Bescheidener Wohlstand durch Naturschutz

In Zentralamerika und der Karibik mindert Vorsorge die Folgen von Katastrophen

Von Constanze Bandowski

Den vollständigen Artikel finden Sie im Magazin 04/2009

Wenn sich die Erträge der Kleinbauern steigern, dient das auch dem Schutz der Wäder. © Creutzmann
Wenn sich die Erträge der Kleinbauern steigern,
dient das auch dem Schutz der Wäder.
© Creutzmann
Die Tropenstaaten Kuba, Nicaragua und die Dominikanische Republik haben viel gemeinsam: Sie liegen am Karibischen Meer, besitzen eine atemberaubende biologische Vielfalt, die Mehrzahl der Einwohner ist bitterarm und immer wieder richten Wirbelstürme extreme Schäden an. Laut Welthunger-Index 2009 ist die Ernährungslage in den drei Ländern problematisch bis ernst.

Besonders schlimm trifft es die Menschen in den abgelegenen Randzonen der Nationalparks. Kleinbauern versuchen hier mit ihren Familien von den geringen Erträgen der ausgelaugten Böden zu überleben. Die Ernte von Mais, Bohnen, Kaffee oder Maniok reicht nicht mehr aus, also drängen die Bewohner in die geschützten Gebiete vor. Dort roden sie neue Felder, schlagen illegal Holz, um etwas Geld zu verdienen und vernichten damit ihre eigene Lebensgrundlage und die zukünftiger Generationen.

 

Natur schützen heißt Armut senken

Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, hat die Welthungerhilfe zusammen mit der Tropenwaldstiftung Oro Verde ein neues Projekt ins Leben gerufen: Armut senken und Ernährung sichern durch den Schutz dieser einmaligen Ökosysteme, so lautet die Devise. Was zunächst widersprüchlich klingen mag, ist die einzige Chance auf eine gesicherte Zukunft – nicht nur für die Bauern vor Ort. Gerade in Zeiten des Klimawandels wird der Schutz der Artenvielfalt immer wichtiger. Je mehr verschiedene Pflanzen und Tiere die Welt bereichern, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass einige davon trotz elementarer, klimatischer Veränderungen überleben oder sich anpassen werden.

 

Die Länder in Zentralamerika und in der Karibik sind in den letzten Jahren immer wieder von verheerenden Wirbelstürmen oder extremen Dürreperioden heimgesucht worden. Die Hurrikans Mitch, Gustav oder Ike haben große Landstriche verwüstet und gezeigt, wie anfällig die Menschheit gegenüber Naturkatastrophen geworden ist.

 

Das länderübergreifende Regionalprogramm der Welthungerhilfe sucht daher Wege, die biologische Vielfalt zu schützen und gleichzeitig die Lebensqualität der Bevölkerung zu steigern. Umweltbewusstsein und landwirtschaftliches Wissen werden ebenso gefördert wie der Öko-Anbau von Kaffee oder anderen Produkten. Tierhaltung als zusätzliche Einkommensquelle, die Anlage von Gemüsegärten, die Ausbesserung von Wegen, Wohnhäusern und Kommunikationstechnologien oder die Installation von sanitären Anlagen und Brennholz sparenden Öfen gehören zu den wichtigen Neuerungen.

 

Nutznießer sind mehr als 15.000 Bewohner von insgesamt 122 ländlichen Gemeinden in den Pufferzonen dreier ausgewählter Nationalparks: dem Parque Nacional José Armando Bermúdez in der Dominikanischen Republik, dem Weltkultur- und Naturerbe Parque Nacional Alejandro de Humboldt auf Kuba und dem Schutzgebiet Miraflor-Moropotente in Nicaragua.

 

Wirtschaften, ohne die Natur zu zerstören

Erste Erfolge haben sich bereits eingestellt. Viele Bewohner haben erkannt, dass es andere Wege aus der Armut gibt, als die Natur weiterhin zu zerstören. "Ich werde die Ernährung meiner Familie verbessern, indem ich Gemüse in meinem Garten anbauen werde", sagt María Eugenia Gutiérrez. Die Vorsitzende des Mütterzentrums im Projektgebiet in der Dominikanischen Republik hat durch zahlreiche Seminare und Gemeindesitzungen eine neue Lebensperspektive bekommen. "Das Projekt gibt uns die Möglichkeit, einen großen Teil unseres täglichen Bedarfs sicherzustellen, und wenn wir mehr haben als nötig, können wir es sogar im nächsten Dorf verkaufen. Dann haben wir Rücklagen, wenn wieder ein Sturm kommt."

Letzte Änderung an dieser Seite: 02.12.2009

Autorin

Constanze Bandowski ist freie Journalistin.

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