Vorsorge ist besser als Nachsorge - der möglichen Gewalt vorbeugen

Zerstörungen in Kabul: Weite Teile der Stadt
liegen in Trümmern. © WHHMilitärische Interventionen zur Verbesserung der humanitären Lage werden weltweit immer häufiger. Dies trifft besonders bei so genannten "komplexen Katastrophen" zu, in denen beispielsweise bewaffnete Konflikte mit Hungerkatastrophen und akuten Menschenrechtsverletzungen einhergehen. Mit dem militärischen Eingreifen sind häufig Prozesse des "statebuilding" oder "nationbuilding" verbunden. Ergänzend zum militärischen Eingriff wird versucht, mit zivilen Mitteln einen funktionsfähigen Staat, Ernährungssicherheit und sozioökonomische Sicherheit für die Bevölkerung wiederherzustellen.

UN-Soldaten patroullieren in
Bunia, Ostkongo. © WHHWie erfolgreich ist das militärische Eingreifen?
Die Bilanz dieser statebuilding-Prozesse ist allerdings sehr ambivalent. So endete im Jahr 1995 die Intervention der Vereinten Nationen in Somalia in einem Desaster: Nicht nur misslang es der Truppe, Frieden zu erzwingen. Mehr noch, durch das Eingreifen entstanden neue Konfliktherde, die das Land nach dem Abzug der Truppen in einer schlechteren Verfassung zurück ließen als zuvor. Auch in Afghanistan droht gegenwärtig der Versuch zu scheitern, mit militärischen Mitteln einen stabilen, sicheren Staat aufzubauen.

ISAF-Fahrzeug in Kabul.
© KropkeErfolge und Misserfolge militärischer Interventionen
Zwar gelingt es immerhin drei von vier Missionen, die Gewalt soweit einzudämmen, dass auch fünf Jahre nach der Intervention die Gewalt ausbleibt. Andere Ziele werden jedoch deutlich seltener durch militärisches Eingreifen erreicht: Nur in einem von zwei Fällen kann Rechtsstaatlichkeit hergestellt werden. Und lediglich nach einer von drei Missionen lässt sich eine Verbesserung der demokratischen Strukturen, ein höheres Wirtschaftswachstum oder bessere Regierungsführung feststellen.
Gewaltprävention als bessere Alternative
Eine bessere Alternative ist es, bereits vor Ausbruch von Gewaltkonflikten mit zivilen Mitteln präventiv einzugreifen. Dabei liegt die Betonung auf der Prävention. Denn es besteht eine reale Gefahr, dass zivile Konfliktbearbeitung erst nach dem militärischen Eingreifen zur Befriedung von Staaten eingesetzt wird. Diese Instrumentalisierung von Entwicklungshilfe ist besonders kritisch, da häufig mit zweifelhaftem oder gar keinem Mandat interveniert wurde, wie die Beispiele Afghanistan und Irak belegen.

Nahrungssicherung durch
die Welthungerhilfe in
Afghanistan: Frauen im
Gemüsegarten. © KropkeDas Konzept der "menschlichen Sicherheit"
Schon 1994 wies das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) darauf hin, dass sich die "Suche nach Sicherheit auf Entwicklung und nicht auf Waffen richten" müsse. Um diesen Zusammenhang zu erfassen, wurde der Begriff der "menschlichen Sicherheit" geprägt. Menschliche Sicherheit bezeichnet dabei die Freiheit von Angst und Mangel. Er bezieht sich ähnlich wie der Begriff der Menschenrechte auf den einzelnen Menschen. Dahinter steht die Idee, dass alle Menschen sicher sein sollen vor Bedrohungen wie Hunger, Krankheiten, Arbeitslosigkeit, Umweltschäden, politischer Gewalt und Verbrechen. Zwischen vielen dieser Bedrohungen bestehen Wechselwirkungen. Demnach ist die Bearbeitung eines Problems ohne die Bearbeitung des anderen kaum möglich.
Der Beitrag der Welthungerhilfe zur Konfliktprävention
In diesem Sinne lässt sich der Beitrag, den die Welthungerhilfe in vielen Ländern leistet, auch als zivile Krisenprävention verstehen. Insbesondere das Engagement für Ernährungssicherheit, aber auch für sozioökonomische Sicherheit und in anderen Bereichen der menschlichen Sicherheit tragen zur nachhaltigen Friedenssicherung bei. Denn Hunger und Armut stehen in engem Zusammenhang mit Konflikten und Kriegen. Die Welthungerhilfe bietet Hilfe zur Selbsthilfe und befähigt damit die Menschen mit den unterschiedlichsten Bedrohungen umzugehen. Die Welthungerhilfe führt zu diesem Zweck nicht nur entwicklungspolitische Maßnahmen durch. Sie setzt auch auf der strukturellen Ebene an. In ihrer politischen Arbeit in Deutschland und Europa setzt sich sich für eine gerechtere Weltordnung ein.
Kontakt
Dr. Katrin Radtke
Referentin Entwicklungspolitik und
humanitäre Hilfe
0228 / 22 88 - 112
katrin.radtke@welthungerhilfe.de
Hubertus Rüffer
Referent Sicherheitsmanagement
0228 / 22 88 - 210
hubertus.rueffer@welthungerhilfe.de
Das Themenspezial Konflikte und Katastrophen
Der Kreislauf von Armut und Krieg
Vorsorge ist besser als Nachsorge - der möglichen Gewalt vorsorgen
Mit Konflikten sensibel umgehen: Herausforderung von Entwicklungszusammenarbeit
Arbeit in gefährlichen Regionen: Angriffe auf Entwicklungshelfer
Unsere Nothilfeprojekte: Konflikte und Katastrophen weltweit
Weitere Informationen
Grafikdienst: Armut fördert Bürgerkriege - wachsender Wohlstand senkt Konflikte
Interview mit Elmar Altvater: "Mit militärischen Mitteln erreicht man nur eine Scheinsicherheit."
