen Raum. Steigende Preise für Grundnahrungsmittel machen es immer mehr Menschen zunehmend schwerer, sich ausreichend zu ernähren. Dabei sind etwa 80 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt, vor allem im Reisanbau und der Fischerei. Doch es gibt kaum Infrastruktur, die Produktion ist sehr anfällig gegenüber extremen Wetterphänomenen und es mangelt an Investitionen für bessere Anbaumethoden. Auch die Bewohner von Kanat Toch, in der Provinz Ratanakiri im Nordosten Kambodschas, brauchen Unterstützung, deshalb hat die Welthungerhilfe sie schon im Jahr 2006 für ihre Initiative Millenniumsdörfern ausgewählt.

 

Kleinbauern sind in ihrer Existenz bedroht

Ratanakiri ist eine der größten und zugleich am dünsten besiedelten Provinzen des Landes, dort liegt ein Teil des Virachey-Nationalparks, einer der artenreichsten Waldgebiete Kambodschas. In der Provinz leben verschiedene ethnische Minderheiten, die sich seit jeher von den Erträgen ihrer kleinen Äcker und dem natürlichen Angebot des Waldes selbst versorgen. Doch der Raubbau an Wald und Ackerland – bedingt durch kommerzielle Interessen und die steigende Nachfrage einer wachsenden Bevölkerung - schränkt die Menschen immer mehr in ihrer Lebensweise ein.

 

Eine der neuen Wasserpumpen. © Grossmann
Eine der neuen Wasserpumpen. © Grossmann

Die kambodschanische Regierung vergibt zunehmend Landkonzessionen an Investoren, die Gummibaum- oder Cashew-Plantagen errichten. Die ansäßige Bevölkerung wird einfach übergangen, für sie bleibt zu wenig Land zum Anbau von Nahrung. Die Ernährungssituation ist dramatisch: Durchschnittlich 70 Prozent der Kinder in der Provinz Ratanakiri sind chronisch oder akut unterernährt, über die Hälfte von ihnen untergewichtig und für ihr Alter zu klein – dies ist der höchste Wert landesweit.

 

Gemeinsam viel erreichen

Seit 2005 unterstützt die Welthungerhilfe in zahlreichen Dörfern der Provinz die Menschen bei der Verbesserung ihrer Lebensbedingungen; das Millenniumsdorf Kanat Toch ist eines davon. Eine der wesentlichen Aktivitäten, die zusammen mit der lokalen Partnerorganisation CEDAC durchgeführt werden, ist die Beratung der Kleinbauern bei der bodenschonenden Nutzung ihrer knappen Ackerflächen. Sie lernen in Schulungen, wie sie Reis ertragreicher anbauen, Obst- und Gemüsegärten anlegen, Saatgut produzieren oder Fische züchten können. Weil eine gemeinsame Lagerung und Weiterverarbeitung der Ernte Kosten spart und die gemeinschaftliche Vermarktung bessere Preise erzielt, unterstützt die Welthungerhilfe die Bauern dabei, sich zu Agrarkooperativen zusammenzuschließen.

 

Eine bessere Ernährung der Menschen wird auch durch mehr Wissen um den Nährwert und die gesunde Zubereitung der Lebensmittel erreicht. Ernährungsberatungen finden bei Frauengruppen großen Zuspruch, die so informiert auf die Wahl des Anbaus in Küchengärten und Feldern Einfluss nehmen. Dies stärkt ihre gesellschaftliche Position und führt dauerhaft zu positiven Veränderungen von Ernährungsgewohnheiten.

 

Hygieneschulungen, um Krankheiten zu vermindern. © Grossmann
Hygieneschulungen, um Krankheiten zu vermindern. © Grossmann

Wissen mehren

Darüber hinaus wird Erreichtes gefestigt: So halten Wasserkomitees die von der Welthungerhilfe gebauten Brunnen instand und frischen ihre Kenntnisse in Fortbildungen auf. Auch die Wassernutzer besuchen fortlaufende Hygieneschulungen. Sauberes Wasser und der richtige Umgang damit sind unabdingbar für ein gesundes Leben.

Wegen der akuten Landraub-Problematik wird die Aufklärung der Bevölkerung über Landrechte immer wichtiger. Gemeinsam mit der lokalen Organisation „Highlander Association“ steht die Welthungerhilfe den Kleinbauern beratend zur Seite, um Landbesitzverhältnisse zu klären und Konflikte friedlich zu lösen.

 

Um neue Kleinvorhaben in Landwirtschaft oder Handel zu verwirklichen, gründen die Bewohner Kanat Tochs einen Dorfentwicklungsfonds. Jede teilnehmende Familie zahlt einen festgelegten Beitrag in den Fonds ein. Aus dem gemeinsam verwalteten „Topf“ erhalten Mitglieder einen günstigen Kredit und zahlen diesen mit Zinsen zurück. Vor allem die bisher benachteiligten Frauen können damit erstmals eigenständige Unternehmungen starten. Die Einwohner des Millenniumsdorfes haben noch viel vor, um ihre Zukunft lebenswerter zu gestalten - die Welthungerhilfe unterstützt sie dabei.

Letzte Änderung an dieser Seite: 28.02.2012
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Fakten:

Durchführung: Partnerorganisation Cambodian Center for Development in Agriculture (CEDAC) gemeinsam mit der Welthungerhilfe

Kooperationspartner: Viva con Agua de St. Pauli e.V.

Kofinanzierungspartner: Europäische Kommission und Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

Fortschritte

Das haben wir bisher im Millenniumsdorf Kanat Toch geleistet

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