Landraub in Kambodscha

Kambodscha: Rechte bedeuten Sicherheit

Kambodscha besaß einst unermessliche Tropenwälder, fruchtbare Böden und ausreichend Wasser für Mensch und Tier. Gerade der Virachey Nationalpark in der Provinz Ratanakiri im Nordosten des Landes war für seinen Artenreichtum bekannt. Die Menschen vor Ort, meist teil von ethnischen Minderheiten, hatten dort ihr Auskommen. Weit abgelegen von industrieller Zivilisation bauten sie Nassreis als Grundnahrungsmittel an. Vitaminhaltige Früchte, Insekten, Pilze und Nüsse sammelten sie im Wald. Wild und Fisch ergänzten ihren Speiseplan. Inzwischen ist die Globalisierung auch dort angekommen.

Frauen im Regenwald Kambodschas
Die indigene Bevölkerung in Ratanakiri sammelt Früchte im Wald. © Weihermann

Der illegale Holzeinschlag zerstört das einzigartige Ökosystem und damit die Lebensgrundlagen der indigenen Gemeinschaften. Kambodscha hat eine der höchsten Entwaldungsraten der Welt. Formell ist der Holzeinschlag zwar seit den 90er Jahren verboten, aber der Staat verteilt trotzdem Konzessionen für Kautschukplantagen und sonstige „Cash Crops“ an internationale Investoren. Heute befindet sich fast die Hälfte der Landesfläche in Privatbesitz, darunter Hunderte von Quadratkilometern in geschütztem Tropenwald. Die indigene Bevölkerung wird nicht mit in die Verhandlungen einbezogen, obwohl die Gesetze dies verlangen. Viele werden sogar gezwungen, ihr Land zu verkaufen oder abzugeben.

Das Land wird knapp, die Armut steigt

Ratanakiri gehört zu den ärmsten Provinzen des Landes. Durch den Holzeinschlag spitzt sich die Situation noch zu. Ackerland und Waldflächen werden immer knapper, Flüsse und Seen verschmutzen, Hänge stürzen ab. Die meisten Menschen wissen drei Monate im Jahr nicht, wie sie satt werden sollen, manche haben sogar neun Monate nicht genug zu essen. Jedes zweite Kind unter fünf Jahren und eine von zehn Frauen im geburtsfähigen Alter sind chronisch unterernährt.

Die Welthungerhilfe und ihre lokale Partnerorganisation CEDAC (Centre d‘Etude et de Développement Agricole Cambodgien) unterstützen die Menschen in der Region bereits seit 2005 in ihrem Kampf gegen Hunger und den Raubbau der Konzerne. Das aktuelle Projekt fördert vor allem die Selbstorganisation der Bevölkerung, den Erwerb von Landtiteln und eine bessere Ernährungssituation.

Zivilgesellschaft stärken

Um die Selbsthilfekräfte der Bevölkerung langfristig zu stärken, setzen die Welthungerhilfe und CEDAC auf Bildung und Aufklärung. In Kampagnen und Workshops vermitteln sie den kleinbäuerlichen Familien ihre Rechte und wie sie Konflikte friedlich lösen können. Die kambodschanische Gesetzgebung garantiert den ethnischen Minderheiten eine Reihe von Rechten, die allerdings kaum bekannt sind. Dazu gehört zum Beispiel die offizielle Registrierung der kommunalen Landtitel im zuständigen Ministerium.

Auch auf Verwaltungsebene sind die komplizierten Verfahren kaum bekannt. Hier leisten die Welthungerhilfe und CEDAC ebenfalls wichtige Lobby– und Aufklärungsarbeit. Und damit die Reisbauern den Artenreichtum ihrer Heimat und damit ihre kulturellen Wurzeln auch für die nachkommenden Generationen sichern können, vermitteln die Schulungen darüber hinaus, wie sie bei allem Fortschritt die Umwelt immer fest im Blick behalten.

So hilft die Welthungerhilfe:

  • Die Reisbauern erfahren in Schulungen, wie sie ihre Grundnahrungsmittel bodenschonend und ertragreicher anbauen können.
  • In neu angelegten Obst- und Gemüsegärten gedeihen nährstoffreiche Gewächse wie Gurken, Melonen, Auberginen, Flaschenkürbisse oder Papaya. Mit Unterstützung der Welthungerhilfe heben die Kleinbauern Fischteiche aus. Diese Einkommensquellen geben ihnen eine neue Perspektive. In 32 Modellfarmbetrieben lernen die anderen Bauern anschaulich, was alles möglich ist.
  • Weil die gemeinsame Lagerung und Weiterverarbeitung der Ernte Kosten spart und die gemeinschaftliche Vermarktung bessere Preise erzielt, unterstützt die Welthungerhilfe die Bauern dabei, sich in Agrarkooperativen zusammenzuschließen.
  • Gemeinschaft und Solidarität erfahren die Menschen auch, indem sie Kleinbauern- und Frauengruppen sowie Sparvereine gründen.
  • Gegen Landraub: In Workshops werden Kleinbauern in ihren Rechten aufgeklärt, auf Verwaltungsebene leistet die Welthungerhilfe und CEDAC wichtige Lobbyarbeit.

(Projektnummer: KHM1055-15)

Doch der Wald wird immer kleiner. Stattdessen machen sich Großinvestoren mit ihren Plantagen breit. © Weihermann
Der Wald wird immer kleiner. Stattdessen machen sich Großinvestoren mit ihren Plantagen breit. © Weihermann
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Fischteich in Kambodscha
Die Fischzucht ist eine alternative Einkommensquelle für die Kleinbauern.
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Kontakt
Kerstin Bandsom

Kerstin Bandsom

Informationsstelle

+49 228-22 88 127

Mehr Informationen
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