Kein Ende der Dürre in Kenia: "Es ist heißer und trockener denn je."

Die Wasserlöcher im Massai-Gebiet müssen
immer tiefer gegraben werden, damit die
Menschen an das kostbaren Gut kommen.
© Krebber(März 2009) "Was mich immer wieder plättet ist die würdevolle Haltung, mit der die Menschen hier alles ertragen. Die Menschen lächeln tapfer – und leiden weiter...", berichtet Iris Krebber von der Welthungerhilfe aus Kenia. Schon seit Monaten bleibt der Regen aus im Distrikt Kajiado. Hier, in der trockenen Hitze des Südostens, arbeitet die eifrige Helferin mit ihrem Team unter hoher physischer wie psychischer Belastung im Wettlauf gegen die Zeit, gegen die Dürre.
Denn die Situation verschlechtert sich zusehens: "Schon vor zwei Wochen hat offiziell die Regenzeit begonnen. Doch nach wie vor verirrt sich kein Wölkchen am Himmel. Es ist heißer und trockener denn je", klagt Krebber. Auch die Vorhersagen geben keine Hoffnung auf den langersehnten Regen. Eine Besserung der Lage ist nicht in Sicht.

Tiefer Brunnen. © KrebberMillionen Menschen sind betroffen
Krebber schätzt, dass in den östlichen und nördlichen Distrikten des riesigen Landes ca. 3,5 Millionen Menschen von der Dürre akut betroffen sind. Insgesamt rechnet man landesweit mit ca. 9,8 Millionen, die derzeit unter einer mangelhaften Ernährung leiden.
Besonders stark betroffen sind neben den Dürreopfern auch chronisch Kranke, Kinder und Vertriebene. Wie viele Todesopfer die Dürre bereits gekostet hat, ist nicht genau klar. "Es müssen einige sein", schätzt Krebber. "Sie sterben dann heimlich, still und leise in ihrer Hütte – und niemand nimmt davon Notiz."

Besonders die Menschen
in den ländlichen Regionen
sind von medizinischer
Versorgung abgeschnitten.
© Krebber
"Wir können kaum helfen"
In Kajiado erfuhr die gebürtige Sauerländerin, dass derzeit keine Überprüfungen zur Ernährungssituation der Bevölkerung in den Gesundheitsstationen stattfinden. Nicht einmal die Kinder werden noch gewogen und gemessen, damit die Quote der Unterernährung festgestellt wird. "Wozu sollten wir das noch tun?", fragte ein Zuständiger. "Wir haben nichts, womit wir den Menschen helfen könnten."
Je weiter die Betroffenen von den Gesundheitsstationen entfernt wohnen, desto schlechter ist eine medizinische Versorgung möglich. Teilweise können sich die Menschen nicht einmal die zwei Euro für die Registrierung im Krankenhaus leisten, nachdem sie schon 50 Cent für den Kleinbus dorthin berappen mussten. "Kann es noch viel schlechter werden?", fragt sich Krebber. Im ganzen Land, vor allem in den städtischen Slums, sind zudem die Nahrungsmittelpreise massiv in die Höhe geschnellt.
"Letzte Woche haben wir eine Schule im Projektgebiet besucht. Schwache und ausgemergelte Kinder begrüßten uns mit einem Lächeln. Wir waren um die Mittagszeit dort. Und da wir nichts zu essen vorfanden, fragten wir die Kleinen, ob sie denn schon eine Mahlzeit zu sich genommen hätten. Sie antworteten mit einem hilflosen Grinsen: ‚Nichts, gar nichts haben wir gegessen. Es ist so schwierig, sich mit leerem Magen zu konzentrieren.’ Ein Schüler bemerkte zudem traurig: ‚Mein Bruder musste sogar zuhause bleiben. Er ist so schwach, dass er die Strecke zur Schule nicht mehr schafft...’"

Wasserspeicher, von ECHO
und der Welthungerhilfe
finanziert. © KrebberSo hilft die Welthungerhilfe
Wie sieht die Arbeit der Welthungerhilfe derzeit aus im Land? "Die Bestandsaufnahme ist noch nicht vollständig abgeschlossen, Anträge müssen geschrieben werden und Verhandlungen mit den Gebern in Nairobi geführt werden – wir rödeln Stund´ um Stund. Die Probleme sind so groß und die Aufgaben so umfassend, dass wir am Rande unserer Belastungsgrenzen stehen. Aber wir geben nicht auf!", betont Krebber.
Die Tätigkeiten konzentrieren sich in erster Linie auf die Abmilderung der dramatischen Folgen von Dürren in der Projektregion. So sollen Wasserspeicher in Zeiten extremer Trockenheit länger Trinkwasser bereithalten. Die Bevölkerung beteiligt sich aktiv bei der Durchführung der Arbeiten und erhält Lohn durch ein Cash-for-Work-Programm. Das verdiente Geld kann so wieder auf den lokalen Märkten für z.B. Lebensmittel investiert werden und stärkt die Kaufkraft der Gemeinde.
Unterstützen Sie unsere engagierten Helferinnen und Helfer in Kenia dabei, so vielen Menschen wie möglich helfen zu können.
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Hilfe in Kenia
Die Welthungerhilfe unterstützt bereits seit mehr als 30 Jahren kenianische Partnerorganisationen bei der Durchführung von Projekten. Seit 1993 ist die deutsche Hilfsorganisation mit einem eigenen Büro in Kenia präsent. Derzeit sind neun internationale (darunter acht Deutsche) und rund 100 kenianische Mitarbeiter in 10 Projekten tätig.
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