Kambodscha: Landraub in Projektgebieten der Welthungerhilfe
Eine von der Welthungerhilfe in Auftrag gegebene Studie zeigt, wie großflächige Agrarinvestitionen Entwicklung behindern und Hunger und Armut in ländlichen Regionen verschärfen.

- Immer weniger Flächen stehen den Dorfbewohnern Kambodschas für ihre Zwecke zur Verfügung. © LICADHO
Der globale Wettbewerb um Land hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen: Nach aktuellen Zahlen von Oxfam sind seit 2001 mehr als 227 Millionen Hektar Boden in Entwicklungsländern gehandelt worden – das entspricht in etwa der Fläche Westeuropas.
Kritiker nennen diese Praxis der massiven Landnahmen „Land Grabbing“ und weisen so darauf hin, dass der Landverkauf häufig mit Menschenrechtsverletzungen einhergeht. Auch die Menschen in Projektgebieten der Welthungerhilfe sind davon betroffen - so z.B. in der Provinz Ratanakiri, im nördlichen Kambodscha, wo die Welthungerhilfe seit 2004 arbeitet. Hier haben vor allem Investoren aus Vietnam großflächige Agrarkonzessionen erworben, um in der Region Kautschuk anzubauen. Dörfer, in denen die Welthungerhilfe die Menschen dabei unterstützt, ihre Ernährungssituation zu verbessern, liegen auf einmal in Konzessionsgebieten.

- Die Investoren räumen das Land. © LICADHO
Doch anders als von der Regierung behauptet, ist das verpachtete Land zum Zeitpunkt der Landvergabe nicht „ungenutzt“. Im Gegenteil: Es ist für die ansässige Bevölkerung Lebensgrundlage und Voraussetzung für den Erhalt ihres traditionellen Lebensstils: In den nun verpachteten Waldgebieten sammeln sie zwischen den Ernten zusätzliche Nahrung zwischen den Ernten. Zudem praktizieren die Menschen Wanderackerbau, also sie verlagern regelmäßig ihre Felder und lassen das Vieh während der Trockenperiode frei laufen.
Die Studie zeigt, dass die großflächigen Agrarinvestitionen extrem intransparent geplant und abgewickelt werden: Die ansässige Bevölkerung ist an den Entscheidungen über Land, das bisher von ihnen genutzt wird, nicht beteiligt, sie hat aber die gravierenden Konsequenzen zu tragen: Viele der betroffenen Männer und Frauen befürchten, dass sie in Zukunft nicht mehr genug Nahrung haben werden. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt hat eine tiefgreifende Verunsicherung über zukünftige Entwicklungen dazu geführt, dass traditionelle Lebensweisen aufgegeben werden. Viele verkaufen ihr Land, da sie befürchten, es es ohnehin zu verlieren. Dabei arbeiten die Investoren auch mit schmutzigen Tricks. So wurden z.B. in einem Dorf Bauern unter dem Vorwand, dafür Medizin und Secondhand-Kleidung zu erhalten, dazu genötigt, ihre Daumenabdrücke zu hinterlassen. Tatsächlich gaben die betroffenen Männer und Frauen damit ihr Einverständnis zur Verpachtung des Landes an den Investor.
Doch nicht nur die Investoren verfolgen ihre Interessen auf Kosten der lokalen Bevölkerung, auch die Regierung wird ihrer Verantwortung zur Wahrung des Rechts auf Nahrung der ländlichen Bevölkerung nicht gerecht.
Die gesamte Studie (in englischer Sprache) finden Sie hier: Studie
Weitere Informationen:
Diskussionsveranstaltung am 20.11.2011:
Was Ihr Bankkonto mit Agrarinvestitionen in Kambodscha zu tun hat.
Einladung
