Kenia: Wasser speichern für Dürrezeiten
Informationen, Hintergründe und Reportagen zur aktuellen Dürre in Ostafrika
Wiederkehrende Dürren, wachsende Armut und eine hohe HIV&Aids Rate – die Probleme Kenias sind vielfältig und drängend. Das bestätigt auch ein Blick auf den Entwicklungsindex der UN: Darin nimmt das ostafrikanische Land Rang 128 von 182 untersuchten Staaten ein (HDI 2010) und zählt damit zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Welthungerhilfe schafft Abhilfe: Im Osten des Landes schafft sie gemeinsam mit der Landbevölkerung die Grundlagen für eine bessere Wasserversorgung und baut Brunnen, Dämme und Regenfänge.
Eine Frau treibt ihr Vieh zur
Wasserstelle. © KrebberAuf die Dürre folgt die Armut
Die momentane Dürre im Jahr 2011 ist nicht die erste, mit der Kenia zu kämpfen hat: Zwischen 2004 und 2006 litt das Land unter einer anhaltenden Dürre. Auch 2007 und 2009 fiel der Regen in manchen Regionen nur spärlich. Es regnete zwar, aber das rettende Nass kam häufig erst, als es für die Ernten bereits zu spät war. Leidtragende sind bis heute vor allem die Hirten und Kleinbauern im Osten, Südosten und Westen des Landes. Ihnen fehlt es an Wasser und Nahrungsmitteln, denn die Ernten sind fast vollständig ausgefallen, das Vieh hat keine Weidegründe mehr und die Wege zu den verbliebenen Wasserquellen werden immer länger. In Kajiado, wo die Welthungerhilfe besonders aktiv ist, haben die ansässigen Massai während der Dürreperiode 2004 bis 2006 mehr als zwei Drittel ihres Viehbestands verloren und damit auch ihre Lebensgrundlage.
Die Dürren kann die Welthungerhilfe zwar nicht stoppen, aber sie kann der Bevölkerung dabei helfen, sie besser zu überstehen. In den vergangenen Jahren hat die Welthungerhilfe gemeinsam mit den Massai Methonden entwickelt, wie sie einfach Regenwasser sammeln können. Dank dieser neuen Methoden, haben jetzt 72.000 Massai auch in der Dürre 2011 sauberes Trinkwasser für sich, ihre Tiere und die Bewässerung der Felder.
Speichertank für Wasser am
Fuß eines Felsregenfangs.
© GrossmanRegen mit Felsen einfangen
Das Wasser wurde gesammelt mit so genannten "Felsregenfängen". Dieses System ist ebenso simpel wie effektiv: Ein hoher und kahler Felsen wird von einer Mauer eingefasst. Bei Regen läuft das Wasser den Stein hinab und fließt in eine Sammelbecken. Dort befindet sich ein Kiesfilter, durch den das Wasser in Rohren zu einem oder mehreren meist 150 Kubikmeter großen Speichertank geleitet wird. Ein anderer Teil fließt in die offenen Becken, an denen die Massai ihr Vieh tränken. So werden Trinkwasser für Mensch und Vieh hygienisch getrennt und die Menschen werden nicht krank.

Felsenregenfang in Kenia,
blank geschrubbt und
eingefasst: . © Manoocher
Deghati / IRIN
Außer Felsregenfängen baut die Welthungerhilfe gemeinsam mit den Menschen vor Ort auch Dachregenfänge an Grundschulen, Brunnen und Dämme. Die Bevölkerung stellt nicht nur das Material zur Verfügung - Sand, Steine, Wasser -, sondern arbeitet auch selbst auf den Baustellen und verwaltet später die Einrichtungen. Für ihre Mitarbeit bekommen sie von der Welthungerhilfe einen Lohn ausgezahlt, mit dem sie während der Bauarbeiten ihre Familien ernähren können. Jeder, der mithilft, teilt auch den Nutzen der Wasserstellen.
Gesundheit durch Hygiene und neue Sanitäranlagen
Mit Hilfe der Welthungerhilfe sollen auch die sanitären Einrichtungen und Hygiene in der Region verbessert werden. Denn mit zunehmendem Wassermangel steigt auch die Zahl der Krankheiten, die durch unsauberes Wasser und mangelnde Hygiene verursacht wurden. Zur Vorbeugung stattet die Welthungerhilfe Grundschulen mit neuen Toiletten und Waschbecken aus. In Schulungen lernen die Menschen, wie wichtig sauberes Trinkwasser für die Gesundheit ist. Die Welthungerhilfe will vor allem die Selbsthilfekapazitäten der Gemeinden stärken, damit sie kommende Dürren aus eigener Kraft überstehen können.

Masai transportiert Material
für einen neuen Regenfang.
© KrebberFrauen und Kinder profitieren besonders
Von der Arbeit der Welthungerhilfe profitiert zwar die ganze Bevölkerung, ganz besonders aber werden Frauen und Kinder berücksichtigt. Frauen übernehmen wie in vielen Entwicklungsländern einen großen Teil der Land- und Hausarbeit. Sie sind verantwortlich für die Beschaffung von Wasser und leiden besonders darunter, wenn die Wege zur nächsten Wasserquelle immer weiter werden. Um bestehende Ungleichheiten in den Dörfern auszugleichen, werden sie in Entscheidungsprozesse einbezogen. Bei allen Schulungen müssen mindestens 50 Prozent der TeilnehmerInnen weiblich sein.
Welthunger-Index 2011: Kenia
Die Welthungerhilfe in Kenia
Die Welthungerhilfe unterstützt bereits seit mehr als 30 Jahren kenianische Partnerorganisationen bei der Durchführung von Projekten. Seit 1993 ist die deutsche Hilfsorganisation mit einem eigenen Büro in Kenia präsent. Derzeit sind neun internationale (darunter acht Deutsche) und rund 100 kenianische Mitarbeiter in 10 Projekten tätig. Die aktuellen Vorhaben haben ein Gesamtvolumen von ca. 10 Millionen Euro.
Projektnummer
- KEN 1078
Projektfinanzierung
- DP ECHO
Projektdauer
- Jan. 2008 bis 31.12.2011
Projektorte
- Kajiado-Distrikt, Provinz Rift Valley
Schwerpunkt
Dürreprävention
- Trinkwasserversorgung
- Sanitärversorgung
- Hygienemaßnahmen
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