Katrin Müller-Hohenstein während eines Projektbesuchs in Laos:
"Offen gestanden, ich empfinde Demut!"
Von Bettina Beuttner
Katrin Müller-Hohenstein über ihre Empfindungen nach der Laos-Reise

"Ein unbeschreiblich schönes Land." Katrin
Müller-Hohenstein mit Inkham Thammong in
Laos. © Schernikau Wir fahren von der Provinzhauptstadt Oudomxay, dem Standort unseres Büros in Laos, nach Houay Liang. Das kleine Dorf liegt im nördlichen Laos, ca. 40 Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt. Eine wunderschöne Landschaft. Nebel, Wolken und Sonne wechseln sich ab und geben atemberaubende Blicke auf die bergige Landschaft frei. Auch Katrin Müller-Hohenstein ist begeistert: "Wir sind jetzt mittendrin in Laos. Ich habe selten so etwas Schönes gesehen!"
Doch der Weg in dieses Paradies ist beschwerlich. Die Straßen sind nicht befestigt, wir holpern über Lehm- und Schotterpisten mit riesigen Schlaglöchern. Wenn es hier regnet, geht nichts mehr. Dann sind viele Dörfer von der Außenwelt komplett abgeschlossen. Unter Einheimischen heißt die Bergregion "die vergessene Welt".

"Hat jemand Lust auf eine
Runde Fussball?" Schon drei Jahren ein gutes Team
Wir erreichen Houay Liang. Die Welthungerhilfe arbeitet seit knapp drei Jahren mit den Dorfbewohnern zusammen. Als erstes wurde eine Wasserzapfstelle eingerichtet, damit die rund 200 Bewohner Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Katrin hält ihre Hände unter den Wasserstrahl: "Gut, dass die Frauen und Kinder jetzt sauberes Wasser im Dorf haben und nicht mehr so weit laufen müssen, um Wasser zu holen. Und es gibt auch viel weniger Krankheiten. Das ist toll!"
Die Welthungerhilfe klärt hier auch über verbesserte Anbaumethoden für den ertragreichen Nassreis auf und hilft den Menschen bei der Umsetzung von einkommen schaffenden Maßnahmen wie z.B. einer Schweine- oder Pilzzucht, mit denen ein eigenes Einkommen erwirtschaftet werden kann. Diese Kurse helfen vor allem den Frauen, eine größere Unabhängigkeit zu entwickeln. "Wenn die Frauen dank verbesserter Anbaumethoden mehr Zeit für ihre Familien und Kinder haben, ist das ein großes Verdienst", betont Katrin.

Inkham und weitere Frauen
weisen Katrin in die Kunst
der Bambus-verarbeitung
ein. © SchernikauSo erfolgreich werden wie die Frau im Fernsehen
Wir treffen Inkham Thammong. Die 27-jährige Mutter zweier Kinder hat mal eine Frau im thailändischen Fernsehen gesehen, die Pilze gezüchtet hat. Nicht im Traum hätte sie sich vorstellen können, einmal eine eigene Pilzzucht zu besitzen. Doch der Wunsch nach Selbständigkeit und mehr Lebensqualität wuchs und wuchs. Sie nahm an einem Training der Welthungerhilfe für Frauen teil, wo ihr unter anderem die Kenntnisse für den Aufbau einer Pilzzucht vermittelt wurden. Katrin ist sehr beeindruckt von der zierlichen und zugleich selbstbewussten Frau, die es zu ein wenig Unabhängigkeit und eigenem Einkommen gebracht hat.
Katrin: "Inkham, wie sieht dein Tagesablauf aus?"
Inkham: "Ich stehe auf bei Sonnenaufgang, das ist so gegen kurz vor 5 Uhr. Dann koche ich Reis für die Familie, versorge die Schweine und bringe die Kinder in die Schule. Danach gehe ich auf unser Reisfeld, pflege das Gemüsefeld und kümmere mich um die Fischteiche. Es gibt immer was tun. Und das ist auch gut so."
Katrin: "Was sagt dein Mann über dein berufliches Engagement? Unterstützt er dich?"
Inkham: "Nun ja, anfangs musste er sich erst an meinen neuen Job als Klein-Unternehmerin gewöhnen. Doch mittlerweile ist er sehr stolz auf mich. Unsere Gespräche sind jetzt viel besser und partnerschaftlich. Wir planen die Zukunft nun gemeinsam. Früher gab es oft Streit, da es nicht genug zu essen gab und wir ums tägliche Überleben kämpfen mussten. Heute läuft alles viel ruhiger und entspannter ab."
Katrin: "Was ist dein größer Wunsch, Inkham?"
Inkham: "Ich möchte gerne meine Pilzzucht ausbauen und noch mehr lernen, um die Pilze selber herzustellen und unabhängig zu sein. Ich würde auch gerne das Gewürz Cardamon anbauen. Für meine Familie und mich hätte ich gerne einen schönen, großen Kochtopf, in dem ich das Essen für die ganze Familie zubereiten kann."

Stolz zeigt Inkham dem
Gast aus Deutschland ihr
Reisfeld. © SchernikauNach dem Gespräch zeigt Inkham Katrin ihr Reisefeld, das sich direkt hinter dem Dorf befindet. Sie hat Fischfutter in einem Korb dabei. Das Reisfeld gehört der Familie und hat die Größe von einem halben Fußballfeld. Nicht ohne Stolz zeigt sie Katrin ihr Land - ihr Leben.
Keine Freizeit - und doch glücklich
Der Tag im Dorf Houay Liang neigt sich dem Ende. Und wir verabschieden uns wieder von den beeindruckenden Menschen, die uns so offen aus ihrem Leben berichtet haben.
Auch Katrin ist erschöpft, aber zugleich auch glücklich über diese interessanten Begegnungen: "Ich bin jetzt völlig erschlagen von den vielen Eindrücken dieser ganz anderen Welt. Trotz der Armut machen die Menschen hier einen glücklichen Eindruck, weil sie dank Welthungerhilfe und Hilfe zur Selbsthilfe schon viel selber bewegen konnten. Ich bin beeindruckt, wie hart die Menschen, vor allem die Frauen, hier arbeiten. Sie haben keine Freizeit. Aber dennoch machen sie einen ausgeglichenen, ruhigen und selbstbewussten Eindruck. Die Frauen halten hier die Dinge zusammen. Das ist ganz klar. Und daher ist es sehr richtig, dass die Welthungerhilfe die Frauen stark macht. Ich habe viel gelernt. Vor allen Dingen auch von Inkham, die mich sehr beeindruckt hat. Ich empfinde offen gestanden auch Demut, denn es sind hier ganz andere und oftmals sehr kleine Dinge, die die Menschen hier glücklich machen. Schon mit wenig kann man hier viel bewegen und den Menschen zu einem würdevollen Leben aus eigener Kraft verhelfen!"
Wir bedanken uns bei Katrin Müller-Hohenstein für ihre Unterstützung unserer Arbeit.
Autorin
Bettina Beuttner ist Mitarbeiterin der Welthungerhilfe in Bonn und begleitete Katrin Müller-Hohenstein, die Moderatorin des aktuellen Sportstudios im ZDF, auf der Reise durch Laos.
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